Der Weg nach Stratholme
Stratholme war einst eine der großen Städte Lordaerons, bis verseuchtes Getreide und Arthas Menethils Entscheidung zur Säuberung ihre Straßen in ein Massengrab verwandelten. Jahre später teilten sich zwei Feinde die brennenden Ruinen. Im Westen hielt der Scharlachrote Kreuzzug eine Bastion, ohne zu wissen, dass Balnazzar ihn aus Saidans gestohlenem Körper lenkte. Im Osten bewachten die Diener Baron Totenschwurs Ziggurate, Kristalle und das Schlachthaus der Geißel. Jeder Weg durch die Stadt führte deshalb nicht nur an Gegnern vorbei, sondern durch verschiedene Antworten auf dieselbe Katastrophe: Fanatismus, Untod, Schuld und die Unfähigkeit der Toten, Stratholme loszulassen. In Archivar Galford erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Der Hüter dessen, was bleiben sollte
Galford stand im letzten Korridor der Scharlachroten Bastion und bewachte ihr Archiv. Dort lagen nicht nur taktische Aufzeichnungen, sondern die Erinnerung daran, wie der Kreuzzug sich selbst erklärte. Ein Archiv entscheidet nie allein durch Lügen. Es entscheidet auch durch Auswahl: welche Namen aufgeschrieben, welche Taten gerechtfertigt und welche Opfer aus der Erzählung entfernt werden.
In Galfords Bereich befand sich ein Gemälde mit dem Titel Von Liebe und Familie. Es gehörte zu Tirion Fordrings schmerzhafter Geschichte um Ehre, Sohn und verlorene Nähe. Zwischen den Akten eines fanatischen Ordens bewahrte das Bild eine andere Form von Treue: nicht Gehorsam gegenüber einer Institution, sondern Bindung an Menschen. Dass Galford es bewachte, machte seine Kammer zu einem Ort widersprüchlicher Erinnerungen.
Feuer gegen das Archiv
Nach Galfords Niederlage konnten Eindringlinge die Aufzeichnungen entzünden. Der Archivar selbst kämpfte mit Feuer, und schließlich fraßen Flammen die Schrift, die er geschützt hatte. Das Verbrennen war ein Schlag gegen die Arbeitsweise des Kreuzzugs, aber auch ein Verlust. Wer ein falsches Archiv vernichtet, beseitigt seine Propaganda; zugleich verbrennt er mögliche Beweise dafür, wie die Täuschung gewachsen ist.
Galford diente einer Bastion, deren Großkreuzfahrer in Wahrheit Balnazzar war. Vielleicht kannte er das Geheimnis nicht. Gerade dann zeigt seine Rolle die Tiefe der Täuschung. Ein Archivar konnte jedes sichtbare Dokument ordnen und dennoch die wichtigste Wahrheit des Hauses übersehen, weil sie nicht in einem Regal lag, sondern im Körper des Mannes, der die Befehle erteilte.
Vom Archivar zum Instrukteur
Nach dem Kataklysmus erhob Balnazzar die getöteten Kreuzfahrer als Auferstandene. Galford kehrte als Instrukteur zurück. Der neue Titel machte aus Bewahrung Unterricht. Nun sollte er nicht mehr nur festhalten, was der Orden glaubte, sondern einer untoten Generation beibringen, Balnazzars Willen fortzusetzen. Seine Geschichte endet deshalb mit einer bitteren Lektion: Schrift schützt Wahrheit nur, wenn der Hüter auch den Mut besitzt, seinen eigenen Herrn zu lesen.