Ein Thron schlägt in das Eis
Die Eiskronenzitadelle begann mit einem Gefängnis. Kil'jaeden schleuderte Ner'zhuls gebundenen Geist in einem Block aus magischem Eis nach Azeroth. Der Frostthron schlug in den Gletscher von Eiskrone und wurde zum Mittelpunkt, von dem der Lichkönig seinen Willen über die Toten ausbreitete.
Nathrezim und Geißel errichteten um den Thron eine Festung. Ihre Türme wuchsen aus Eis und Saronit, dem verhärteten Blut Yogg-Sarons. Die Zitadelle sollte nicht nur einen Herrscher schützen. Sie war Kaserne, Werkstatt, Schlachthaus und weithin sichtbare Drohung. Von hier aus wurde der Tod verwaltet wie in anderen Reichen Getreide oder Steuern.
Arthas steigt hinauf
Nach dem Fall Lordaerons rief Ner'zhul Arthas nach Nordend. Illidan versuchte im Auftrag Kil'jaedens, den Frostthron zu zerstören. Am Fuß des Gletschers trafen ihre Heere aufeinander, und Arthas besiegte den Dämonenjäger. Dann stieg er die Stufen hinauf, zerschlug den eisigen Kerker und setzte den Helm der Herrschaft auf.
Arthas und Ner'zhul wurden zum neuen Lichkönig. Über Jahre saß er reglos auf dem Thron, während Stürme um die Zitadelle tobten und seine Diener die Anlage erweiterten. Unter ihm trainierten Todesritter; in den Hallen sammelte die Geißel Leiber, Seelen und Waffen für den kommenden Krieg. Das Schweigen auf der Spitze bedeutete keine Untätigkeit. Ein ganzes Reich arbeitete im Rhythmus eines einzigen wartenden Willens.
Die Hallen der Geißel
Als Horde und Allianz nach Nordend kamen, war die Zitadelle das Ziel, aber nicht sofort erreichbar. Vor ihren Mauern lagen Heere, Schluchten und Befestigungen. Der Argentumkreuzzug und die Ritter der Schwarzen Klinge errichteten Stützpunkte und vereinten sich zum Äschernen Verdikt. Paladine des Lichts und ehemalige Diener des Lichkönigs marschierten gemeinsam, weil keiner allein den Weg bis zum Thron öffnen konnte.
Im Inneren begegneten sie nicht nur namenlosen Untoten. Saurfangs gefallener Sohn stand als Todesbringer gegen sie. Professor Seuchenmord verwandelte Forschung in Seuchen und zusammengenähte Körper. Die Blutprinzen und Königin Lana'thel bewahrten eine verdorbene höfische Welt. Sindragosa führte Frostwyrme, nachdem Arthas ihre Gebeine aus dem Eis gerissen hatte. Jede Ebene zeigte eine andere Form, in der der Lichkönig Persönlichkeit bestehen ließ, solange sie ihm diente.
Kein König herrscht ewig
Auf dem Frostthron kämpften Tirion Fordring und Azeroths Streiter gegen Arthas. Der Lichkönig wollte sie nicht bloß töten. Er hatte den Feldzug zugelassen, damit die größten Helden der Welt bis zu ihm kamen und als seine mächtigsten Diener wiederauferstanden. Erst als Frostgram zerbrach und die darin gefangenen Seelen sich erhoben, brach sein Plan zusammen.
Arthas starb in den Armen des Geistes seines Vaters. Doch die Geißel blieb. Ohne einen beherrschenden Willen hätte sie Nordend und die Welt überrannt. Bolvar Fordragon setzte den Helm auf und nahm den Frostthron ein. Die Zitadelle wurde vom Sitz eines Eroberers zum Gefängnis eines Wächters, der verlangte, die Welt solle seinen Namen vergessen.
Der zerbrochene Himmel
Jahre später kam Sylvanas Windläufer zurück. Sie besiegte Bolvar, nahm den Helm und zerriss ihn. Über der Zitadelle brach der Schleier zu den Schattenlanden auf. Der Ort, an dem Herrschaft über Tote konzentriert worden war, wurde buchstäblich zur Wunde zwischen Leben und Tod.
Die Eiskronenzitadelle ist damit mehr als Arthas' Endpunkt. In ihr liegen Ner'zhuls Gefangenschaft, Kil'jaedens Plan, Yogg-Sarons Blut, Bolvars Opfer und Sylvanas' Aufbruch übereinander. Ihre Höhe verspricht Überblick, doch jeder Herrscher auf ihrem Thron war selbst an größere Mächte gebunden. Die Stufen führen nach oben; die Geschichte führt immer tiefer in die Frage, wer hier jemals wirklich frei befahl.
Quellen
Warcraft Wiki: Icecrown Citadel
Warcraft Wiki: Frozen Throne
Warcraft Wiki: Ashen Verdict