Die azurblaue Königin
Sindragosa gehörte zu den alten blauen Drachen und war Malygos' wichtigste Gefährtin. Gemeinsam wachten sie über arkane Magie. Schon im Krieg der Schuppen kämpfte sie gegen die Inkarnationen und deren Anhänger. Ihre Geschichte begann daher nicht als die eines toten Ungeheuers, sondern als Teil einer Drachengemeinschaft mit Aufgaben, Bindungen und einer Zukunft.
Bevor die Dracheninseln verlassen wurden, schuf Sindragosa ein arkanes Simulakrum. Es bewahrte Wissen und Erinnerungen, damit spätere Generationen darauf zugreifen konnten. Darin lag ein anderes Verständnis von Vermächtnis als in einem Grabmal. Nicht ihre Macht allein sollte bleiben, sondern die Stimme, mit der sie Fragen beantworten und Lernende führen konnte.
Der Fall des blauen Schwarms
Im Krieg der Ahnen setzte Neltharion die Drachenseele gegen die anderen Schwärme ein. Der blaue Schwarm wurde beinahe ausgelöscht. Sindragosa wurde von der Gewalt weit nach Norden geschleudert, geblendet und tödlich verletzt. Sie versuchte, die Drachenöde zu erreichen, wo Drachen zum Sterben hinzogen.
Ihre Flügel trugen sie nicht weit genug. In Eiskrone rief sie nach Malygos, doch nur der Wind antwortete. Schmerz und Verwirrung verwandelten die letzten Augenblicke in Bitterkeit gegen Neltharion, die Legion, ihren fernen Gefährten und schließlich gegen die Welt. Sindragosa starb nicht als reine Verkörperung dieses Hasses. Sie starb als verletzte Drachin, deren letzter Gedanke später von einem anderen Herrscher ausgewählt und gegen alles Frühere gestellt wurde.
Die Königin der Frostbrut
Der Lichkönig erhob Sindragosas Gebeine. Ihr Ruf über Eiskrone wurde zum Zeichen, dass selbst Drachen nicht außerhalb seiner Reichweite lagen. Als Königin der Frostbrut sammelte und stärkte sie Frostwyrme für die Geißel. Die Kälte, in der sie einsam gestorben war, wurde nun zur Waffe ihrer Knechtschaft.
In der Eiskronenzitadelle verteidigte sie Arthas. Wer gegen sie kämpfte, begegnete mehreren Verbrechen zugleich: Neltharions Verrat, Malygos' Verlust und der Nekromantie, die aus einem qualvollen Ende eine ganze Identität machte. Nach ihrem Fall wurde ihre kristalline Essenz zu Kalecgos gebracht, damit die verdunkelte, aber noch edle Seele endlich Ruhe finden konnte.
Die Stimme, die nicht gestorben war
Als die Dracheninseln wieder erwachten, aktivierte sich Sindragosas Simulakrum in den Azurarchiven. Es hatte ihren Tod, den Fall Malygos' und die Zerstreuung des Schwarms nicht erlebt. Kalecgos musste einer Erinnerung erklären, dass die Welt ohne die Personen weitergegangen war, für die sie geschaffen worden war.
Das Abbild half ihm, Leylinien zu heilen und verstreute blaue Drachen heimzurufen. Es erinnerte daran, dass ein Schwarm mehr als seine Aufgabe ist. Unter Malygos hatte Pflicht sich in Kontrolle verwandelt und Einsamkeit als Stärke ausgegeben. Sindragosas bewahrte Stimme drängte Kalecgos dagegen, Familie nicht als Nebensache der Magie zu behandeln.
Eine Erinnerung heilt die andere
Die Geister Malygos' und der wirklichen Sindragosa blieben später in einer Schleife ihrer traumatischen Tode gefangen. Kalecgos und der wiedervereinte blaue Schwarm beruhigten sie. Das Simulakrum berührte Sindragosas Geist und teilte die Erinnerungen an alles, was seit seiner Erweckung geschehen war. Die Tote sah, dass ihr Schwarm nicht nur durch Verlust bestimmt blieb.
Daraufhin fanden Sindragosa und Malygos Ruhe, und auch das Simulakrum konnte verstummen. Damit erhielt ihre Geschichte ein Ende, das der Lichkönig ihr verweigert hatte. Er hatte den hasserfüllten letzten Augenblick genommen und daraus eine Königin gemacht. Das arkane Abbild bewahrte dagegen Neugier, Fürsorge und Wissen aus ihrem ganzen Leben. Sindragosa wurde nicht geheilt, indem ihr Tod vergessen wurde, sondern indem dieser Tod aufhörte, alles zu sein, was von ihr erzählt werden konnte.