Ein geraubter Bau der Neruber
Naxxramas begann nicht als Werk menschlicher Nekromanten. Der Zikkurat lag im Reich der Neruber, bis Anub'araks untote Heere ihn im Krieg der Spinne für den Lichkönig eroberten. Die Geißel nahm damit nicht nur eine Festung. Sie eignete sich Baukunst und Raumordnung eines Volkes an, das sich Ner'zhul lange widersetzt hatte.
Unter Anub'araks Aufsicht wurde der unterirdische Bau zur Kriegsanlage umgeformt. Obrahiim galt als wichtiger Architekt der neuen Nekropole. Kultisten sollten das gewaltige Bauwerk später aus dem Boden lösen und in den Himmel heben. Aus einem festen Ort wurde ein Träger, der Labore, Armeen und Seuche dorthin bringen konnte, wo der Lichkönig sie brauchte.
Kel'Thuzads erste Begegnung
Als der noch lebende Kel'Thuzad dem Ruf Ner'zhuls nach Nordend folgte, führte Anub'arak ihn durch Naxxramas. In den Hallen lagerten Kessel und Vorräte für einen Krieg gegen die Lebenden. Selbst der ehrgeizige Nekromant erschrak und floh kurzzeitig aus dem Zikkurat. Diener des Lichkönigs fingen ihn ab und zwangen ihn zum Treueeid.
Ner'zhul gab Kel'Thuzad die Festung als Werkzeug für seinen Auftrag in Lordaeron. Von dort aus gründete er den Kult der Verdammten und bereitete die Seuche vor. Naxxramas blieb zunächst verborgen, während seine Wirkung bereits in Kornspeichern, Kellern und Versammlungen ankam. Die mächtigste Waffe der Nekropole war anfangs nicht ihr Erscheinen am Himmel, sondern die Fähigkeit, einen Krieg zu führen, bevor das Opfer wusste, dass eine Armee unterwegs war.
Vier Flügel einer Todesfabrik
Die fliegende Festung ordnete ihre Schrecken nach Aufgaben. Im Seuchenviertel wurden Krankheiten und Schleime entwickelt. Das Konstruktviertel nähte Körper zu neuen Waffen zusammen. Im Arachnidenviertel dienten untote Neruber und Spinnen jener Macht, die ihr eigenes Reich gebrochen hatte. Das Militärviertel beherbergte Ausbilder, Todesritter und die Vier Reiter.
Diese Gliederung machte Naxxramas zu mehr als einem Palast Kel'Thuzads. Es war eine Fabrik, Universität und Kaserne des Untodes. Forschung brauchte dort keine Rücksicht auf Personen, weil jeder Leib bereits als Rohstoff galt. Wer in einer Schlacht fiel, konnte im nächsten Flügel untersucht, vernäht, infiziert und erneut gegen die früheren Gefährten geschickt werden.
Über den Pestländern
Nach Arthas' Aufstieg zum Lichkönig beherrschte Kel'Thuzad von Naxxramas aus große Teile der Pestländer. Scharlachroter Kreuzzug und Argentumdämmerung griffen seine Kräfte an, bis Kämpfer in die Nekropole eindringen konnten. Sie besiegten die Wächter der vier Flügel und schlugen Kel'Thuzad in seinem Heiligtum.
Doch seine Phylakterie wurde nicht vernichtet. Ein vermeintlicher Verbündeter brachte sie fort und ermöglichte die Rückkehr des Lichs. Der Sieg zeigte damit eine Gefahr, die Naxxramas selbst verkörperte: Es genügte nicht, sichtbare Körper zu zerschlagen, solange die Systeme ihrer Wiederherstellung unberührt blieben. Eine Nekropole konnte den Himmel verlassen und später über einem anderen Krieg wieder auftauchen.
Die Rückkehr nach Nordend
Naxxramas erhob sich erneut über der Drachenöde und bedrohte die Feste Wintergarde. Kel'Thuzad ersetzte gefallene Diener, besetzte die vier Flügel neu und erwartete, dass die alte Kriegsmaschine auch diesmal Zeit für seine Wiederkehr kaufen würde. Horde und Allianz drangen jedoch abermals ein und besiegten ihn.
Die Phylakterie wurde später zerstört, und Kel'Thuzad fand im Schlund schließlich seinen endgültigen Tod. Über das spätere Schicksal der Nekropole selbst ist weniger sicher bekannt; ihre Hallen sollten nicht ohne Beleg für vernichtet erklärt werden. Naxxramas bleibt deshalb als Bauwerk und als Gedanke bedrohlich. Es zeigte, wie die Geißel Wissen organisiert: nicht chaotisch, sondern arbeitsteilig, wiederholbar und beweglich. Der Tod wurde dort nicht nur beschworen. Er wurde verwaltet, verbessert und für den nächsten Einsatz bereitgestellt.
Quellen
Warcraft Wiki: Naxxramas
Warcraft Wiki: Kel'Thuzad
Warcraft Wiki: Krieg der Spinne