Der Weg nach Stratholme
Stratholme war einst eine der großen Städte Lordaerons, bis verseuchtes Getreide und Arthas Menethils Entscheidung zur Säuberung ihre Straßen in ein Massengrab verwandelten. Jahre später teilten sich zwei Feinde die brennenden Ruinen. Im Westen hielt der Scharlachrote Kreuzzug eine Bastion, ohne zu wissen, dass Balnazzar ihn aus Saidans gestohlenem Körper lenkte. Im Osten bewachten die Diener Baron Totenschwurs Ziggurate, Kristalle und das Schlachthaus der Geißel. Jeder Weg durch die Stadt führte deshalb nicht nur an Gegnern vorbei, sondern durch verschiedene Antworten auf dieselbe Katastrophe: Fanatismus, Untod, Schuld und die Unfähigkeit der Toten, Stratholme loszulassen. In Postmeister Malown erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Vor der Säuberung verband Malowns Arbeit Häuser, Familien und Reisende. Briefe machten aus Straßen ein Netz von Beziehungen, und der Postmeister kannte dieses Netz besser als viele Würdenträger. In der Vergangenheit Stratholmes ist er lebend in einem Gasthaus zu sehen. Dort wartet noch kein übernatürlicher Wächter, sondern ein Beamter auf den nächsten Teil eines gewöhnlichen Tages.
Kein Weg aus der Menge
Als die Geißel und die Säuberung über Stratholme hereinbrachen, fand Malown keinen Ausgang durch die Massen. Er starb in der Stadt, deren Nachrichten er getragen hatte. Danach blieb sein Geist an derselben Pflicht hängen. Selbst Hagel, Eis oder Schnee sollten ihn nicht aufhalten; der Untergang der gesamten Stadt offenbar ebenso wenig.
Malown zeigte sich, wenn Eindringlinge mehrere Postkästen öffneten und damit das verlassene System störten. Untote Postboten verteidigten die Sendungen, bis ihr Meister selbst erschien. Die Handlung war klein im Vergleich zu Rivendares Krieg, aber in ihr lag eine ganze Tragödie: Erst der Eingriff Fremder gab einem Toten wieder einen Zustellbezirk, den es längst nicht mehr gab.
Der Geist schützte Briefe, obwohl viele Absender und Empfänger tot waren. Vielleicht konnte er nicht verstehen, dass seine Arbeit beendet war; vielleicht war die Arbeit das Einzige, das seinem Tod noch Form gab. Selbst Jahre später wurde Malown in den Ruinen gesehen. Stratholme hielt ihn nicht durch einen großen Fluch allein, sondern durch die Gewohnheit, jeden Morgen dieselben Wege zu beginnen.
Eine Stadt aus ungeöffneten Worten
Mit Malowns Niederlage verstummte ein weiterer Hüter der alten Ordnung. Was in seinen Kästen lag, konnte verspätete Liebe, Sorge oder eine belanglose Rechnung gewesen sein. Gerade weil die Inhalte unbekannt blieben, wurden sie zum Bild für Stratholme selbst: eine Stadt voller Botschaften, die niemand rechtzeitig erreichten.