Der Waldläufer an Sylvanas' Seite
Lor'themar Theron lernte Führung nicht am Hof, sondern in den Wäldern von Quel'Thalas. Als Waldläufer diente er unter Sylvanas Windläufer und kämpfte gegen Amani, die jeden Runenstein und jeden Grenzpfad als Teil eines älteren Streits betrachteten. Er erfuhr Gefangenschaft und Folter durch Zul'jin, überlebte jedoch und kehrte in den Dienst zurück. Pflicht war für ihn nie ein schöner Gedanke. Sie war das, was übrig blieb, wenn Schmerz keine Richtung vorgab.
Beim Angriff der Geißel verteidigte Lor'themar den Sonnenbrunnen und sah, wie Sylvanas fiel, Dar'Khan Drathir sein Volk verriet und Arthas die Heimat zerbrach. Die meisten Hochelfen starben. Wälder wurden zur Todesnarbe, der Brunnen verdorben und die Überlebenden von ihrer magischen Quelle getrennt. Aus dem Offizier wurde einer jener Anführer, die Entscheidungen trafen, weil viele geeignetere Stimmen nicht mehr lebten.
Ein Regent ohne Wunsch nach einer Krone
Kael'thas Sonnenwanderer nannte die Überlebenden Blutelfen und überließ Lor'themar die Führung in Quel'Thalas, während er selbst nach einer Lösung suchte. Lor'themar nahm den Titel Regent an, gerade weil er die Krone des Prinzen nicht beanspruchen wollte. Das Amt sollte eine Brücke sein. Doch mit jedem Jahr wurde deutlicher, dass Kael'thas nicht in der Gestalt zurückkehren würde, auf die sein Volk hoffte.
Die junge Regierung musste Untote zurückdrängen, Hunger nach Magie beherrschen und zwischen gefährlichen Helfern wählen. Gesandte der Allianz erwiesen sich als Spione und Saboteure, während Sylvanas den Kontakt zur Horde öffnete. Lor'themar führte die Blutelfen in dieses Bündnis, nicht aus alter Zuneigung zu Orcs, sondern weil Quel'Thalas Schutz und Handlungsraum brauchte. Überleben ließ ihm selten die Reinheit, nur angenehme Partner zu wählen.
Der Verrat des Prinzen
Kael'thas kehrte als Diener der Legion zurück und wollte den Sonnenbrunnen für Kil'jaeden öffnen. Lor'themar stellte sich gegen den Herrscher, dessen Platz er so lange freigehalten hatte. Nach dem Sieg reinigte Velen den Brunnen mit dem Herzen M'urus und verband arkane Kraft mit dem Licht. Quel'Thalas erhielt seine Quelle zurück, aber nicht die alte Welt, in der ihre Fortdauer selbstverständlich gewesen war.
Lor'themar blieb Regent. Er gründete keine neue Dynastie und machte aus der Rettung keinen persönlichen Thronanspruch. Diese Zurückhaltung war keine Untätigkeit. Sie zwang ihn, jeden Befehl als Verwalter einer verwundeten Gemeinschaft zu verstehen. Gerade weil er sich nicht als Mittelpunkt der Geschichte sah, konnte er Entscheidungen ändern, ohne darin automatisch den Verlust königlicher Unfehlbarkeit zu fürchten.
Zwischen Garrosh und der Rebellion
Unter Garrosh Höllschrei wurden Blutelfen für riskante Feldzüge benutzt. Lor'themar erwog eine Annäherung an die Allianz, doch die Säuberung Dalarans traf die Sonnenhäscher und zerstörte das entstehende Vertrauen. Er führte seine Truppen schließlich gemeinsam mit anderen Aufständischen gegen Garrosh. Die Horde blieb seine politische Heimat, aber nicht um den Preis, jeden Kriegshäuptling mit ihr gleichzusetzen.
Nach Sylvanas' Sturz half Lor'themar, die Herrschaft eines Einzelnen durch den Hordenrat zu ersetzen. In Thalyssra fand er eine Anführerin, deren Volk ebenfalls Isolation, magische Abhängigkeit und den Verrat einer alten Führung erlebt hatte. Aus politischer Nähe wurde Liebe, und beide heirateten. Die Verbindung vereinte nicht einfach zwei Reiche auf dem Papier. Sie gab zwei Pflichtgebundenen einen Ort, an dem Zukunft mehr sein durfte als die nächste Krise.
Der verdunkelte Brunnen
Als die Leere den Sonnenbrunnen in den Düsterbrunnen verwandelte, stand Lor'themar erneut vor der Verwüstung des Zentrums, um das sich Quel'Thalas ordnete. Diesmal antwortete er nicht allein mit den vertrauten Kräften Silbermonds. Blutelfen, Nachtgeborene, Hochelfen, Leerenelfen und Nachtelfen verbanden ihre Armeen, um Quel'Danas zurückzugewinnen. Alte Trennungen verschwanden dabei nicht, doch sie durften die unmittelbare Rettung nicht verhindern.
Shandris warnte Lor'themar zugleich davor, den Brunnen nach der Krise einfach wieder zu aktivieren. In dieser Mahnung liegt die Frage, die sein ganzes Leben begleitet: Wie bewahrt man ein Volk, ohne jede Form seiner Vergangenheit für unverzichtbar zu erklären? Lor'themar hat Quel'Thalas durch Verluste geführt, die jeden Übergangsregenten längst hätten zum dauerhaften König machen können. Seine größte Beständigkeit liegt jedoch nicht in einem Titel. Sie liegt in der Bereitschaft, das Überleben seines Volkes immer wieder höher zu stellen als die Gewohnheit, wie dieses Überleben auszusehen habe.