Der Weg nach Stratholme
Stratholme war einst eine der großen Städte Lordaerons, bis verseuchtes Getreide und Arthas Menethils Entscheidung zur Säuberung ihre Straßen in ein Massengrab verwandelten. Jahre später teilten sich zwei Feinde die brennenden Ruinen. Im Westen hielt der Scharlachrote Kreuzzug eine Bastion, ohne zu wissen, dass Balnazzar ihn aus Saidans gestohlenem Körper lenkte. Im Osten bewachten die Diener Baron Totenschwurs Ziggurate, Kristalle und das Schlachthaus der Geißel. Jeder Weg durch die Stadt führte deshalb nicht nur an Gegnern vorbei, sondern durch verschiedene Antworten auf dieselbe Katastrophe: Fanatismus, Untod, Schuld und die Unfähigkeit der Toten, Stratholme loszulassen. In Baroness Anastari erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Eine Baronin, die Besitz mit Recht verwechselte
Schon als Lebende nahm Anastari, was sie wollte, ohne den Preis anderer Menschen gelten zu lassen. Ihr Adelstitel beschrieb Stellung, nicht Mitgefühl. Als die Geißel sie brutal ermordete und ihre Seele aus dem Körper riss, verlor sie Schmuck, Haus und Leib. Der Tod beendete ihren Besitzanspruch jedoch nicht. Er verlagerte ihn auf etwas Intimeres.
Anastari erhob sich als Banshee und geriet unter die Herrschaft des Lichkönigs. Ihr Klagegesang trug die Gewalt eines Wesens, dem der eigene Körper genommen worden war. Statt daraus Achtung vor fremdem Leben zu lernen, machte sie denselben Raub zu ihrer mächtigsten Fähigkeit. Sie drang in andere ein und verdrängte deren Seele, bis der fremde Leib ihr gehorchte.
Der Kristall im Ziggurat
In Stratholme bewachte Anastari einen der drei Ziggurate, deren Kristalle den Zugang zum Schlachthaus sicherten. Ihre Stellung verband persönliche Besitzgier mit der Architektur der Geißel. Solange sie hielt, blieb ein ganzes Tor verschlossen. Wer weiter zu Baron Totenschwur wollte, musste die Frau besiegen, die selbst den Körper eines Gegners zur verschlossenen Kammer machen konnte.
Nach dem Kataklysmus blieb Anastari in den Östlichen Pestländern eine treibende Feindin. Sie ließ den Zwerg Gidwin Goldzöpfe gefangen halten und wollte ihn zum Todesritter machen. Wieder genügte ihr der Tod eines Gegners nicht. Sie wollte seinen Willen umformen und aus einem lebenden Weggefährten eine dauerhafte Waffe schaffen.
Die letzte Form ihres Hungers
Anastaris Geschichte reicht deshalb über einen einzelnen Ziggurat hinaus. Als Lebende sammelte sie Dinge, als Tote besetzte sie Menschen, und als Dienerin der Geißel versuchte sie selbst Überzeugungen zu stehlen. Ihre Niederlagen beendeten jeweils eine Besitznahme. Sie widerlegten aber nicht die Versuchung, Macht mit Eigentum an anderen zu verwechseln, die sie schon vor dem Untod beherrscht hatte.