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Vereesa Windläufer
Charakter

Vereesa Windläufer

Vereesa Windläufer ist die jüngste der drei Windläufer-Schwestern, Witwe Rhonins und frühere Anführerin des Silberbunds. Verlust machte sie zur erbitterten Gegnerin der Blutelfen; die Schuld von Dalaran führte sie schließlich zu einer Versöhnung, die nichts vergessen muss.

Die jüngste Windläuferin

Vereesa wuchs im Schatten zweier Schwestern auf, deren Wege bald wie Legenden wirkten. Alleria zog in den Zweiten Krieg und verschwand jenseits des Dunklen Portals. Sylvanas wurde Waldläufergeneralin, fiel vor Silbermond und kehrte als Banshee zurück. Vereesa war die Jüngste, aber das bewahrte sie vor keiner ihrer Wunden. Von ihrer Familie blieben Namen, Pflichten und immer neue Abschiede. Sie lernte früh, dass Überleben nicht dasselbe ist wie unversehrt bleiben.

Als Waldläuferin begleitete sie den Magier Rhonin auf einer Reise, die beide nach Grim Batol führte. Dort hielt der Drachenmalklan Alexstrasza gefangen und zwang die rote Drachenkönigin, Nachwuchs für den Krieg hervorzubringen. Vereesa und Rhonin begannen mit Misstrauen, retteten einander und halfen schließlich, die Gefangenschaft zu brechen. Aus dem gemeinsamen Weg wurde Liebe. Ihre Ehe verband Quel'Thalas mit Dalaran und gab Vereesa eine Heimat, die nicht bloß der Rest ihrer Kindheit war.

Eine Heimat in zwei Söhnen

Mit Rhonin bekam sie die Zwillinge Giramar und Galadin. In ihnen lag etwas, das Azeroths politische Ordnungen nur schwer benennen konnten: eine elfisch-menschliche Familie, die weder als Bündnisvertrag noch als Verrat gedacht war. Vereesa verteidigte diese Familie mit derselben Entschlossenheit, mit der sie einst Grenzen bewacht hatte. Dalaran wurde zu dem Ort, an dem ihre Kinder aufwuchsen und an dem sie glaubte, die Verluste der Windläufer müssten sich nicht endlos wiederholen.

Dann zerstörte die Geißel Quel'Thalas, entweihte den Sonnenbrunnen und tötete einen großen Teil ihres Volkes. Die Überlebenden nannten sich Blutelfen und schlossen sich später der Horde an. Vereesa behielt die ältere Bezeichnung Hochelfe und blieb der Allianz verbunden. Diese Trennung war keine Debatte über ein Wort. Auf beiden Seiten standen Überlebende, die denselben Untergang erlebt und daraus gegensätzliche Folgerungen gezogen hatten. Jeder Blick auf Silbermond erinnerte Vereesa zugleich an Heimat und an eine Entscheidung, die sie als Abkehr empfand.

Der Silberbund und Dalarans Blut

Als die Sonnenhäscher Blutelfen wieder in die Kirin Tor führten, gründete Vereesa den Silberbund. Sie sah in ihrer Nähe zur Horde eine Gefahr für Dalaran und sammelte Hochelfen, die diese Furcht teilten. Der Bund verteidigte die Allianz in Nordend und später Theramore. Dort starb Rhonin, als Garrosh Höllschrei die Manabombe zünden ließ und der Magier andere im letzten Augenblick rettete. Vereesas Trauer fand sofort eine politische Gestalt. Wieder hatte die Horde ihr einen Menschen genommen, und jedes alte Misstrauen schien nun wie bewiesene Voraussicht.

Nach dem Diebstahl der Göttlichen Glocke ließ Jaina die Sonnenhäscher aus Dalaran entfernen. Vereesa und der Silberbund machten aus Verhaftung und Ausweisung an vielen Stellen Vergeltung. Unbewaffnete und Unschuldige wurden bedroht oder getötet, weil ihre Zugehörigkeit genügte. Die Schuld dafür lässt sich nicht hinter Jainas Befehl oder Garroshs Agenten verbergen. Vereesa hatte wirklichen Grund zu Zorn und ließ ihn dennoch Angehörige der Sonnenhäscher treffen, deren einzelne Taten sie nicht kannte. Dalaran wurde so zum Ort, an dem ein Opfer der Horde selbst half, eine Gemeinschaft für die Verbrechen weniger Mitglieder zu bestrafen.

Schwestern, die einander nicht retten konnten

Während Garroshs Prozess dachte Vereesa daran, ihn zu vergiften. Zugleich erwog sie, mit ihren Söhnen zu Sylvanas zu gehen. Die Bansheekönigin stellte sich eine endgültige Vereinigung vor, in der Vereesa sterben und als Untote an ihrer Seite weiterbestehen sollte. Vereesa zog sich zurück. Sie rettete damit nicht nur ihr Leben, sondern auch den Rest ihres eigenen Urteils vor einer Schwester, die Liebe nicht mehr von Besitz trennen konnte. Zwischen beiden blieb eine Nähe, die immer wieder an der Frage zerbrach, welchen Preis Wiedervereinigung verlangen durfte.

Später fand Vereesa Alleria wieder und kämpfte auf Argus gegen die Legion. Ein Treffen der drei Schwestern in den Geisterlanden zeigte, wie wenig gemeinsame Herkunft allein heilen kann. Alleria trug die Leere, Sylvanas führte die Verlassenen, Vereesa blieb bei den Lebenden und ihren Söhnen. Keine konnte zu dem Haus zurückkehren, das sie erinnerte. Familie bestand fort, aber nicht als sicherer Ort. Sie war eine Sprache, in der jede Schwester dasselbe verlorene Wort anders aussprach.

Versöhnung ohne Vergessen

Vereesa unterstützte weiterhin die Allianz und den Silberbund, zog jedoch mit ihren Kindern aus Dalaran fort. Als Xal'atath die Stadt zerstörte, kehrte sie zu ihren Ruinen zurück und begegnete einer Trauer, die Hochelfen und Blutelfen nicht mehr nach alten Vierteln ordnete. Später führte sie die Überlebenden des Silberbunds zur Verteidigung von Quel'Thalas. Dort warteten keine unversehrten Beziehungen. Die Toten der Säuberung, Rhonins Opfer und die Entscheidungen der Sonnenhäscher blieben wahr.

Gemeinsam mit Aethas Sonnenhäscher löste Vereesa schließlich beide verfeindeten Gruppen auf und gründete den Silbersonnenpakt. Keiner vergab dem anderen stellvertretend jede Schuld. Sie erkannten, dass weiterer Hass ihre erschöpften Gemeinschaften nur für den nächsten Feind schwächen würde. Darin liegt Vereesas bisher mutigste Entscheidung. Eine Klinge zu ziehen fiel der Waldläuferin immer leicht; schwerer war es, die eigene Trauer nicht länger zum Urteil über jeden Verwandten zu machen. Der Pakt schenkt ihr keine unschuldige Vergangenheit. Er gibt ihr eine Zukunft, in der Erinnerung warnen darf, ohne wieder den nächsten Mord zu verlangen.