Eine Herkunft, die andere für sie bestimmten
Garona Halborcen wurde als Kind einer Draenei-Gefangenen und eines Orcs geboren. Sie wuchs unter Orcs auf, ohne dort selbstverständlich dazuzugehören. Ihre Herkunft wurde lange falsch gelesen und von anderen für ihre Zwecke erklärt. Für Gul'dan war sie keine Person mit einer Geschichte, sondern eine ungewöhnlich brauchbare Verbindung zwischen Welten.
Der Hexenmeister ließ Garona magisch altern, formte sie zur Dolmetscherin und Spionin und legte Befehle in ihren Geist, die sich ihrer Kontrolle entzogen. Ihre Begabung bestand darin, Stimmen, Sprachen und Absichten zu lesen. Gerade deshalb wurde sie für eine Macht wertvoll, die aus jedem Vertrauen eine Schwachstelle machen wollte.
Zwischen Sturmwind und der Horde
Garona begleitete die Horde nach Azeroth und bewegte sich zwischen ihren Anführern und den Menschen Sturmwinds. Sie arbeitete mit Khadgar zusammen und gewann das Vertrauen von König Llane. Auch Medivh ließ sie näher an sich heran, obwohl seine eigenen Geheimnisse längst größer waren als alles, was Garona über ihn wissen konnte.
Diese Nähe war kein einfacher Ausweg. Gul'dans Zwang blieb bestehen. Als Sturmwind im Ersten Krieg unterging, ermordete Garona Llane mit den Königsmördern. Der Mord half der Horde, doch er war nicht ihre frei gewählte Tat. Er zeigt, wie gründlich der Schattenrat Menschen in Werkzeuge verwandelt hatte: Selbst eine Beziehung, die Garona wichtig war, wurde zum Hebel gegen sie.
Flucht vor jedem Herrn
Nach Medivhs Tod lag Gul'dan im Koma, während Orgrim Schicksalshammer den Schattenrat zerschlug. Orgrims Krieger nahmen Garona gefangen und folterten sie, um die Verstecke des Rats zu erfahren. Wieder versuchte eine Macht, aus ihrem Körper und ihren Erinnerungen Besitz zu machen. Garona entkam, doch sie konnte nicht sicher sein, welche Befehle noch in ihr wirkten.
Die alten Zwänge wurden später erneut gegen sie eingesetzt. Garona geriet in die Konflikte um den Schattenhammer, suchte Hilfe bei Menschen, die ihre Vergangenheit kannten, und kämpfte schließlich gegen jene Organisation, die sie einst geformt hatte. Sie wurde nicht dadurch unschuldig, dass andere sie benutzt hatten. Aber sie blieb auch nicht auf die Rolle festgelegt, die Gul'dan für sie vorgesehen hatte.
Eine Klinge mit eigener Wahl
Während der Legioninvasion schloss sich Garona den Ungekrönten an, dem Bündnis aus Assassinen und Spionen. Dort war sie noch immer eine gefährliche Kämpferin, doch Ziel und Auftrag wurden nicht länger heimlich in ihren Geist gelegt. Diese Freiheit löscht den Mord an Llane nicht aus. Sie gibt ihrer späteren Geschichte aber einen anderen Mittelpunkt: die Entscheidung, wofür sie ihre Fähigkeiten einsetzen will.
Garona steht daher weder nur für Verrat noch nur für Erlösung. Sie zeigt, was mit einem Menschen geschieht, dem Herkunft, Körper und Wille immer wieder von anderen zugeteilt werden. Ihre stärkste Tat ist nicht, dass sie nie gefallen wäre, sondern dass sie nach allem noch unterscheiden konnte, welcher Befehl nicht ihrer war.