Der Krieg geht durch das Grabmal
Mit Gul'dans Fall in der Nachtfestung endet der Angriff nicht. Das Grabmal des Sargeras bleibt die Wunde, durch die die Legion ihre Heere nach Azeroth drängt. Dort begegnen die Verteidiger Kil'jaeden nicht nur als Anführer der Dämonen. Für Velen ist er der frühere Freund, der Argus der Legion übergab und jede spätere Flucht der Draenei in eine Jagd verwandelte.
Kil'jaedens Niederlage schließt deshalb eine persönliche Geschichte, öffnet aber den Weg zu einer kosmischen. Illidan nutzt den Sargeritschlüssel, um Argus an Azeroths Himmel zu reißen. Seine Entscheidung zwingt allen anderen den letzten Feldzug auf. Wie so oft erkennt er die Notwendigkeit und verweigert seinen Verbündeten dennoch die Wahl.
Velen begegnet Kil'jaeden ohne die Gewissheit, dass Flucht Feigheit war
Auf Argus kehrt Velen zu dem Ort zurück, an dem seine Trennung von Kil'jaeden und Archimonde begann. Er hatte Sargeras' Angebot abgelehnt und war mit den Eredar geflohen, die später Draenei genannt wurden. Kil'jaeden verfolgte ihn über Welten, weil er Velens Flucht als persönlichen Verrat verstand. Jede zerstörte Zuflucht sollte beweisen, dass Widerstand zwecklos und Velens Hoffnung nur eine Verlängerung des Leidens sei.
Velen trägt deshalb Schuld. Die Draenei überlebten, doch andere Völker und viele ihrer eigenen Angehörigen bezahlten für die Jagd der Legion. Auf dem Weg nach Argus verliert er seinen Sohn Rakeesh, der von Kil'jaeden erzogen und gegen ihn eingesetzt wurde. Velen kann ihn nicht retten. Diese Begegnung nimmt ihm die bequeme Vorstellung, seine richtige Entscheidung habe nur einen klaren moralischen Preis für andere besessen.
Als Kil'jaeden am Grabmal fällt, gesteht er, dass er Velens Vertrauen in eine andere Zukunft beneidete. Velen sieht darin keinen Grund, seine eigenen Zweifel zu verleugnen. Er bestätigt vielmehr, warum seine Flucht notwendig war: Sargeras gewann seine Diener nicht nur durch Macht, sondern indem er ihnen einredete, keine andere Zukunft sei möglich. Der Feldzug auf Argus ist Velens Antwort nach Jahrtausenden. Er kehrt nicht zurück, um zu beweisen, dass er nie Angst hatte, sondern um die Welt zu befreien, die er einst nur verlassen konnte.
Turalyon und Alleria kehren als Familie zurück, die nicht mehr dieselbe Zeit erlebt hat
Turalyon und Alleria verschwanden nach dem Zweiten Krieg jenseits des Dunklen Portals. Für Azeroth vergingen Jahrzehnte; durch die Wege des Wirbelnden Nethers und ihren Dienst in der Armee des Lichts erlebten sie weit längere Zeiträume. Turalyon wurde vom Licht geschmiedet und führte an Xe'ras Seite Krieg gegen die Legion. Alleria suchte zusätzlich nach Wegen, die Leere zu beherrschen, weil sie eine Macht brauchte, die Sargeras' Armeen nicht erwarteten.
Ihre Entscheidungen bringen sie auseinander, ohne ihre Bindung vollständig zu zerstören. Xe'ra betrachtet Allerias Leerenstudien als Gefahr und lässt sie einsperren. Turalyon vertraut der Naaru, muss aber erkennen, dass selbst das Licht Gehorsam verlangen kann. Als Illidan Xe'ras Versuch zurückweist, ihn gegen seinen Willen zu einem vorherbestimmten Retter zu formen, zerbricht für Turalyon eine Gewissheit, auf der ein großer Teil seines langen Krieges beruhte.
Auf Argus begegnen Turalyon und Alleria schließlich ihrem Sohn Arator wieder, der ohne sie aufwuchs. Die Wiedervereinigung kann die verlorenen Jahre nicht ersetzen. Sie zeigt, was der Krieg gegen die Legion von Familien verlangt, deren Angehörige zu Symbolen wurden. Alleria kehrt nicht als unveränderte Hochelfe zurück, Turalyon nicht als Ritter aus Lordaerons Tagen. Beide müssen erst lernen, wie ihre neuen Mächte, ihr Sohn und eine Heimat zusammengehören können, die sich während ihrer Abwesenheit weiterentwickelt hat.
