Wächter aus Stein
Die Mogu wurden nicht als Kaiser geboren. Titanische Mächte formten sie aus Stein, damit sie im Süden des geordneten Azeroth Anlagen bewachten, Täler schützten und den Willen der Hüter ausführten. Ihre Stärke, ihre Bindung an Magie und ihr tiefes Bedürfnis nach Ordnung stammen aus dieser ersten Aufgabe.
Als die Hüter verstummten und der Fluch des Fleisches wirkte, verloren die Mogu ihre steinerne Beständigkeit. Sie wurden sterblich, ohne eine neue gemeinsame Bestimmung zu erhalten. Klans und Kriegsherren bekämpften einander. Viele reagierten auf die Angst vor Verfall nicht mit einer freien Gesellschaft, sondern mit dem Wunsch nach einem Herrn, der jede Unsicherheit beendet.
Lei Shen nimmt den Sturm
Lei Shen fand den Titanenhüter Ra und entriss ihm die Macht des Sturms. Als Donnerkönig vereinte er die Mogu, schuf ein Reich, vereinheitlichte Sprache, Maße, Münzen und Gesetze. Er baute den Schlangenrücken gegen die Mantid und machte aus zersplitterten Klans eine Ordnung, die Jahrhunderte überdauerte.
Diese Ordnung beruhte auf Unterwerfung. Das erste Gesetz erklärte Widerstand zum Verbrechen, das öffentlich und grausam bestraft wurde. Pandaren durften nicht lesen oder schreiben, ihre Kunst wurde verbrannt, ihre Sprache verdrängt. Mogu-Fleischformer schufen und veränderten Lebewesen, Seelenbinder machten selbst den Tod zu einem Dienstverhältnis. Lei Shens Reich funktionierte, weil es jeden anderen Willen als Störung behandelte.
Die Rebellion ohne Waffen
Der Pandaren Kang erkannte in der Grausamkeit der Mogu nicht Stärke, sondern Angst. Da Sklaven keine Waffen tragen durften, entwickelte er den Kampf mit leeren Händen. Aus heimlicher Übung entstand die Tradition der Mönche. Pandaren, Jinyu, Grummel und andere unterworfene Völker erhoben sich gemeinsam.
Die Mogu hatten Gehorsam erzwungen, aber keine Loyalität geschaffen. Nach Lei Shens Tod und der Schwächung seiner Dynastien zerbrach das Reich unter dem Aufstand. Die ehemaligen Herren wurden in verstreute Klans zurückgedrängt. Für die Pandaren begann eine eigene Herrschaft; für die Mogu eine lange Erinnerung an verlorene Größe.
Rückkehr der alten Kaiser
Als die Nebel Pandarias fielen, erwachten Moguklans zu neuem Ehrgeiz. Die Zandalari brachten Lei Shen auf der Insel des Donners zurück. Er versuchte, sein Reich erneut zu einen und titanische Macht für größere Eroberungen zu nutzen. Horde, Allianz und Shado-Pan stürmten seine Festung und töteten ihn ein zweites Mal.
Nicht jeder Mogu folgt demselben Herrscher, doch viele teilen die Überzeugung, zum Regieren geschaffen zu sein. Gerade diese Aussage verdreht ihre Herkunft. Sie wurden geschaffen, um eine Welt zu bewahren, nicht um alle Bewohner zu besitzen. Aus einer Funktion machten sie ein Geburtsrecht; aus Ordnung eine Rechtfertigung für Sklaverei.
Die Mogu sind deshalb mehr als brutale Steinriesen aus Pandarias Vergangenheit. In ihnen liegt eine tragische Frage nach Zweck. Als ihre Schöpfer schwiegen, hätten sie selbst wählen können, wer sie werden wollten. Viele wählten eine Herrschaft, die niemals wieder Stille und Unsicherheit zulassen sollte. So wurden aus Wächtern Tyrannen – nicht weil Ordnung unvermeidlich böse ist, sondern weil sie Ordnung nur noch dort erkannten, wo niemand außer ihnen entscheiden durfte.