Eine Hülle für einen gefallenen Titanen
Der Avatar von Sargeras war nicht Sargeras selbst, sondern eine körperliche Hülle, die einen Teil seiner Seele und Macht trug. Selbst dieser Bruchteil war gewaltig: Die Gestalt maß sich mit den Knochen Galakronds und brachte genug Wut und Gewalt nach Azeroth, um der Wächterin von Tirisfal entgegenzutreten.
Rund achthundert Jahre vor dem Dunklen Portal stellte Aegwynn den Avatar in der Drachenöde. Sie besiegte ihn mit der gebündelten Macht des Rates von Tirisfal. Doch im Augenblick des Untergangs der Hülle ging ein Teil von Sargeras' Geist auf Aegwynn über. Die Wächterin bemerkte diese Wunde in ihrer Seele nicht; sie hielt die Leere nach dem Kampf für den Preis der Anstrengung.
Das Siegel unter Suramar
Aegwynn konnte den Avatar nicht einfach vernichten. Sie brachte den Leib in die versunkene Ruine eines alten Elunetempels bei Suramar. Die dortigen Siegel der Hochgeborenen sollten das Böse im Körper und in seinem Zepter binden. Aus diesem Gefängnis wurde das Grabmal des Sargeras.
Der Plan hatte einen zweiten, unsichtbaren Riss. Der Geist des gefallenen Titans blieb in Aegwynn und ging später auf ihren Sohn Medivh über. Das Grab bewahrte den Leib, während Sargeras über Medivh weiter auf Azeroth einwirken konnte. So verband ein scheinbarer Sieg in Nordend die Geschichte Aegwynns mit dem Dunklen Portal und den Kriegen, die daraus folgten.
Die Hülle erwacht erneut
Jahrhunderte blieb der Avatar unter dem Tempel eingeschlossen. Einige der mit ihm begrabenen Dämonen nährten sich jedoch an seiner zurückgebliebenen Macht und gewannen im Lauf der Zeit genug Kraft, um wieder durch die Hallen zu streifen. Als die Legion die Barrieren des Grabmals schließlich niederriss, erhielt Kil'jaeden die Möglichkeit, die Hülle erneut zu erwecken und gegen Azeroth zu wenden.
In der Kammer des Avatars lag der Leib zunächst in titanischer Sicherung festgebunden. Teufelsenergie und verdorbene Kontrollpylonen nährten ihn, während die ebenfalls korrumpierte Maid der Tapferkeit an seiner Seite kämpfte. Erst als die alte Fessel brach, wurde die Hülle voll beweglich und riss die Kammer bis in die tieferen Ebenen des Grabmals auf.
Der zweite Fall
Der Gefallene Avatar war deshalb keine neue Wiederkehr des ganzen Titans. Er blieb die aufgerüttelte Hülle eines uralten Plans: ein Körper, dessen Macht noch immer Schaden anrichten konnte, obwohl sein Schöpfer fern von Azeroth weilte. Als die Streiter Azeroths ihn besiegten, beendeten sie die unmittelbare Bedrohung dieser Hülle und öffneten den Weg zum letzten Kampf gegen Kil'jaeden.
Seine Geschichte ist gerade deshalb so lang, weil sie nicht mit einem einzelnen Tod endet. Aegwynns Sieg blieb ein Sieg, aber kein vollständiger. Das Grabmal, Medivh und die spätere Invasion zeigen, wie lange eine Niederlage nachwirken kann, wenn ein Feind schon vor dem ersten Schlag einen Weg in die Zukunft gelegt hat.