Die angenommene Heimat der Schreckenslords
Nathreza galt lange als Heimatwelt der Nathrezim. Erst viel später wurde bekannt, dass Graf Denathrius die Schreckenslords in Revendreth erschaffen hatte. Ihre angebliche Verbannung in den Kosmos war Teil einer größeren Täuschung. Auf Nathreza wurden viele von ihnen zu Dämonen und bauten eine Heimat, die zugleich Außenposten des Todes in einem anderen kosmischen Reich war.
Der Planetoid lag im Wirbelnden Nether. Schwarze Straßen führten zwischen Türmen aus Basalt und Obsidian, Fellicht brannte über Palästen, in denen Unterwanderungen ferner Welten entworfen wurden. Selbst die Landschaft bestand aus verdichteter magischer Energie. Wer dort einen Dämon tötete, vernichtete ihn endgültig.
Eine Welt aus Archiven und Lügen
Nathreza war nicht bloß Kaserne. Die Nathrezim sammelten Wissen über Legion, Leere, Licht und Tod. Sie studierten Schwächen, Glaubenssätze und Wege, auf denen sich eine Macht gegen eine andere lenken ließ. Ein erfolgreicher Schreckenslord eroberte selten offen. Er brachte ein Reich dazu, die gewünschte Entscheidung für die eigene zu halten.
Von Nathreza aus dienten sie Kil'jaeden als vertraute Befehlshaber und zugleich Denathrius' verborgenem Plan. Diese doppelte Treue machte den Planeten zu einem Ort geschichteter Geheimnisse. Selbst ein gestohlener Bericht konnte wahr sein und dennoch genau für den Diebstahl geschrieben worden sein.
Illidans Suche nach Argus
Illidan wollte die Brennende Legion nicht nur abwehren. Er suchte Argus, ihr Zentrum. Die Lage der Welt war streng verborgen, und Nathreza besaß Hinweise. Mit seinen Dämonenjägern griff Illidan den Planeten an. Für viele Illidari war es der erste Feldzug in ein Reich, in dem ihre Feinde endgültig sterben konnten.
Sie kämpften durch Städte und Archive, nahmen Wissen und zogen sich zum Portal zurück. Die Nathrezim verfolgten sie. Illidan ließ den Übergang zusammenbrechen und berechnete die magische Rückwirkung so, dass sie Nathreza zerreißen würde. Der Plan gelang. Städte wurden ausgelöscht, der Planetoid barst, und die Legion erlitt eine ihrer schwersten Niederlagen seit Jahrtausenden.
Die Trümmer bleiben verbunden
Nathreza verschwand nicht völlig aus allen Wegen. Portale führten später in die verwüstete Welt, und einzelne Artefakte erreichten Azeroth. In Antorus öffnete Portalhüterin Hasabel einen Übergang zu dem verdrehten Rest. Selbst zerstört blieb Nathreza als Adresse in den Netzwerken bestehen, die seine Bewohner durch den Kosmos gelegt hatten.
Auch die Schreckenslords überlebten, weil viele während der Vernichtung andernorts dienten. Eine Welt kann ihre Bevölkerung prägen, ohne deren einzige Grundlage zu sein. Nathreza war Knotenpunkt ihrer Arbeit, nicht der Ursprung ihres Plans. Denathrius' Einfluss lag tiefer als die geborstenen Straßen.
Der Preis eines wirksamen Schlages
Illidans Angriff nahm der Legion Wissen, Dämonen und Sicherheit. Er zeigte, dass ihr eigenes Gebiet verwundbar war. Zugleich vernichtete er eine ganze Welt mit derselben Entschlossenheit, mit der Sargeras Welten verbrannte. Der Unterschied lag im Ziel, nicht in der Größe der Explosion.
Nathreza hinterlässt daher eine unbequeme Frage. Wenn ein Feind jede Grenze überschreitet, welche Grenze darf der Widerstand noch achten? Die Schreckenslords hätten den Planeten weiter als Werkstatt der Unterwanderung benutzt. Seine Zerstörung rettete vermutlich unzählige Leben. In den Trümmern liegt dennoch die Erinnerung, dass selbst ein notwendiger Sieg zu groß werden kann, um ihn ohne Schatten zu erzählen.