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Höhlen der Zeit
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Höhlen der Zeit

Ein von bronzenen Drachen bewachtes Geflecht lebendiger Vergangenheit, in dem selbst schreckliche Ereignisse verteidigt werden müssen, damit die Zukunft bestehen bleibt.

Hinter dem Sand

Der Eingang zu den Höhlen der Zeit liegt in Tanaris, zwischen Hitze, Stein und wanderndem Sand. Nichts an dieser Wüste verrät, dass sich hinter dem Fels kein gewöhnliches Höhlensystem öffnet. Im Inneren verzweigen sich Wege nicht nur durch den Raum, sondern durch Geschichte. Farben schimmern an den Wänden wie Erinnerungen, die noch nicht entschieden haben, ob sie Vergangenheit oder Gegenwart sein wollen. Der bronzene Drachenschwarm bewacht diese Pfade im Auftrag Nozdormus, des Aspekts der Zeit.

Für Nozdormu ist Zeit kein Buch, dessen Seiten abgeschlossen hintereinanderliegen. Sie ist ein Strom aus Ursachen, Entscheidungen und möglichen Abzweigungen. Die Titanen zeigten ihm sogar den Augenblick seines eigenen Todes, damit er die Grenze seiner Macht nie vergessen sollte. In den Höhlen beobachten seine Drachen jene Knoten, an denen eine kleine Veränderung ganze Zeitalter auslöschen könnte. Sterbliche dürfen sie nur betreten, wenn die Geschichte selbst verteidigt werden muss.

Die Grausamkeit des richtigen Verlaufs

Der Ewige Drachenschwarm greift genau diese Knoten an. Seine Drachen versuchen, Thralls Flucht aus Durnholde zu verhindern, Medivh an der Öffnung des Dunklen Portals zu hindern und andere entscheidende Augenblicke umzuschreiben. Auf den ersten Blick wirken manche Ziele beinahe barmherzig. Ohne das Portal gäbe es keinen Ersten Krieg, kein zerstörtes Sturmwind und unzählige Tote weniger. Doch ohne diesen Krieg entstünden auch die Allianz von Lordaeron und jene Verbindungen nicht, die später Azeroth gegen die Brennende Legion verteidigten. Eine gerettete Vergangenheit kann eine vernichtete Zukunft bedeuten.

Darum zwingen die Höhlen ihre Besucher zu einer schweren Form von Verantwortung. Sie reisen nicht zurück, um jeden Schmerz zu heilen. Sie müssen mitunter dafür sorgen, dass eine Tragödie genauso geschieht, wie sie geschehen ist. In Stratholme erleben sie Arthas' Fall, ohne ihn einfach aus der Geschichte schneiden zu dürfen. Am Hyjal treten sie erneut gegen Archimonde an, obwohl der Sieg längst errungen scheint. Die Vergangenheit wird hier nicht zum Wunschbild, sondern zu einem lebendigen Ort, dessen Bewohner nicht wissen, dass spätere Generationen ihren Ausgang bereits kennen.

Der Feind mit Nozdormus Gesicht

Die tiefste Wunde der Höhlen liegt in der Herkunft des Ewigen Drachenschwarms. Sein Meister Murozond ist keine fremde Macht, sondern eine zukünftige Gestalt Nozdormus. Aus Angst vor dem ihm gezeigten Ende versucht der Aspekt eines Tages, seiner Sterblichkeit zu entkommen. Die Alten Götter nutzen diese Furcht, und aus dem Hüter des wahren Zeitwegs wird der Drache, der ihn zerreißt. Jeder Kampf gegen die Ewigen ist damit auch ein Kampf Nozdormus gegen eine Möglichkeit seiner selbst.

Diese Erkenntnis macht den bronzenen Auftrag einsamer. Nozdormu kennt sein Ende, aber nicht jeden Schritt dorthin. Er muss darauf vertrauen, dass Bewahrung nicht dasselbe ist wie Stillstand und dass die Sterblichen, denen er Zugang gewährt, zwischen Versuchung und Notwendigkeit unterscheiden können. Spätere Begegnungen mit alternativen Zeitwegen zeigen, dass nicht jede Abweichung sofort vernichtet werden muss; doch dort, wo die Grundlage der gemeinsamen Geschichte angegriffen wird, bleiben die Höhlen ein Bollwerk.

Wer sie wieder verlässt, hat die Vergangenheit nicht bloß betrachtet. Er hat unter ihrem Himmel gekämpft, mit Gestalten gesprochen, die längst tot sind, und Entscheidungen geschützt, deren Folgen noch immer schmerzen. Die Höhlen der Zeit lehren keine bequeme Ehrfurcht vor dem Schicksal. Sie zeigen, dass Geschichte aus zerbrechlichen Augenblicken besteht und dass selbst ein schlechter Tag manchmal die Brücke ist, über die eine ganze Welt in ihre Zukunft gelangt.