Ehre und StärkeBlackmoore
Nathrezim
Volk

Nathrezim

Die Nathrezim wurden von Graf Denathrius als unsichtbare Gäste geschaffen, die andere Mächte von innen lenken. Als Schreckenslords dienten sie der Legion, bewachten die Geißel und trieben Sterbliche wie Arthas in den Untergang, während ihre tiefste Treue dem Tod verborgen blieb.

Die unsichtbaren Gäste

Die Nathrezim nennen sich in ihrer eigenen Sprache unsichtbare Gäste. Der Name beschreibt ihre bevorzugte Art des Krieges genauer als Flügel, Klauen oder die Bezeichnung Schreckenslord. Ein Gast wird eingelassen. Er lernt die Gewohnheiten des Hauses, erkennt, wer wem misstraut, und weiß bald, welche Tür nachts nicht verschlossen wird. Wenn der Untergang kommt, soll niemand sicher sagen können, ob der Fremde ihn brachte oder ob die Bewohner ihn selbst vorbereitet haben.

Graf Denathrius erschuf die Nathrezim in Revendreth als Spione des Todes. Ihre angebliche Verbannung war Teil der Tarnung. Viele ließen sich im Wirbelnden Nether nieder, wurden zu Dämonen und errichteten auf Nathreza eine neue Heimat, ohne ihre erste Treue abzulegen. Sie konnten Fel benutzen, unter Dämonen leben und Kil'jaeden dienen, während ihr langer Auftrag auf einen anderen Herrn verwies. Nähe zu einer Macht bedeutete für sie nie Zugehörigkeit. Sie war eine Maske, die so lange getragen wurde, bis selbst der Träger eines Reiches vergaß, sie zu prüfen.

Eine Legion, die ihren Ratgebern glaubte

In der Brennenden Legion stiegen Nathrezim zu Feldherren und Verwaltern auf. Tichondrius führte sie, Detheroc brach Willen, Balnazzar trug fremde Gesichter, und Mal'Ganis verstand es, Verfolgung in Besessenheit zu verwandeln. Ein Bericht aus Revendreth beschreibt sogar den Plan, die großen kosmischen Mächte zu unterwandern und ihre Gewissheiten gegeneinander zu wenden. Welche einzelne Krise tatsächlich aus diesem Plan hervorging, ist nicht in jedem Fall bewiesen. Gerade das entspricht ihrem Werk: Ein erfolgreiches Gerücht hinterlässt selten eine Unterschrift.

Auch Sargeras begegnete den Nathrezim lange vor der Entstehung seiner Legion. Sie kannten die Leere und nährten seine Furcht vor einer von ihr verdorbenen Weltenseele. Daraus folgt nicht, dass sie seinen Kreuzzug allein erfanden. Sargeras wählte selbst, Vernichtung zur vermeintlichen Rettung zu machen. Doch die Schreckenslords verstanden, welche Wahrheit sie ihm zeigen mussten, damit seine Angst den Rest ergänzte. Sie brauchten keinen Titanen zu beherrschen, wenn sie ihm eine Vorstellung gaben, in der sein eigener Entschluss unausweichlich erschien.

Der Prinz und die Seuche

Im Dritten Krieg beaufsichtigten Nathrezim die Geißel im Namen der Legion und misstrauten dem gefesselten Lichkönig. Mal'Ganis führte Arthas von Andorhal nach Stratholme und weiter bis nach Nordend. Er stellte dem Prinzen immer neue Schrecken vor Augen, ohne ihm den letzten Schritt abzunehmen. Arthas glaubte, Härte sei der Beweis, dass er sein Volk mehr liebe als alle Zögernden. So wurde seine Entschlossenheit zur Kette, an der Mal'Ganis ihn bis Frostgram zog.

Tichondrius lenkte später die Geißel und fiel durch Illidan, den er mit der Macht des Schädels von Gul'dan zugleich stärker und dämonischer gemacht hatte. Andere Schreckenslords überlebten den Zusammenbruch der Legionherrschaft in Lordaeron. Varimathras unterwarf sich scheinbar Sylvanas, wartete in Unterstadt und wandte sich schließlich mit Großapotheker Putress gegen sie. Seine Niederlage änderte nichts an der Methode. Jahre vermeintlicher Loyalität genügten, damit jeder spätere Verbündete der Verlassenen auch den Verdacht erbte, nur auf seinen Augenblick zu warten.

Gesichter im Krieg der Legion

Während der dritten Invasion erschien ihre alte Kunst in neuen Verkleidungen. Detheroc nahm Mathias Shaws Gestalt an und lenkte SI:7 aus dem Inneren. Ein anderer Nathrezim bot Khadgar mit Medivhs Gesicht die Macht eines neuen Wächters an. Tichondrius wirkte in Suramar, während Mephistroth die Küste der Verheerten Inseln bedrohte. Wo Azeroths Verteidiger Informationen und Vertrauen am dringendsten brauchten, griffen die Schreckenslords nicht zuerst die Mauern, sondern die Gewissheit an, wer auf der eigenen Seite stand.

Illidan hatte Nathreza schon früher angegriffen und große Teile der Welt zerstört, um Wissen über Argus zu gewinnen. Die Nathrezim verloren damit einen wichtigen Zufluchtsort, aber kein gemeinsames Reich, dessen Fall sie beendet hätte. Ihre eigentliche Heimat war längst ein Auftrag geworden. Solange einer von ihnen eine fremde Sprache sprach, eine fremde Macht trug und an einem fremden Tisch glaubwürdig lächelte, bestand ihr Volk in der Form weiter, für die Denathrius es geschaffen hatte.

Die Rückkehr zum Herrn des Schreckens

In den Schattenlanden legten die Nathrezim einen Teil ihrer Masken ab. Sie befreiten Denathrius aus seiner Gefangenschaft in Remornia, unterwanderten die Pakte und halfen dem Kerkermeister auf seinem Weg zum Mausoleum der Ersten. Mal'Ganis und Kin'tessa kämpften dort offen für den Plan des Todes. Mit Zovaals Niederlage zerbrach dieses Vorhaben, doch Denathrius blieb verschwunden. Eine geschlagene Armee könnte man zählen. Bei den unsichtbaren Gästen weiß niemand, wie viele nach einer Niederlage lediglich wieder aufgehört haben, wie Feinde auszusehen.

Darum liegt ihre größte Grausamkeit nicht im Flüstern selbst, sondern in der Verantwortung, die danach bei anderen bleibt. Arthas zog sein Schwert, Sargeras begann seinen Kreuzzug, Verbündete verrieten einander mit den eigenen Händen. Die Nathrezim schaffen Bedingungen, in denen Schuld und Manipulation nicht sauber zu trennen sind. Wer sie zu den Urhebern jeder Katastrophe erklärt, schenkt ihren Opfern eine zu leichte Unschuld. Wer ihren Einfluss leugnet, lässt die Tür offen. Zwischen beidem wartet ihre Kunst: den Willen ihres Opfers so gegen dieses zu wenden, dass er die Kette noch für eine Entscheidung hält.