Vor den Mauern Eiskrones
Angrathar, die Pforte des Zorns, versperrte den Weg in das Herz von Eiskrone. Dort sammelten sich die Streitkräfte der Allianz unter Hochlord Bolvar Fordragon und die Krieger der Horde unter Dranosh Saurfang. Beide Fraktionen führten ihren eigenen Feldzug, doch vor dem Tor stand derselbe Feind. Für einen Augenblick war wichtiger, was hinter den Mauern wartete, als welche Banner im Schnee nebeneinander wehten.
Bolvar trug die Verantwortung eines Mannes, der Sturmwind während Varian Wrynns Abwesenheit geführt und dessen Sohn beschützt hatte. Dranosh trug den Namen Saurfang, ohne die blutige Vergangenheit seines Vaters wiederholen zu wollen. Varok sah in ihm die Hoffnung, dass eine neue Generation der Horde stark sein konnte, ohne Ehre mit Grausamkeit zu verwechseln. An der Pforte begegneten sich deshalb nicht nur zwei Heere. Zwei Vorstellungen von einer besseren Zukunft rückten gemeinsam gegen Arthas vor.
Der König der Toten erscheint
Die Geißel strömte aus Angrathar, und der Kampf begann als offener Angriff auf ihre Linien. Als der Lichkönig selbst erschien, forderte Dranosh ihn heraus. Sein Mut vermochte die Klinge Frostgram nicht aufzuhalten. Arthas erschlug den jungen Orc und nahm dessen Seele, noch bevor dessen Körper im Schnee zur Ruhe kommen konnte.
Bolvar blieb stehen. In diesem Augenblick hätte die Schlacht zu jener klaren Tragödie werden können, mit der Soldaten zu leben lernen: ein gefallener Heerführer, ein gemeinsamer Feind und ein Kampf, der trotz des Verlustes weitergeführt werden musste. Dann erklangen Hörner über dem Schlachtfeld, und Gestalten in den Farben der Verlassenen bezogen die Höhen. Die anrückenden Truppen kamen nicht, um die Front zu verstärken.
Putress' Antwort an alle
Großapotheker Putress ließ Behälter mit der neuen Seuche auf das Schlachtfeld schleudern. Das Gift unterschied nicht zwischen Geißel, Horde und Allianz. Lebende erstickten neben Untoten, deren Körper sich unter einer Waffe auflösten, die gerade zur Vernichtung des Lichkönigs entwickelt worden war. Selbst Arthas wurde zum Rückzug gezwungen, doch sein Entkommen machte aus dem Angriff keinen beinahe errungenen Sieg.
Putress erklärte seine Tat zur Rache der Verlassenen an den Toten und den Lebenden. Tatsächlich diente er mit seinen Anhängern dem Schreckenslord Varimathras, der in Unterstadt nach der Macht griff. Tausende Soldaten starben nicht durch eine unvermeidliche Kriegswendung, sondern durch eine Fraktion, die das Vertrauen in den eigenen Reihen als Deckung benutzt hatte. Die Pforte zeigte, dass eine Waffe, die ohne Grenze entwickelt wird, am Ende auch keine politische Grenze anerkennt.
Drachenfeuer über den Gefallenen
Alexstrasza und der rote Drachenschwarm verbrannten das verseuchte Feld, damit das Gift sich nicht weiter ausbreitete. Das Feuer reinigte den Boden, konnte aber die Toten nicht zurückbringen. Bolvar war nicht völlig gestorben. Seuche und Drachenflammen verwandelten seinen Körper, ehe die Geißel ihn fand und nach Eiskrone verschleppte. Für seine Verbündeten blieb zunächst nur die Gewissheit seines Verlustes.
Aus dem Verrat folgte der Kampf um Unterstadt. Horde und Allianz drangen gegen Varimathras und Putress vor, doch die gemeinsame Wut heilte ihr Bündnis nicht. König Varian sah in den Hallen der Verlassenen genug, um seinen Argwohn gegen die Horde zu verschärfen. Die Frage, wer von der Seuche gewusst hatte und wer die dunklen Forschungen hätte verhindern müssen, stand fortan zwischen jeder offiziellen Erklärung und den Gräbern an der Pforte.
Zwei Männer kehren verändert zurück
Arthas erhob Dranosh als Todesbringer Saurfang. In der Eiskronenzitadelle musste Varok den entstellten Sohn sehen, dessen ehrenhafte Zukunft nun als Waffe des Feindes diente. Bolvar widerstand währenddessen der Folter des Lichkönigs. Nach Arthas' Fall setzte er den Helm der Herrschaft auf, um die führerlose Geißel zu binden. Beiden Männern wurde nach Angrathar sogar das Recht auf einen einfachen Tod genommen.
Darum endet die Schlacht nicht mit Putress' Seuchenfässern. Ihr Nachhall reicht bis zum Gefrorenen Thron, in Varoks Trauer und in Bolvars lange Wache. An der Pforte standen Horde und Allianz so nahe an einem gemeinsamen Sieg, wie es ihre Geschichte selten erlaubte. Der Verrat zerstörte mehr als eine Armee. Er nahm zwei Völkern den Beweis, dass sie unter den richtigen Anführern nebeneinander bestehen konnten, und ersetzte ihn durch eine Erinnerung, in der jeder Atemzug nach Gift roch.