Das Juwel des Nordens
Stratholme lag im Norden Lordaerons und war reich genug, dass seine Straßen Händler, Pilger und Soldaten aus vielen Teilen des Königreichs anzogen. Im Zweiten Krieg gehörte die Stadt fest zur Allianz Lordaerons. Ihre Mauern schützten keinen abgelegenen Außenposten, sondern ein Zentrum, dessen Verlust das Herz des Reiches treffen musste.
Gerade deshalb wählte der Kult der Verdammten die Umgebung für seine verseuchten Getreidelieferungen. Die Seuche kam nicht als Heer vor die Tore. Sie lag in Kisten, Broten und alltäglichen Wegen der Versorgung. Als die Gefahr erkannt wurde, hatten viele Bewohner bereits gegessen. Stratholmes Stärke als dichtes, versorgtes Gemeinwesen verwandelte sich in die Möglichkeit, dass sich der Tod von Haus zu Haus schneller ausbreitete als jede Warnung.
Die Entscheidung am Tor
Arthas Menethil erreichte die Stadt mit Uther Lichtbringer und Jaina Prachtmeer. Er war überzeugt, dass alle Betroffenen bald zu Untoten würden und eine noch größere Armee bildeten. Darum befahl er, Stratholme zu säubern, bevor die Verwandlung abgeschlossen war. Uther verweigerte den Befehl. Jaina flehte Arthas an, einen anderen Weg zu suchen, und ging schließlich ebenfalls.
Der Prinz sah in ihrem Widerspruch keine Grenze, die seine Gewissheit prüfen sollte. Er löste den Orden der Silbernen Hand in seinem Zorn auf und führte jene Soldaten in die Stadt, die ihm folgten. Vielleicht gab es keine Möglichkeit mehr, alle Bewohner zu retten. Doch zwischen dieser schrecklichen Lage und Arthas' Antwort lag eine Entscheidung: Er behandelte jede noch lebende Person bereits als den Feind, zu dem die Seuche sie möglicherweise machen würde.
Feuer und Mal'Ganis
In den Straßen töteten Arthas und seine Truppen Einwohner wie aufbrechende Untote. Häuser brannten, Schreie vermischten sich mit Kampfeslärm, und der Schreckenslord Mal'Ganis erschien immer wieder, um den Prinzen tiefer in die Jagd zu ziehen. Er hatte Stratholme nicht nur als Quelle neuer Diener vorbereitet. Die Stadt war ein Köder für einen jungen Mann, der jeden neuen Verlust als Beweis verstand, noch rücksichtsloser handeln zu müssen.
Mal'Ganis entkam nach Nordend und forderte Arthas auf, ihm zu folgen. Stratholme blieb hinter dem Prinzen zurück, aber die brennenden Straßen begleiteten jede spätere Entscheidung. Er hatte eine Stadt vernichtet, um die Geißel aufzuhalten, und war ihr Ziel dennoch nicht nähergekommen. Aus dem Versagen zog er nicht die Erkenntnis, dass seine Mittel ihn veränderten. Er zog den Schluss, beim nächsten Mal eine noch mächtigere Waffe zu brauchen.
Eine Stadt, die nicht aufhörte zu sterben
Nach der Säuberung nahm die Geißel die Ruinen ein. Baron Rivendare herrschte über Teile der Stadt, während der Scharlachrote Kreuzzug im westlichen Bastionviertel eine fanatische Gegenmacht errichtete. Zwischen beiden Seiten lebte keine wiedergegründete Bürgerschaft. Stratholme wurde zum Schlachtfeld zweier Mächte, die jeden Fremden zuerst als verseucht oder feindlich behandelten.
Später enthüllte Balnazzar seine wahre Gestalt, tötete scharlachrote Kreuzfahrer und erhob sie als Auferstandene. Auch Aurius Rivendare fiel. Der Argentumkreuzzug rückte in die Stadt vor und hielt zeitweise Kapelle und Bastion, während weiterhin Untote durch die Straßen zogen. Siege entfernten einzelne Herren, doch die Ruinen wurden nicht mit einem einzigen gereinigten Platz wieder zu jener Stadt, die vor den Kornwagen bestanden hatte.
Die Wunde in der Zeit
Die Bronzenen Drachen führen Sterbliche in den Höhlen der Zeit zu Stratholmes letzter Nacht zurück. Dort versucht der Ewige Drachenschwarm, den Verlauf zu verändern, und die Verteidiger der Zeitlinie helfen Arthas, bis Mal'Ganis entkommt. Diese Aufgabe fühlt sich nicht wie eine Rettung an. Sie bewahrt eine Geschichte, deren Grausamkeit zu späteren Ereignissen führte, weil ein unbedachter Eingriff noch größere Verwerfungen schaffen könnte.
Stratholme bleibt deshalb mehr als der Ort einer berühmten moralischen Frage. Die Stadt erinnert an konkrete Bewohner, denen sowohl die Seuche als auch ihr Prinz die Zukunft nahmen. Ihre Ruinen widersprechen jeder Erzählung, die nur zwischen notwendiger Härte und feigem Zögern wählen will. Arthas stand vor einer entsetzlichen Gefahr; Mal'Ganis hatte diese Lage absichtlich geschaffen. Doch der Prinz ging aus dem Feuer mit weniger Bereitschaft hervor, andere Stimmen als Teil seiner Verantwortung zu hören. Die Stadt starb an diesem Tag, und in ihrem Brand begann auch der Teil von Arthas zu sterben, der noch hätte umkehren können.
Quellen
Warcraft Wiki: Stratholme
Warcraft Wiki: Culling of Stratholme
Warcraft Wiki: Culling of Stratholme (instance)