Waffen, die sich selbst wiedererkannten
Die ersten Ritter der Schwarzen Klinge waren keine Freiwilligen eines düsteren Ordens. Arthas hatte gefallene Kämpfer als Todesritter erhoben, ihre Erinnerungen missbraucht und sie in Acherus zu Anführern seiner Geißel geformt. Sie vernichteten Havenau und Neu-Avalon, richteten Scharlachrote und Unbeteiligte hin und lernten, Schmerz als Treibstoff ihrer Runen zu gebrauchen. In jedem von ihnen blieb dennoch ein Rest der früheren Person zurück, den der Lichkönig nicht vollkommen auslöschen konnte.
Darion Mograine führte sie mit dem verderbten Aschenbringer. Er selbst war aus Liebe zu seinem gefangenen Vater gestorben und von der Geißel zurückgeholt worden. Das machte ihn zum passenden Werkzeug für Arthas: ein Ritter, dessen edelste Entscheidung in eine neue Kette verwandelt worden war. Die späteren Mitglieder der Schwarzen Klinge konnten ihre Taten nicht als bloßen Traum ablegen. Befreiung sollte ihnen Willen zurückgeben, nicht die Körper der von ihnen Getöteten aus der Erde heben.
Der Verrat an der Kapelle
Arthas befahl den Todesrittern, die Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts anzugreifen. Zehntausend Diener der Geißel standen wenigen Verteidigern gegenüber. Der eigentliche Plan galt jedoch Tirion Fordring: Der Lichkönig wollte den Paladin hervorlocken und mit Frostgram verschlingen. Als er sein Ziel offenbarte, begriffen Darion und seine Gefährten, dass sie selbst nur Köder gewesen waren, für den ihr Meister keinen Fortbestand vorgesehen hatte.
Darion widersetzte sich der Beherrschung lange genug, um Tirion den verderbten Aschenbringer zuzuwerfen. Das Licht der Kapelle reinigte die Klinge, und Arthas musste weichen. Die befreiten Todesritter nahmen Acherus ein und gründeten unter Darion die Ritter der Schwarzen Klinge. Ihr Name versprach keine Rückkehr zu Reinheit. Er bezeichnete eine Waffe, die ihre Schwärze nicht verleugnete, sich aber gegen die Hand richtete, die sie geführt hatte.
Verbündete ohne Heimat
In Nordend schloss sich die Schwarze Klinge mit dem Argentumkreuzzug zur Aschenen Verdammnis zusammen. Lebende Soldaten kämpften neben Wesen, deren Runen genau jene Kälte, Krankheit und Nekromantie nutzten, die Arthas über die Welt gebracht hatte. Das Bündnis beruhte nicht auf Vertrauen allein. Es beruhte auch auf der Einsicht, dass ehemalige Diener die Festungen, Gewohnheiten und Grausamkeiten ihres Meisters auf eine Weise verstanden, die kein unversehrter Ritter lernen konnte.
Nach dem Fall des Lichkönigs fehlte vielen Todesrittern ein Ziel. Sie konnten nicht in ihr früheres Leben zurückkehren, und manche Verwandte sahen in ihnen nur den Leichnam eines geliebten Angehörigen. Darion hielt den Orden als Wache gegen Mächte des Todes zusammen. Darin lag eine Form von Buße, aber keine Bitte um rasche Vergebung. Die Schwarze Klinge bot ihren Mitgliedern etwas Nüchterneres: Aufgabe, Gemeinschaft und Regeln für eine Existenz, die andernfalls leicht wieder in Hunger und Gewalt zerfallen konnte.
Bolvars Befehl und die vier Reiter
Während der dritten Legioninvasion sprach Bolvar Fordragon als Lichkönig erneut zu den Todesrittern. Unter einem neuen Todeslord erhob die Schwarze Klinge Nazgrim, Thoras Trollbann und Sally Weißsträhne als Reiter. Bolvar verlangte zuletzt Tirion Fordrings Leichnam. Der Orden drang abermals in die Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts ein und versuchte, einen ihrer größten früheren Verbündeten gegen den Willen seiner Gefährten zu erheben.
Das Licht schützte Tirions Grab. Darion opferte sich, um den Rückzug zu ermöglichen, und wurde anschließend selbst als vierter Reiter zurückgebracht. Diese Tat zeigt, warum die Schwarze Klinge nicht als gereinigter Paladinorden in dunkler Rüstung verstanden werden darf. Ihre Mitglieder wollten Azeroth gegen die Legion retten, überschritten dafür aber eine Grenze, die sie bei Arthas einst selbst zu Opfern gemacht hatte. Der richtige Feind genügte nicht, um jede Methode richtig werden zu lassen.
Wächter am geöffneten Tod
Als Sylvanas den Helm der Herrschaft zerstörte, verlor die Geißel ihre zentrale Fessel. Die Reiter bargen den verletzten Bolvar, und die Schwarze Klinge half, den erneuten Ansturm der Untoten einzudämmen. Bolvar trat nun ohne Helm als Hochlord an ihre Spitze. Gemeinsam öffneten sie Wege in die Schattenlande, kämpften im Schlund und im Sanktum der Herrschaft und stellten sich Zovaals Plan entgegen, jede Seele einem einzigen Willen zu unterwerfen.
Der Orden ist weiterhin aktiv. Seine Ritter nennen sich Wächter und verstehen ihren Dienst als fortdauernde Sühne dafür, was geschieht, wenn die Guten das Böse ungehindert handeln lassen. Doch ihre eigene Geschichte ergänzt diese Mahnung: Auch Wächter müssen beobachtet werden, wenn sie glauben, nur ihre Härte könne die Welt retten. Die Schwarze Klinge besitzt freien Willen, nicht Freiheit von Folgen. Ihre Größe liegt dort, wo Verdammte einander davon abhalten, wieder Werkzeuge zu werden, und ihre Gefahr dort, wo sie den Lebenden dieselbe Wahl nehmen, die sie an der Kapelle einst für sich zurückgewannen.