Ehre und StärkeBlackmoore
Azerit
Gegenstand

Azerit

Azerit ist das kristallisierte Blut der verwundeten Weltseele. Seine Kraft konnte heilen, doch Allianz, Horde und Erfinder machten aus Azeroths Schmerz zuerst eine Waffe.

Blut im Sand

Als Sargeras seine Klinge in Silithus stieß, antwortete Azeroths Körper sichtbar auf die Wunde. Goldblaues Licht drang aus aufgerissenem Gestein, erst als Flüssigkeit und Dampf, dann in kristallisierter Form. Magni Bronzebart suchte nach Worten und nannte es die Essenz der Welt. Andere gaben ihr rasch einen kürzeren Namen: Azerit.

Die Substanz war kein gewöhnliches Erz, das zufällig neben einer Katastrophe gefunden wurde. Jeder Splitter gehörte zu einer lebenden Weltseele. Er konnte Energie freisetzen, Materie verstärken und bei Berührung eine fast berauschende Klarheit hervorrufen. Wer Azerit hielt, spürte Möglichkeiten. Gerade darin lag die Versuchung, den Ursprung der Kraft hinter ihrer Nützlichkeit verschwinden zu lassen.

Die ersten Hände an der Wunde

Gallywix ließ Goblins in Silithus schürfen, noch bevor die übrigen Mächte das Ausmaß verstanden. Für ihn war Azerit Ware, Vorsprung und die seltene Gelegenheit, aus einer weltweiten Notlage persönlichen Besitz zu machen. Die Allianz schickte Spione und Forscher. Bald wusste jede Seite genug, um sich vorzustellen, was die andere mit größeren Vorräten anrichten könnte.

Azerit trat auch fern von Silithus an die Oberfläche. Seine Verbreitung machte Abriegelung unmöglich. Geräte liefen länger, Rüstungen nahmen neue Eigenschaften an, und Sprengsätze erhielten eine Kraft, die selbst erfahrene Ingenieure erschreckte. Statt die Verwundete zuerst zu versorgen, standen ihre Bewohner an verschiedenen Stellen ihres Körpers und erklärten, der jeweils andere dürfe auf keinen Fall mehr von ihrem Blut erhalten.

Der Brennstoff des Vierten Krieges

Der Konflikt zwischen Allianz und Horde hatte ältere Ursachen: Misstrauen, Sylvanas' Pläne, Teldrassil und die Kette früherer Vergeltung. Azerit gab diesen Ursachen jedoch eine neue Geschwindigkeit. Jede Seite konnte behaupten, sie müsse nur deshalb weitere Waffen bauen, weil die Gegenseite es bereits tat. Aus Vorsorge wurde Produktion, aus Produktion Einsatz und aus dem Einsatz der Beweis, dass die Angst berechtigt gewesen war.

In Lordaeron, Zandalar und Kul Tiras erschien Azerit in Munition, Maschinen und Rüstungen. Seine goldene Farbe verlieh den Waffen beinahe etwas Feierliches. Doch jeder Schuss führte auf denselben Ursprung zurück: Eine Welt war verletzt worden, und ihre Kinder verwandelten die austretende Lebenskraft in Mittel, einander weitere Wunden zuzufügen.

Das Herz von Azeroth

Magni übergab einem Champion das Herz von Azeroth. Das Medaillon nahm Azerit auf, stärkte seinen Träger und leitete die Kraft zugleich dorthin, wo sie zur Stabilisierung der Weltseele gebraucht wurde. Dieselbe Substanz konnte damit Waffe oder Verband sein. Der Unterschied lag nicht in ihrer Farbe, sondern in Absicht, Anwendung und der Bereitschaft, Macht wieder abzugeben.

Mit den Essenzen verschiedener Völker und Orte wurde das Herz weiter gestärkt. Schließlich bündelte es die Neuursprungsmatrix gegen Ny'alotha und N'Zoth. Die Energie, um die Fraktionen Krieg geführt hatten, half dabei, eine Gefahr für ganz Azeroth abzuwehren. Dieser Erfolg sprach den früheren Missbrauch nicht frei. Er zeigte nur, welche Möglichkeit neben dem Wettrüsten die ganze Zeit bestanden hatte.

Was eine Ressource verschweigt

Nachdem die unmittelbaren Wunden stabilisiert waren, verlor Azerit seine beherrschende politische Rolle. Es verschwand jedoch nicht aus der Geschichte und wurde auch nicht zu harmloser Vergangenheit. Waffen, Forschungen und Erinnerungen blieben. Vor allem blieb die Erkenntnis, wie schnell selbst offenkundiges Leid in eine Maßeinheit für Gewinn und militärischen Vorteil übersetzt werden kann.

Das Wort Ressource macht Dinge verfügbar. Bei Azerit verschweigt es das Wesentliche: Die Kristalle sind nicht bloß aus Azeroth, sie sind Teil von ihr. Wer sie berührt, hält den erstarrten Ausdruck einer Verletzung. Darin liegt ihre erzählerische Kraft. Azerit fragt nicht nur, was mit großer Energie möglich ist. Es fragt, ob Bewohner ihre Welt noch als Heimat erkennen, sobald sich ihr Schmerz verkaufen, stapeln und in eine Waffe einsetzen lässt.