Der letzte Kreuzzug gegen Sargeras
Die Legion kehrt nicht zurück, weil sie einen weiteren Krieg unter vielen sucht. Für Sargeras ist Azeroth weiterhin die entscheidende Weltseele. Alles, was zuvor geschah, läuft auf diesen Punkt zu: Wenn Azeroth verdorben werden könnte, muss sie in seiner Logik kontrolliert oder vernichtet werden. Die Invasion ist deshalb fanatische Prävention in planetarem Maßstab.
Illidan erhält in dieser Epoche seine deutlichste Bühne. Er will Sargeras besiegen, weil er seit dem Krieg der Ahnen glaubt, dass nur radikale Gegenmacht die Legion aufhalten kann. Seine Absicht ist konsequent, aber sie macht ihn gefährlich für Verbündete. Er opfert Vertrauen, Körper, Seelen und Grenzen, weil er Sieg höher bewertet als Zustimmung.
Velen muss auf Argus einer anderen Versuchung widerstehen: der Sehnsucht, Schmerz in reine Rache zu verwandeln. Für ihn ist die Rückkehr nach Argus nicht nur militärisch, sondern seelisch. Turalyon, Alleria, Khadgar und die Orden Azeroths tragen eigene Motive in diesen Krieg. Der Sieg über Sargeras gelingt nicht, weil alle gleich denken, sondern weil sehr verschiedene Wunden auf dasselbe Ziel gerichtet werden.

Der Weltseelenkern von Argus wird zur Wiedergeburtsmaschine
Argus der Zerrütter ist nicht bloß der letzte Wächter von Antorus. In der gequälten Weltseele bündelt die Legion ihre Fähigkeit, gefallene Dämonen immer wieder in den Nether zurückzuführen. Eine ganze Welt wird damit zum Motor eines endlosen Krieges.
Sein Anblick verändert auch den Blick auf Azeroth. Wenn eine Weltseele gebrochen und als Werkzeug benutzt werden kann, ist Azeroths erwachendes Bewusstsein nicht nur Hoffnung, sondern ein Ziel, dessen Verwundbarkeit jede kommende kosmische Macht erkennen wird.
Bildquelle: Warcraft Wiki: Argus the UnmakerAntorus ist eine Fabrik aus verlorener Heimat
Auf Argus finden die Draenei keine Heimat, zu der sie einfach zurückkehren könnten. Sie finden Überlebende, Geister, verdorbene Verwandte und eine Landschaft, die seit Jahrtausenden für die Legion arbeitet. Turalyon und Alleria bringen zudem ihre eigenen langen Kriege mit: Licht und Leere haben sie verändert, ohne ihnen eine gemeinsame einfache Antwort zu geben.
In Antorus werden gefallene Titanenseelen festgehalten, gequält und auf Sargeras' Ordnung ausgerichtet. Der Pantheon kann nur handeln, weil Sterbliche bis in diese Werkstatt vordringen. Am Ende wird Sargeras gebannt, doch sein Schwert fährt in Silithus und bleibt in Azeroth stecken. Der Sieg über die Legion hinterlässt daher keinen Frieden, sondern eine blutende Welt.
Der Preis des letzten Krieges
Illidan bleibt am Sitz des Pantheons zurück, aber nicht als geläuterter Heiliger. Er hat seine ganze Existenz an diesen Krieg gebunden und übernimmt nun die Aufgabe, Sargeras' Gefängnis zu bewachen. Für die anderen endet der Feldzug mit der Rückkehr nach Azeroth; für Illidan endet er dort, wo sein selbst gewählter Kampf begann: im Angesicht des Feindes, dem er alles untergeordnet hat.
Der letzte Blick gehört Azeroth. Sargeras verliert, aber er sticht zu. Sein Schwert in Silithus ist der Beweis, dass auch ein gewonnener kosmischer Krieg eine Welt tödlich verwunden kann. Diese Epoche endet deshalb nicht mit Heimkehr, sondern mit Blut im Sand. Aus diesem Blut wird Azerit, und um Azerit werden die Völker bald ringen.
Argus und Antorus
Der letzte Feldzug macht aus der fernen Heimat der Draenei das Zentrum des Krieges. In Antorus endet die Legion als geordnete Invasionsmacht, während Azeroth selbst verwundet zurückbleibt.
Das Finale des Grabmals bringt Kil’jaeden an den Rand seiner eigenen Geschichte. Sein Fall öffnet den Weg nach Argus und macht die Legion angreifbar.
Die Schlacht um Argus verlegt den Krieg in die Heimat der Legion. Aus Verteidigung Azeroths wird ein Angriff auf den Ursprung des Feindes.
Antorus zeigt den kosmischen Schluss des Legion-Krieges: Sargeras wird gebunden, aber Azeroth bleibt durch sein Schwert verwundet.