Der Mann, der Karazhan bewohnbar hielt
Moroes kannte Karazhan lange bevor der Turm zum Sinnbild von Medivhs Fall wurde. Er war mit Aegwynn befreundet und blieb bei ihrem Sohn, als Medivh die abgelegene Festung zu seinem Wohnsitz machte. Als Kastellan regelte er den Haushalt, empfing Besucher und sorgte dafür, dass ein Ort voller Magie wenigstens nach außen wie ein bewohntes Haus funktionierte. Seine Loyalität war nicht blind. Er hielt Aegwynns selbstgewählte Entfernung von der Welt für gefährlich und erkannte früh, dass auch Medivhs Einsamkeit ihn veränderte.
Darum riet Moroes seinem Herrn, Gäste aus den umliegenden Ländern einzuladen. Gesellschaft, hoffte er, könne Medivh aus der Isolation lösen. Eine Zeit lang schien das zu gelingen. Karazhan wurde zum Schauplatz großer Feste, und Medivhs Stimmung besserte sich. Moroes tat damit genau das, was ein guter Verwalter tun sollte: Er versuchte, nicht nur Mauern und Vorräte, sondern auch den Menschen im Mittelpunkt des Hauses zusammenzuhalten.
Visionen, Scheuklappen und eine wachsende Angst
Karazhan ließ jedoch keinen Bewohner unberührt. In seinen Hallen erschienen Bilder möglicher Zukünfte, und Moroes sah Ereignisse voraus, die er trotz aller Vorsicht nicht verhindern konnte. Um den Visionen zu entkommen, trug er Scheuklappen wie ein Pferd. Das wirkte sonderbar, war aber der Versuch eines erschöpften Mannes, seinen Alltag gegen einen Turm zu verteidigen, der ihm ständig zeigte, was geschehen könnte.
Als Khadgar nach Karazhan kam, begegnete er deshalb keinem gewöhnlichen Butler. Moroes war höflich und zuverlässig, zugleich aber von jahrelanger Wachsamkeit ausgehöhlt. Er wusste, dass mit Medivh etwas nicht stimmte, ohne die ganze Wahrheit über Sargeras zu kennen. Als Khadgar und Garona schließlich vor Medivh warnten, wollte Moroes den Turm dennoch nicht verlassen. Karazhan war sein Dienstort, sein Zuhause und der einzige Platz, den er noch besaß.
Der letzte Dienst endet nicht
Medivh tötete Moroes während seines endgültigen Zusammenbruchs. Der Kastellan wurde außerhalb Karazhans bei Morgans Grundstück begraben, doch der Tod löste ihn nicht aus dem Dienst. Später stand er wieder im Bankettsaal. Um ihn saßen die Geister alter Gäste, und er empfing Eindringlinge mit derselben Mischung aus Förmlichkeit und tödlicher Entschlossenheit, mit der er früher ein Fest geordnet hatte.
Moroes wusste, dass er untot war. Er bemerkte auch, dass er nach jeder Niederlage erneut erwachte, kannte aber die Macht nicht, die ihn zurückbrachte. Am liebsten hätte er endgültig sterben dürfen. Weil ihm selbst dieser Wunsch verwehrt blieb, machte er weiter, polierte Böden, deckte Tische und hielt an einer Pflicht fest, die längst keinen lebenden Herrn mehr hatte.
Ein Diener, der Freiheit lernen musste
Viele Jahre später wurde Moroes noch einmal mit der Wahrheit über Medivhs Tod konfrontiert. Sein Körper blieb an den Turm gebunden, doch sein Geist konnte entscheiden, wem und weshalb er dienen wollte. Darin liegt das Tragische und zugleich Menschliche seiner Geschichte: Moroes war nie wegen Macht in Karazhan geblieben. Seine besten Eigenschaften, Treue und Pflichtgefühl, wurden durch den Fluch des Turms zu Fesseln.
Er ist deshalb mehr als der Wächter eines Bankettsaals. An Moroes lässt sich erkennen, wie Karazhan Menschen festhält, indem es ihre vertrautesten Rollen bewahrt. Der Haushofmeister überlebte seinen Herrn, seinen Haushalt und sogar seinen eigenen Tod, weil niemand den letzten Befehl aufgehoben hatte.