Tiefer als der alte Hort
Der Pechschwingenabstieg liegt im Herzen des Schwarzfelsens, unter jenen Hallen, in denen Nefarian bereits als Herr des Pechschwingenhortes experimentiert hatte. Nach seiner Niederlage zog er sich nicht aus der Welt zurück. Todesschwinge belebte seinen Sohn wieder, und Nefarian grub sich tiefer in den Berg. Aus der gescheiterten Festung wurde ein abgeschottetes Labor.
Der Schwarzfels war dafür der passende Ort. Feuer, Erz und alte Zwergenanlagen boten Werkstätten; oberhalb stritten Orcs, Dunkeleisenzwerge und Elementare seit Jahren um Macht. Im Inneren konnte Nefarian Körper verschwinden lassen, Drachenbrut züchten und die Grenzen zwischen Leben, Tod und Magie verschieben, ohne dass das Leid seiner Versuche das Tageslicht erreichte.
Wissenschaft ohne Mitgefühl
Nefarian besaß wirkliche Gelehrsamkeit. Er verstand die Eigenschaften verschiedener Drachenschwärme und wollte sie in einem neuen, chromatischen Schwarm vereinen. Im Pechschwingenabstieg setzte er diese Arbeit mit noch geringerer Zurückhaltung fort. Für ihn war ein lebendes Wesen kein Gegenüber, sondern eine Anordnung nützlicher Merkmale.
Magmaul wurde mit mechanischen Vorrichtungen gebunden, Omnotron-Konstrukte bewachten die Anlage, und Maloriak verband alchemistische Fähigkeiten mit der Rücksichtslosigkeit seines Herrn. Atramedes, ein blinder Drache, war das Ergebnis misslungener Experimente und hatte gelernt, Beute über Geräusche zu finden. Jeder Bewohner des Labors erzählte auf andere Weise, was geschieht, wenn Neugier nicht mehr fragt, welches Leid sie erzeugt.
Chimaeron und die Grenzen des Körpers
Chimaeron bestand aus Teilen, die nie zu einem natürlichen Wesen gehört hatten. Nefarian hatte einen zweiköpfigen Drachen als lebendes Gemisch geschaffen und hielt ihn angekettet. Der Körper war stark genug, selbst schwerste Verletzungen zu überstehen, aber seine Existenz diente nur dem Beweis, dass der Schöpfer Grenzen überschreiten konnte.
Die Hallen machen dadurch die Sprache des Fortschritts verdächtig. Nefarian nennt jedes Ergebnis Erkenntnis, auch wenn das Geschöpf darunter keinen eigenen Willen mehr besitzt. Erfolg und Fehlschlag unterscheiden sich nur danach, ob eine Waffe funktioniert. Das Leben, aus dem sie gebaut wird, kommt in dieser Rechnung nicht vor.
Onyxias zweite Entweihung
Nefarians größter Triumph war für ihn die Wiederbelebung seiner Schwester Onyxia. Ihr Tod in ihrem Hort hatte ihren politischen Einfluss in Sturmwind beendet. Im Pechschwingenabstieg setzte Nefarian ihren verstümmelten Leib neu zusammen und zwang ihn an seine Seite. Selbst familiäre Bindung wurde zum Besitzanspruch.
Als Azeroths Streiter Nefarian erreichten, erhob sich Onyxia nicht aus eigener Entscheidung. Elektrische Energie und dunkle Magie hielten sie im Kampf. Bruder und Schwester fielen erneut. Später zerstörte Wrathion ihre verbliebenen Reste, damit N'Zoths Diener die Körper des schwarzen Drachenschwarms nicht noch einmal benutzen konnten.
Neltharions Erbe im Kleinen
Der Pechschwingenabstieg spiegelt Todesschwinges größeres Vermächtnis. Neltharion hatte als Erdwächter Leben schützen sollen und begann schließlich, Dracheneier, Dracthyr und ganze Schwärme als Werkzeuge zu behandeln. Nefarian erbte diese Haltung. Seine besondere Grausamkeit bestand nicht in blinder Zerstörung, sondern in geduldiger, genauer Verbesserung dessen, was er zuvor gebrochen hatte.
Darum ist der Ort mehr als ein weiterer Hort voller Monster. In seinen Kammern stehen Erkenntnis und Achtung voreinander wie ungleiche Gegner. Nefarian beweist, wie weit Verstand ohne Mitgefühl gelangen kann. Die zerstörten Experimente beweisen etwas anderes: Ein Körper lässt sich zusammensetzen, eine Seele jedoch nicht zur Formel verkürzen. Was im Pechschwingenabstieg erschaffen wurde, war mächtig. Leben durfte es nach dem Willen seines Schöpfers nie wirklich sein.