Der Weg nach Der Tiefenpfuhl
Unter Nazmir sickerte G'huuns Verderbnis aus Uldir in ein Geflecht aus Höhlen, Blut und wucherndem Pilzleben. Im Tiefenpfuhl war Fäulnis keine Spur mehr, sondern ein eigener Lebensraum. Blutkulte, befallene Tiere und wandelnde Körper bereiteten eine Seuche vor, die nicht in der Dunkelheit bleiben sollte. In Älteste Leaxa nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
G'huun war kein Loa, der aus natürlicher Verehrung hervorgegangen war. Die Titanenhüter hatten ihn als Ergebnis ihrer Versuche in Uldir eingeschlossen. Für Anhänger wie Leaxa spielte dieser Ursprung keine Rolle. Sie sah in seiner Fäulnis Offenbarung und in Blut den Weg, sie weiterzutragen. Was andere als Seuche fürchteten, behandelte sie als heilige Ausbreitung.
Der Eingang wird zum Opferplatz
Leaxa stand dort, wo der Tiefenpfuhl seine ersten Geheimnisse öffnete. Jeder Eindringling bot ihr neues Blut und damit neue Möglichkeit, G'huuns Einfluss über die Höhlen hinauszutragen. Ihre Rituale sollten nicht bloß eine Kammer verteidigen. Sie bereiteten eine Welt vor, in der Fäulnis nicht mehr versteckt werden musste, weil jeder lebende Körper zu ihrem Träger geworden war.
Leaxas Blutmagie hinterließ G'huuns Makel. Die Wunde schmerzte nicht nur, sondern verschlang Heilung und wurde mit jeder weiteren Berührung schwerer zu überwinden. Damit verwandelte die Priesterin den vertrauten Trost einer Gruppe in eine knappe Ressource. Wer die Verderbnis unterschätzte, trug sie weiter, bis selbst starke Heilung nur noch gegen eine wachsende Leere anarbeitete.
Fäulnis kriecht über den Boden
Dunkle Bahnen wanderten durch die Höhle und zwangen alle, ihren Weg vorauszusehen. Leaxas Magie blieb nicht an ihrem Körper. Sie setzte sich in Bewegung, als hätte der Tiefenpfuhl selbst Adern, durch die G'huuns Einfluss floss. Jeder sichere Stand war vorläufig. Die Gruppe musste sich gemeinsam verlagern, ohne in jene Richtung zu fliehen, in der bereits der nächste Blutzauber wartete.
Leaxa teilte ihr Bild und rief Blutabbilder hervor. Diese Gestalten wiederholten ihre Zauber, bis Bedrohung aus mehreren Richtungen kam. Es waren keine eigenständigen Jünger, sondern Vervielfältigungen derselben fanatischen Absicht. G'huuns Kult brauchte in diesem Augenblick keine Gemeinde. Eine einzige Priesterin genügte, wenn Blut sie oft genug spiegeln konnte.
Frömmigkeit ohne Erbarmen
Leaxa zweifelte nicht, als die Abbilder fielen. Für sie war jedes Opfer Teil einer größeren Ausbreitung. Gerade diese Ruhe machte sie gefährlicher als eine bloß Rasende. Sie hatte Grausamkeit in Glauben verwandelt und konnte deshalb jedes Leiden als Bestätigung lesen. Der Kampf gegen sie war nicht nur ein Bruch ihres Rituals, sondern die Zurückweisung einer Welt, in der Krankheit als Gnade gelten sollte.
Mit Leaxas Tod endete die bewusste Leitung am Eingang. Tiefer im Pfuhl brauchte G'huuns Fäulnis jedoch keine Worte mehr. Felsschlund trug Parasiten in seinem Körper, Zancha verbreitete Sporen aus einem wandelnden Leichnam und die Entfesselte Monstrosität bestand beinahe nur noch aus Verderbnis. Der Weg führte von der Verehrung des Übels zu seiner vollkommenen Verkörperung.