Eine Tochter von Quel'Thalas
Bevor sie Blutkönigin wurde, war Lana'thel eine Hochelfe von Quel'Thalas. Sie kannte Thalorien Morgenwanderer, den Hüter der uralten Klinge Quel'Delar. Das Schwert war eine Schwesterklinge von Quel'Serrar und gehörte zu den bedeutenden Waffen ihres Volkes. Für Lana'thel war es kein bloßes Erbstück. Es erinnerte an eine Zeit, in der Quel'Thalas seine Grenzen noch aus eigener Kraft schützen konnte.
Der Angriff der Geißel zerstörte diese Sicherheit. Arthas durchbrach die Verteidigung, tötete König Anasterian und entweihte den Sonnenbrunnen, um Kel'Thuzad wiederzuerwecken. Thalorien fiel bei der Verteidigung der Todesschneise. Lana'thel überlebte den Untergang ihres Reiches, doch wie viele andere verlor sie Heimat, Freunde und die Gewissheit, dass die alte Ordnung noch Bestand hatte.
Mit Kael'thas nach Nordend
Prinz Kael'thas sammelte die Überlebenden und gab ihnen den Namen Blutelfen. Lana'thel folgte ihm. Sie hoffte wie viele seines Gefolges, außerhalb der Ruinen eine Zukunft und vielleicht eine Heilung für den quälenden Verlust des Sonnenbrunnens zu finden. Der Weg führte über Illidans Bündnis schließlich nach Nordend, wo Kael'thas, Lady Vashj und ihre Streitkräfte Arthas vor dem Frostthron aufhalten wollten.
Der Feldzug scheiterte. Arthas besiegte einen Teil von Kael'thas' Truppen, darunter Lana'thel und andere elfische Gefolgsleute. Er ließ ihnen nicht einmal den Tod. Mit Frostgram nahm er ihre Seelen und erhob sie als San'layn, dunkle Gefallene mit vampirischem Hunger. Aus Elfen, die ihre Heimat gegen die Geißel verloren hatten, wurden Offiziere eben dieser Geißel.
Königin der San'layn
Als Blutkönigin stand Lana'thel über den San'layn. Prinz Keleseth, Prinz Taldaram und Prinz Valanar gehörten zu den bekanntesten ihrer Art. Sie ernährten sich von Blut, verbanden nekromantische Macht mit elfischer Magie und führten Truppen des Lichkönigs in Nordend. Ihre Titel erinnerten an einen Hof, doch dieser Hof bestand aus Gefangenen des Todes. Arthas hatte ihnen Rang gegeben, ohne ihnen Freiheit zurückzugeben.
Lana'thel fand später Quel'Delar wieder. Die Klinge erkannte in ihr jedoch nicht mehr die Beschützerin, die sie einst gekannt hatte. In Wut und Schmerz zerbrach Lana'thel das Schwert und schleuderte die Teile in die Grube von Saron. Dieser Augenblick war mehr als die Zerstörung einer Waffe. Er zeigte, dass die Erinnerung an Quel'Thalas in ihr weiterlebte und gerade deshalb unerträglich geworden war.
Der Blutrote Saal
In der Eiskronenzitadelle hielt Lana'thel den Blutroten Saal. Die San'layn sollten die inneren Wege schützen und jeden schwächen, der sich dem Frostthron näherte. Lana'thel verbreitete ihren Blutfluch unter den Angreifern und machte Hunger zur Waffe. Die gleiche Macht, mit der Arthas sie an den Untod gebunden hatte, setzte sie nun ein, um neue Opfer in einen Kreislauf aus Zwang und Abhängigkeit zu ziehen.
Ihr Ende kam in jenem Reich, das Arthas für seine mächtigsten Diener errichtet hatte. Die Kämpfenden, die Eiskrone stürmten, töteten Lana'thel und ihre San'layn. Damit fiel eine der letzten großen Befehlshaberinnen zwischen ihnen und dem Lichkönig. Für Quel'Thalas war es dennoch kein einfacher Triumph. Eine verlorene Tochter des Reiches wurde nicht heimgebracht, sondern musste ein zweites Mal sterben.
Quel'Delar und die Erinnerung
Die Bruchstücke Quel'Delars konnten geborgen, gereinigt und neu geschmiedet werden. Das Schwert überdauerte damit sowohl Thaloriens Tod als auch Lana'thels Versuch, die eigene Vergangenheit zu vernichten. Seine Wiederherstellung steht ihrer Geschichte gegenüber: Eine Waffe konnte zusammengesetzt werden, ein geraubtes Leben nicht. Die Klinge trug fortan die Erinnerung an beide Hüter.
Lana'thels Weg macht den Krieg gegen die Geißel persönlich. Hinter dem Titel Blutkönigin stand keine von Geburt an grausame Herrscherin, sondern eine Frau, deren Reich vernichtet, deren Hoffnung in Nordend zerschlagen und deren Tod von Arthas missbraucht worden war. Das entschuldigt nicht die Opfer der San'layn. Es erklärt jedoch, warum Eiskrone voller Gegner war, die zugleich Täter und Gefangene des Lichkönigs waren.