Der Weg nach Stratholme
Stratholme war einst eine der großen Städte Lordaerons, bis verseuchtes Getreide und Arthas Menethils Entscheidung zur Säuberung ihre Straßen in ein Massengrab verwandelten. Jahre später teilten sich zwei Feinde die brennenden Ruinen. Im Westen hielt der Scharlachrote Kreuzzug eine Bastion, ohne zu wissen, dass Balnazzar ihn aus Saidans gestohlenem Körper lenkte. Im Osten bewachten die Diener Baron Totenschwurs Ziggurate, Kristalle und das Schlachthaus der Geißel. Jeder Weg durch die Stadt führte deshalb nicht nur an Gegnern vorbei, sondern durch verschiedene Antworten auf dieselbe Katastrophe: Fanatismus, Untod, Schuld und die Unfähigkeit der Toten, Stratholme loszulassen. In Kommandant Malor erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Malor gehörte zu den rasenden Mitgliedern des Scharlachroten Kreuzzugs. In einem Seitenraum bewachte er seine Schatulle und darin das Medaillon des Glaubens. Der Gegenstand konnte Aurius später den Mut geben, Baron Totenschwur entgegenzutreten. So lag ausgerechnet unter Malors Aufsicht ein Zeichen echten Glaubens, während der Wächter selbst längst einem Orden diente, dessen Spitze von einem Dämon besessen war.
Heiliges Licht ohne klares Urteil
Malor heilte Wunden und rief heilige Macht an. Diese Fähigkeiten bewiesen nicht, dass jede seiner Entscheidungen gerecht war. Das Licht konnte auf seinen Glauben antworten, während Fanatismus seinen Blick auf Menschen verengte. In Stratholme stand deshalb keine einfache Grenze zwischen leuchtender Magie und dunkler Schuld. Ein Mann konnte heilen und zugleich eine Ordnung verteidigen, die Unschuldige verfolgte.
Reisende konnten an Malors Kammer vorbeiziehen, doch wer das Medaillon barg, trug eine Verbindung in die andere Hälfte der Stadt. Dort wartete Aurius auf die Gelegenheit, gegen Rivendare zu kämpfen. Malors kleiner Raum wurde damit zum Knoten zwischen Scharlachroter Bastion und Schlachthaus. Ein verborgener Gegenstand verband zwei Männer, die beide behaupteten, Stratholme im Namen einer höheren Pflicht zu verteidigen.
Kommandant der Auferstandenen
Nach dem Kataklysmus legte Balnazzar seine Täuschung ab, tötete die verbliebenen Kreuzfahrer und erhob sie als Auferstandene. Malor kehrte als Kommandant zurück. Der Titel klang nach Beförderung, doch tatsächlich hatte er jede Selbstbestimmung verloren. Der dämonische Herr, den er zu Lebzeiten nicht erkannt hatte, gab ihm nun offen Befehle.
Malors Ende war grausame Vollendung. Der Kreuzzug hatte Untote als vollkommen unrein betrachtet und jedes Mittel gegen sie erlaubt. Balnazzar machte den Eiferer selbst zu dem, was er hasste. Damit widerlegte der Dämon nicht Malors Glauben; er zeigte, wie wenig dieser Glaube noch geschützt hatte, nachdem blinder Gehorsam an seine Stelle getreten war.