Die Lichtmutter im langen Krieg
Xe'ra gehörte zu den ersten Naaru und erinnerte sich an eine Zeit, in der sterbliches Leben noch fern schien. Nach dem Fall von Argus trennte sich die Xenedar von der Genedar. Die besten draeneischen Kämpfer folgten Xe'ra und wurden zum Kern der Armee des Lichts. Aus einer Flucht entstand ein Kreuzzug, der die Brennende Legion über Welten und Jahrtausende verfolgen sollte.
Für die Heimatlosen war Xe'ra Führung, Schutz und sichtbare Gewissheit. Unter ihrem Licht konnten Überlebende verschiedener Welten eine gemeinsame Aufgabe finden. Doch der endlose Krieg verengte auch ihren Blick. Wenn unzählige Völker gefallen sind, kann der versprochene Sieg so heilig werden, dass jede einzelne Stimme daneben klein erscheint.
Turalyon, Alleria und der richtige Weg
Xe'ra nahm Turalyon und Alleria in die Armee auf. Turalyon ließ sich vom Licht durchdringen und erhielt ein außergewöhnlich langes Leben. Alleria suchte dagegen Wissen in der Leere. Xe'ra sah darin nicht eine andere Waffe gegen denselben Feind, sondern Abweichung von einem Weg, den sie für einzig recht hielt.
Sie ließ Alleria einsperren, bis diese den Pfad der Leere aufgeben sollte. Erst Turalyons Fürsprache verhinderte Schlimmeres. Xe'ra verschwieg ihren Anhängern zudem, dass Naaru selbst in einen Zustand der Leere fallen können. Die Mutter des Lichts schützte ihre Gemeinschaft vor einer Wahrheit, die nicht in ihre klare Ordnung passte, und machte sie gerade dadurch unvorbereitet auf L'ura.
Die Prophezeiung um Illidan
Xe'ra erkannte in Illidan das Kind von Licht und Schatten, das der Legion und später der Leere entgegentreten sollte. Sie beobachtete ihn, rettete seinen Geist auf Argus vor Kil'jaedens Entdeckung und zeigte ihm eine Zukunft als lichtgeschmiedeter Streiter. Illidan spürte die Größe der Vision und misstraute dem Anspruch, der in ihr lag.
Während der Legioninvasion sandte Xe'ra ihren Wesenskern als Herz des Lichts nach Azeroth. Durch ihn erfuhren andere von Illidans Opfern und bereiteten seine Rückkehr vor. Die Botschaft erzählte sein Leben als Weg zu einer vorbestimmten Gestalt. Was für Xe'ra Erlösung war, konnte für Illidan wie die letzte Aneignung all jener Entscheidungen erscheinen, die er gegen das Urteil anderer getroffen hatte.
Ein Segen ohne Zustimmung
Auf Argus wurde Xe'ra mit ihrem Kern wiederhergestellt. Sie forderte Illidan auf, sein Schicksal anzunehmen. Als er sich weigerte, band sie ihn in Ketten aus Licht und begann, seinen Körper gegen seinen Willen zu verwandeln. Nach Jahrtausenden des Verlusts wollte sie den vorhergesehenen Sieg nicht an der Zustimmung eines Einzelnen scheitern lassen.
Illidan brach die Fesseln und zerstörte Xe'ra. Turalyon griff ihn im Zorn an, doch der Feldzug gegen die Legion musste ohne die Lichtmutter weitergehen. Velen sammelte ihre verbliebene Essenz und erinnerte die Armee daran, dass das Licht nicht mit einer Führerin gestorben war. Der folgende Sieg widerlegte nicht Xe'ras gesamte Hoffnung; er widerlegte ihren Glauben, Hoffnung müsse von ihr erzwungen werden.
Das Licht nach Xe'ra
Turalyon begriff später, dass das Licht führen, aber nicht befehlen dürfe. Velen ehrte Xe'ras Mut und verurteilte zugleich ihren Versuch, fremdes Schicksal festzuschreiben. Diese beiden Urteile gehören zusammen. Wer nur ihre letzte Tat sieht, versteht nicht, warum so viele ihr vertrauten. Wer nur den langen Widerstand sieht, übersieht die Person, die sie am Ende zum Werkzeug machte.
Xe'ra verkörpert keine einfache Bosheit des Lichts. Ihre Tragik entsteht aus einer guten Sache, die keine Grenze außerhalb ihres Ziels mehr anerkennt. Sie rettete Leben, hielt einen unmöglich langen Krieg offen und half, die Legion zu besiegen. Gerade diese Verdienste machten es ihr möglich, Zwang als letzten notwendigen Segen zu betrachten. Ihr Ende erinnert daran, dass ein helles Ziel den Willen anderer nicht erleuchtet, wenn es ihn vorher auslöscht.