Ehre und StärkeBlackmoore
Graf Denathrius
Charakter

Graf Denathrius

Der Schöpfer Revendreths machte aus Reue ein Reich und aus fremder Schuld eine Quelle der Macht. Hinter der Maske des Läuterers diente Denathrius Zovaal und seinem eigenen Stolz.

Der Herr eines zweiten Urteils

Revendreth wurde für Seelen geschaffen, deren Stolz, Grausamkeit oder Selbstsucht sie noch nicht endgültig in den Schlund verdammt hatten. Graf Denathrius herrschte dort als einer der Ewigen. Er versprach keine Vergebung ohne Schmerz. Sündensteine trugen die Wahrheit eines vergangenen Lebens, Venthyr rissen Ausreden fort, und jede geläuterte Seele sollte lernen, den Schaden anzusehen, den sie anderen zugefügt hatte.

Denathrius erschuf die Venthyr und setzte Prinz Renathal als ersten unter ihnen ein. Später verteilte er Macht auf die Hofernter und ihre Medaillons. Alles in Revendreth trug seine Handschrift: die gotischen Türme, die höfischen Titel, die Becher voll Anima und selbst die Vorstellung, dass Demut nur unter Aufsicht eines vollkommenen Herrn erlernt werden könne. Der Meister der Buße stellte sich außerhalb jener Prüfung, die er allen anderen auferlegte.

Wenn Reue zur Ernte wird

Eine Seele gab während der Läuterung Anima ab. Dieses kostbare Wesen nährte Revendreth und half den übrigen Reichen der Schattenlande. Unter einem gerechten Herrscher hätte darin ein Kreislauf liegen können: Erkenntnis verwandelte sich in Kraft, und eine geläuterte Seele durfte ihren Weg fortsetzen. Denathrius machte daraus ein System des Besitzes.

Wer seinen Willen vollstreckte, erhielt Anima, Rang und Nähe zum Hof. Wer widersprach, wurde ausgetrocknet oder ins Licht gestoßen, das Venthyr verbrennt. Der Graf musste Reue nicht mehr fördern, wenn sich Schuld länger ausbeuten ließ. So verwandelte sich Revendreths eigentliche Aufgabe unmerklich. Die Frage lautete nicht länger, wann eine Seele bereit war zu gehen, sondern wie viel sich noch aus ihr gewinnen ließ.

Die Unsichtbaren

Denathrius schuf auch die Nathrezim. Er sandte die Schreckenslords in die Reiche anderer kosmischer Mächte, wo sie Vertrauen gewannen, Lehren verdrehten und Gegner gegeneinander ausspielten. Ihre angebliche Verbannung nach Nathreza war Teil dieser Tarnung. Während Legionen, Orden und Reiche glaubten, eigene Pläne zu verfolgen, sammelten die Unsichtbaren Wissen für ihren wahren Meister.

Diese Kinder passen zu Denathrius, weil sie nicht durch offene Überlegenheit herrschen. Sie finden den Wunsch, der bereits in einem Herzen lebt, und geben ihm eine vernünftige Stimme. Der Graf tat in Revendreth dasselbe. Er erfand den Hochmut seiner Untergebenen nicht. Er überzeugte sie nur, dass Gehorsam gegen Belohnung eine Form von Ordnung sei.

Die Dürre als Verrat

Denathrius hatte einst geholfen, Zovaal zu richten und in den Schlund zu verbannen. Später diente er ihm im Verborgenen. Als der Strom der Seelen in den Schlund umgeleitet wurde und die Reiche des Todes unter Animamangel litten, hortete Revendreths Hof gewaltige Vorräte. Der Graf erklärte die Not zum unausweichlichen Schicksal und ließ sein Volk darben.

Renathal erkannte, dass dies keine strenge Verwaltung, sondern Verrat war. Seine Rebellion scheiterte zunächst, und Denathrius warf den eigenen Sohn in den Schlund. Als neue Verbündete nach Revendreth kamen, brach der Aufstand erneut aus. Noch im Augenblick seiner Entlarvung gab der Graf sich als Opfer und Retter aus. Dann leitete er die gespeicherte Anima in den Schlund. Ein ganzes Reich hatte Verzicht geübt, damit Zovaals Krieg genährt werden konnte.

Die Stimme in Remornia

Im Schloss Nathria wurde Denathrius besiegt. Renathal wollte ihn nicht vernichten, sondern in seiner Klinge Remornia festhalten und zur Einsicht zwingen. Das Urteil war auf bittere Weise passend: Der Herr der Läuterung sollte endlich selbst ohne Hof, Becher und Publikum über seine Taten nachdenken.

Doch Remornia war Denathrius treu. Nathrezim drangen nach Revendreth ein und entführten die Klinge; seitdem ist ihr Meister wieder verschwunden, nicht ausgelöscht. Sein Fortleben passt zu einer Figur, die andere stets glauben ließ, sie hätten ihn endlich durchschaut. Denathrius ist gefährlich, weil er eine richtige Wahrheit missbraucht: Schuld muss erinnert werden. Unter seiner Herrschaft durfte diese Erinnerung jedoch nie heilen, denn eine geheilte Seele lässt sich nicht ewig ernten. Der Graf wollte Seelen von ihrem Stolz befreien und errichtete dafür ein Reich, in dem nur sein eigener Stolz unantastbar blieb.