Hochelfen ohne Quel'Thalas
Nach der Zerstörung des Sonnenbrunnens wählten die Überlebenden Quel'Thalas' verschiedene Wege. Die meisten nannten sich Blutelfen und folgten ihrem Reich in die Horde. Andere lehnten diesen Bruch ab oder lebten bereits unter Menschen. Sie blieben Hochelfen, der Allianz verbunden und zugleich von einer Heimat getrennt, deren Sprache, Erinnerungen und Gesichter weiterhin die ihren waren.
Vereesa Windläufer wurde zur Stimme vieler dieser Quel'dorei. In Dalaran sahen sie, wie Aethas Sonnenhäscher die Rückkehr der Blutelfen in die Kirin Tor vorbereitete. Für die einen war das Heilung einer alten Spaltung; für Vereesas Gefährten war es die Öffnung der Stadt für ein Volk, das an der Seite der Horde stand. Aus dieser Furcht entstand der Silberbund, nicht als sanfter Kulturverein, sondern als bewaffnetes Gegengewicht.
Zwei Enklaven in einer neutralen Stadt
Während des Krieges gegen den Lichkönig lagen Silberne Enklave und Sonnenhäscherzuflucht in derselben fliegenden Stadt. Beide Gruppen kämpften gegen Geißel und andere Gefahren, bewachten jedoch zugleich einander. Der Silberbund diente der Allianzvorhut, entsandte Kampfmagier und Schiffe und half im Turnier des Argentumkreuzzugs.
Diese Nähe hätte zeigen können, wie ähnlich die getrennten Elfen weiterhin waren. Stattdessen wurde jeder Streit zum Beweis, dass Misstrauen notwendig sei. Selbst gemeinsame Siege trugen zwei Farben. Der Bund bewahrte den Hochelfen einen sichtbaren Platz in Dalaran, doch seine Identität band sich immer fester an die Abgrenzung von den Sin'dorei, als könne Treue zur Allianz nur durch dauernde Feindschaft gegen die verlorene Heimat bewiesen werden.
Die Säuberung Dalarans
Als Hordenagenten Kirin-Tor-Mittel nutzten, um die Göttliche Glocke für Garrosh zu stehlen, sah Jaina Prachtmeer den Verrat bestätigt. Sie ließ Aethas festnehmen und befahl die Entfernung der Sonnenhäscher. Der Silberbund setzte diese Anordnung durch. Wer sich widersetzte, sollte getötet, andere sollten inhaftiert werden.
In den Straßen geriet der Auftrag außer Kontrolle. Mitglieder des Silberbunds griffen auch Unschuldige an und töteten Blutelfen ohne gerechtes Verfahren. Alte Trauer, Theramores Zerstörung und jahrelanges Misstrauen machten aus Sicherheit Vergeltung. Der Bund konnte auf den Verrat einzelner Sonnenhäscher verweisen; er konnte damit nicht jedes Opfer entschuldigen. Dalaran wurde von einer neutralen Zuflucht zum Schauplatz einer Vertreibung, an die beide Seiten fortan mit entgegengesetzten Namen erinnerten.
Gemeinsame Feinde, ungeheilte Wunden
Auf der Insel des Donners kämpfte der Silberbund für Jainas Offensive gegen Mogu und Zandalari. Während der Legionsinvasion standen seine Waldläufer und Magier erneut gegen eine Bedrohung, die weder Hoch- noch Blutelfen verschonte. Bei Suramar und im Unsichtbaren Pfad arbeiteten sie neben Verbündeten, deren Herkunft früher jede Zusammenarbeit verhindert hätte.
Die Sonnenhäscher kehrten nach Dalaran zurück, aber Versöhnung folgte nicht automatisch. Dann zerstörte Xal'atath die Stadt. Überlebende beider Enklaven fanden sich auf der Insel von Dorn wieder, ohne die Straßen, um deren Besitz sie gestritten hatten. Der Verlust nahm ihnen nicht die Erinnerung an Täter und Tote. Er nahm ihnen jedoch den Ort, an dem Feindschaft zum vertrauten Alltag geworden war.
Vom Silberbund zum Silbersonnenpakt
Als die Leere Quel'Thalas bedrohte, zog auch der Silberbund zur Verteidigung des Landes, aus dem seine Mitglieder oder ihre Familien stammten. Aethas stellte sich Vereesas Kräften zunächst mit der Erinnerung an die Säuberung entgegen. Arator drängte beide Seiten, Anasterians altes Volk nicht im entscheidenden Augenblick an seiner eigenen Spaltung scheitern zu lassen. Vereesa und Aethas nahmen gemeinsam am Kriegsrat teil.
Nach der Schlacht erkannten sie, dass Silberbund und Sonnenhäscher ihre Verwundeten nicht weiter mit geerbtem Hass führen konnten. Beide Organisationen wurden aufgelöst; aus ihren Mitgliedern entstand der Silbersonnenpakt. Dieser Schritt macht vergangenes Unrecht nicht ungeschehen. Er ist gerade deshalb bedeutend, weil Vereesa den Bund nicht als ewig reines Symbol bewahrt. Sie beendet eine Gemeinschaft, die ihrem Volk einst Schutz gab und später selbst Schuld auf sich lud, damit aus zwei Namen endlich eine Zukunft wachsen kann, die nicht nur vom alten Dalaran erzählt.