Ehre und StärkeBlackmoore
Putress
Charakter

Putress

Großapotheker Putress verwandelte die Seuche, die ihn einst versklavt hatte, in eine Waffe gegen Lebende und Untote. Am Zornestor verriet er Geißel, Horde, Allianz und Sylvanas, ehe Varian ihn in der Unterstadt tötete.

Ein Forscher nach dem eigenen Tod

Zu Lebzeiten liebte Putress das Experiment, die Herstellung und den Augenblick, in dem etwas Unbekanntes eine Form annahm. Die Geißel machte ihn zum willenlosen Untoten. Als er seinen freien Willen zurückgewann, trauerte er seinem alten Namen und Körper kaum nach. Er betrachtete den Untod nicht als Krankheit, von der er geheilt werden wollte, sondern als eine neue Existenz, deren Möglichkeiten die Lebenden aus Furcht nicht verstanden.

Putress suchte Sylvanas auf und erklärte, die Verlassenen sollten die Seuche, die sie erschaffen hatte, zähmen und zu ihrer eigenen Waffe machen. Seine Überzeugung beeindruckte sie. Sie gründete die Königliche Apothekergesellschaft und setzte ihn als Großapotheker ein. Das Labor erhielt damit einen politischen Auftrag: eine Macht zu entwickeln, die sowohl die Geißel als auch Lebende töten konnte und Arthas vernichten sollte, wenn sich eine Gelegenheit bot.

Heilmittel und Gift aus derselben Hand

In den Gewölben der Unterstadt experimentierten Apotheker an Substanzen, Gefangenen und sogar verurteilten Verlassenen. Sylvanas wusste vom Ziel der Forschung und hielt es geheim, weil selbst Verbündete die Methoden kaum geduldet hätten. Putress sah darin keine moralische Grenze, sondern einen Beweis, dass nur die Verlassenen bereit waren, das Werkzeug ihres Martyriums vollständig zu verstehen.

Während der zweiten Geißelinvasion untersuchte er in Shattrath verseuchte Gehirne und entwickelte eine Mischung, die Infizierte teilweise heilen konnte. Derselbe Forscher, der an einer umfassenden Todeswaffe arbeitete, fand also auch ein Gegenmittel. Darin lag kein Widerspruch für ihn. Erkenntnis war sein höchster Wert; ob sie einen Körper rettete oder auflöste, entschied der Zweck. Gerade diese Trennung von Können und Verantwortung machte seine Arbeit so gefährlich.

Die Rache an der Pforte des Zorns

Beim Angriff auf Angrathar standen Soldaten der Horde und Allianz gemeinsam vor der Zitadelle des Lichkönigs. Dranosh Saurfang fiel, Bolvar Fordragon hielt die Linie, und für einen Augenblick schien die Geißel vor einem Bündnis ihrer Feinde zurückzuweichen. Dann erschien Putress über dem Schlachtfeld. Seine Katapulte schleuderten die neue Seuche auf Tote und Lebende, während er die Stunde der Rache der Verlassenen ausrief.

Der grüne Nebel zwang selbst Arthas zum Rückzug. Er tötete Allianzkrieger, Hordesoldaten und die Geißel ohne Unterschied; Bolvar überlebte nur auf eine Weise, die später neue Qual brachte. Putress hatte bewiesen, dass seine Waffe das Unmögliche konnte. Zugleich zeigte er, dass er nicht länger zwischen der Rache an einem Peiniger und dem Tod jedes Zeugen unterschied. Aus dem Versprechen, nie wieder hilflos zu sein, war der Anspruch geworden, über das Leben aller Anwesenden verfügen zu dürfen.

Der Umsturz in der Unterstadt

Der Angriff gehörte zu einem Aufstand mit Varimathras. Abtrünnige Apotheker nahmen die Unterstadt ein und versuchten, Sylvanas im Apothecarium zu töten. Die Bansheekönigin entkam und kehrte mit Thralls Horde zurück, während Varian Wrynn und Jaina Prachtmeer durch die Kanäle eindrangen. Beide Fraktionen kämpften diesmal nicht gemeinsam, sondern verfolgten in denselben Gängen verschiedene Feinde und beinahe auch einander.

Varian stellte Putress zwischen dessen Experimenten. Der Großapotheker überlud sich mit Seuchenenergie, als könne mehr von derselben Macht die Niederlage noch umkehren. Er wurde getötet, sein Kopf später Thrall vor die Füße geworfen. Varimathras fiel im anderen Teil der Stadt. Der Umsturz war beendet, doch die Frage nach Verantwortung ließ sich nicht mit seinen Anführern begraben: Sylvanas hatte die Seuche entwickeln lassen, während Putress den Einsatz gegen Verbündete und den Putsch zu seinem eigenen Verrat gemacht hatte.

Die Waffe, die ihren Schöpfer überlebte

Putress' Seele gelangte in die Schattenlande und wurde später von Todesrittern ihrer Essenz beraubt. Auf Azeroth blieb seine eigentliche Hinterlassenschaft. Die Seuche hatte am Zornestor ihre Wirksamkeit bewiesen, und spätere Kriege der Verlassenen setzten verwandte Fäulnis gegen Gilneas, Lordaeron und andere Schlachtfelder ein. Sein Tod nahm der Idee nicht die Verführung, jede Bedrohung mit einer Waffe beantworten zu können, die so endgültig ist, dass niemand mehr Widerstand leisten kann.

Putress war kein wahnsinniger Außenseiter ohne Verbindung zu seinem Volk. Er entstand aus dessen Erfahrung von Versklavung, Ablehnung und Angst vor Auslöschung. Gerade darum darf seine Tat nicht als fremder Unfall aus der Geschichte der Verlassenen entfernt werden. Er nahm eine berechtigte Sehnsucht nach Schutz und löste daraus jedes Mitgefühl. Am Zornestor starb nicht nur ein Bündnis. Sichtbar wurde, wie Forschung zur Form des Hasses werden kann, wenn der Schöpfer jede Grenze nur noch als Hindernis auf dem Weg zu einem vollkommen wirksamen Ergebnis versteht.