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Der Gefrorene Thron
Welt

Der Gefrorene Thron

Ein Gefängnis aus fremdem Eis, das zum Sitz des Lichkönigs wurde und die Geschichte von Ner'zhul, Arthas, Bolvar und Sylvanas miteinander verband.

Ein Kerker fällt vom Himmel

Der Gefrorene Thron war niemals als Thron gedacht. Am Anfang stand ein Gefängnis, hart wie Diamant und kalt wie die Leere zwischen den Welten. Nachdem Draenor zerbrochen war, fing Kil'jaeden den fliehenden Ner'zhul ab. Der ehemalige Schamane hatte geglaubt, seinem dämonischen Herrn entkommen zu können; stattdessen wurde sein Körper vernichtet, sein Geist gedehnt, gefoltert und an eine Rüstung sowie die Runenklinge Frostgram gebunden. Die Nathrezim schlossen dieses neue Wesen in einen Block aus Eis ein. Als der Kristall über Nordend niederging und tief in den Eiskronengletscher schlug, nahm seine zerborstene Form die Gestalt eines Sitzes an. So wurde aus einem Kerker der Gefrorene Thron und aus Ner'zhul der erste Lichkönig.

Unter dem Eis lernte Ner'zhul, eine Welt zu berühren, die er nicht betreten konnte. Seine Gedanken glitten über Nordend hinaus, suchten Ehrgeizige, Enttäuschte und Wissenshungrige. Kel'Thuzad folgte diesem Ruf bis an den Fuß des Thrones und kniete dort vor einer Macht, die ihm Unsterblichkeit versprach. Aus diesem Bund wuchsen der Kult der Verdammten und die Seuche des Untodes. Der Gefrorene Thron blieb fern von Lordaerons Kornfeldern, doch sein Wille reichte bis in jedes verseuchte Dorf. Er war der unsichtbare Mittelpunkt eines Krieges, lange bevor die ersten Armeen der Geißel offen marschierten.

Der Weg des Prinzen

Ner'zhul brauchte einen Körper, einen Feldherrn und schließlich einen Nachfolger. Aus dem Eis seines Gefängnisses löste er Frostgram und legte die Klinge wie einen Köder in den Schnee. Arthas Menethil fand sie, weil er bereit war, für die Rettung seines Volkes alles zu opfern, auch jenen Teil seiner selbst, der noch wusste, wann ein Preis zu hoch war. Mit jedem Schritt des gefallenen Prinzen rückte der Thron näher, obwohl Arthas zunächst in die entgegengesetzte Richtung zog: nach Lordaeron, Quel'Thalas und Dalaran, durch Reiche, die unter seiner neuen Macht zerbrachen.

Nach der Niederlage der Brennenden Legion wollte Kil'jaeden den ungehorsamen Lichkönig vernichten. Illidan Sturmgrimm griff den Thron mit einer gewaltigen Zauberwirkung an und ließ das Eis bersten. Durch den Riss verlor Ner'zhul seine Kraft; zugleich lockerte sich sein Griff um Teile der Geißel, und Untote wie Sylvanas Windläufer gewannen ihren eigenen Willen zurück. Arthas eilte nach Nordend. Am Fuß der Eiskronenzitadelle besiegte er Illidan, stieg allein die lange Treppe hinauf und stand schließlich vor dem Geist, der ihn seit Frostgram geführt hatte. Mit einem Schlag zerschmetterte er das Eis, setzte den Helm der Dominanz auf und verband seine Seele mit Ner'zhul. Erst in diesem Augenblick wurde der Gefrorene Thron zu einem wirklichen Herrschersitz.

Eine Krone, die niemand tragen sollte

Jahre saß Arthas reglos über der Welt, während in seinem Inneren ein Kampf um die Herrschaft tobte. Als er erwachte, war vom Prinzen kaum mehr als Erinnerung übrig. Die Eiskronenzitadelle wuchs um den Thron wie eine Rüstung aus Stein, Knochen und Frost. Von dort aus lenkte der Lichkönig seine Heere, sammelte die Toten seiner Feinde und wartete darauf, dass Azeroths stärkste Streiter zu ihm kamen. Sein Plan endete auf der Plattform des Thrones: Tirion Fordrings Licht zerbrach Frostgram, die darin gefangenen Seelen wandten sich gegen ihren Peiniger, und Arthas starb wieder als sterblicher Mann in den Armen seines Vaters.

Doch der Sieg brachte keine Freiheit. Ohne einen Willen, der die Geißel band, drohten zahllose Untote über die Lebenden herzufallen. Bolvar Fordragon, von Drachen__feür__ gezeichnet und durch Arthas' Folter nicht gebrochen, nahm den Helm an sich. Er ließ sich im Eis einschließen und wurde zum Wärter einer Macht, die er niemals begehrt hatte. Der Thron war damit erneut, was er zu Beginn gewesen war: ein Gefängnis, nur dass der Gefangene diesmal freiwillig blieb, um andere zu schützen.

Als Sylvanas Windläufer Jahre später zurückkehrte, stand sie vor dem Ort, an dem ihre Verdammnis ihren Ursprung hatte. Sie besiegte Bolvar, riss ihm den Helm ab und zerbrach ihn. Der Riss, der daraufhin den Himmel über der Eiskrone öffnete, führte in die Schattenlande. Der Gefrorene Thron blieb leer zurück. Seine Geschichte endete nicht mit einem neuen König, sondern mit der Zerstörung jener Krone, die aus jedem Träger einen Gefangenen gemacht hatte. Im Eis blieb nur die Erinnerung daran, wie leicht ein Sitz der Macht und ein Kerker dasselbe werden können.