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Die Unverziehene
Bosse

Die Unverziehene

Lylia war eine Klinge der Gerechtigkeit, bis Arthas' Befehl sie zwang, Unschuldige in Stratholme zu töten. Der Anblick ihrer eigenen Taten zerriss ihren Verstand; ihr selbstgewählter Tod brachte keine Erlösung, sondern band sie als Unverziehene an die Stadt.

Der Weg nach Stratholme

Stratholme war einst eine der großen Städte Lordaerons, bis verseuchtes Getreide und Arthas Menethils Entscheidung zur Säuberung ihre Straßen in ein Massengrab verwandelten. Jahre später teilten sich zwei Feinde die brennenden Ruinen. Im Westen hielt der Scharlachrote Kreuzzug eine Bastion, ohne zu wissen, dass Balnazzar ihn aus Saidans gestohlenem Körper lenkte. Im Osten bewachten die Diener Baron Totenschwurs Ziggurate, Kristalle und das Schlachthaus der Geißel. Jeder Weg durch die Stadt führte deshalb nicht nur an Gegnern vorbei, sondern durch verschiedene Antworten auf dieselbe Katastrophe: Fanatismus, Untod, Schuld und die Unfähigkeit der Toten, Stratholme loszulassen. In Die Unverziehene erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.

Lylia galt unter ihrem Volk als Streiterin des Rechts, vermutlich dem Licht verbunden. Ein solcher Ruf machte die Säuberung nicht leichter, sondern grausamer. Sie betrat Stratholme nicht als Mörderin, sondern als jemand, der gelernt hatte, einem gerechten Befehl zu vertrauen. Als der Prinz alle Bewohner zu Feinden erklärte, wurde gerade dieser Gehorsam zur Schneide gegen Menschen, die sie hätte schützen sollen.

Der Befehl, der den Sinn zerbrach

Verseuchtes Getreide drohte die Stadt in Untote zu verwandeln, doch nicht jeder Einwohner war bereits verloren. Lylia sah dennoch zahllose Unschuldige durch ihre Hand sterben. Mit jedem Schlag entfernte sich die Tat weiter von dem Namen, den sie getragen hatte. Ihre Vernunft hielt den Widerspruch zwischen Gerechtigkeit und Gehorsam nicht aus. Der Krieg endete in ihr, lange bevor die Straße leer war.

Lylia fiel auf die eigene Klinge, um dem Wahnsinn um sie herum zu entkommen. Der Tod verweigerte ihr jedoch das erhoffte Ende. Als Geist blieb sie in der Marktgasse und trug einen neuen Namen, der wie ein Urteil klang: die Unverziehene. Vengeful Phantoms folgten ihr, als hätten weitere Opfer und Erinnerungen Gestalt angenommen und sich an ihre Schuld geheftet.

Zwei Überlieferungen derselben Schuld

Ältere Berichte beschreiben sie allgemeiner als frühere Streiterin, die für unheilige Macht Verbrechen an Unschuldigen beging. Das spätere Dungeonkompendium nennt Lylia und verbindet ihren Bruch ausdrücklich mit Arthas' Säuberung. Beide Fassungen bestehen nebeneinander. Sicher ist der Kern: Eine einst gerechte Kämpferin wurde durch Taten an Schutzlosen vernichtet und fand im Tod keine Absolution.

Ihre Niederlage befreite die Straße von einem Geist, beantwortete aber nicht die Frage, wer vergeben durfte. Lylia selbst konnte es nicht, ihre Opfer waren tot, und Stratholme besaß kein Gericht mehr. So blieb ihr Name weniger eine objektive Strafe als der letzte Zustand ihres eigenen Gewissens. Die Unverziehene war gefangen, weil in ihr niemand mehr lebte, der Gnade annehmen konnte.