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Der Hasenbau
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Der Hasenbau

Der Hasenbau war das Zentrum einer alten Koboldgesellschaft in den Schallenden Tiefen. Unter dem Kerzenkönig wurde die Stadt zum Sinnbild von Zwang und Angst, bis Skitter und der Stamm der Flinkdochte sich gegen ihn erhoben.

Die Stadt unter den Schallenden Tiefen

Östlich der großen irdenen Siedlungen lag in den Schallenden Tiefen eine Stadt, die viele Bewohner Khaz Algars lange nur als Ansammlung dunkler Höhlen wahrnahmen. Für die Kobolde war Der Hasenbau jedoch weit mehr. Skitter erinnerte sich an einen Ort, der groß gewesen war, bevor der Kerzenkönig und seine Schläger ihn an sich rissen. Gänge verbanden Wohnstätten, Vorratskammern und Werkplätze; Kerzen spendeten nicht nur Licht, sondern standen für Sicherheit in einer Welt, in der Dunkelheit mit ganz realen Gefahren verbunden war. Aus der Gewohnheit, eine Flamme zu schützen, war über Generationen eine ganze Kultur entstanden.

Diese Kultur wirkte auf Außenstehende oft kindlich oder abergläubisch. Für die Kobolde selbst war die Kerze ein Versprechen. Wer Licht besaß, konnte Wege finden, Schatten beobachten und die Wesen fernhalten, die sich in unbeleuchteten Stollen bewegten. Deshalb wog die Herrschaft über Wachs und Dochte beinahe so schwer wie die Herrschaft über Nahrung oder Erz. Derjenige, der Kerzen verteilte, entschied darüber, wer arbeiten, reisen oder sich in Sicherheit zurückziehen konnte. In Der Hasenbau wurde aus diesem Bedürfnis nach Schutz schließlich ein Werkzeug der Unterwerfung.

Der Kerzenkönig macht Schutz zu Gehorsam

Der Kerzenkönig trat nicht als Beschützer auf, der gemeinsam mit seinem Volk eine Gefahr abwehrte. Er beanspruchte die Flammen für sich und ließ andere Kobolde für seine Ordnung schuften. Seine Leute übernahmen die Stadt, kontrollierten ihre Vorräte und zwangen die Bewohner in Minen und Werkstätten. Was einst Gemeinschaft gestiftet hatte, wurde zur Begründung seiner Macht: Nur wer gehorchte, durfte hoffen, nicht im Dunkeln zurückzubleiben. Der König brauchte keine komplizierte Verwaltung. Angst, Kerzenknappheit und eine Gruppe bewaffneter Anhänger genügten, um eine ganze Stadt gefügig zu machen.

Viele Kobolde verließen Der Hasenbau oder wurden in entlegene Stollen gedrängt. Andere passten sich an, weil offener Widerstand den Verlust der eigenen Flamme und damit womöglich den Tod bedeutete. Der Stamm der Flinkdochte gehörte zu jenen Gruppen, die sich der völligen Unterwerfung entzogen. Seine Anführerin Skitter war weder eine große Feldherrin noch eine gelehrte Politikerin. Sie kannte Hunger, Gefangenschaft und die ständige Suche nach einem sicheren Platz. Gerade deshalb verstand sie, was der Kerzenkönig seinem Volk genommen hatte: nicht nur eine Stadt, sondern die Möglichkeit, ohne seine Erlaubnis füreinander zu sorgen.

Skitter kehrt mit Flugblättern zurück

Skitter begegnete Sprecherin Brinthe zunächst in den Verlorenen Minen, wo sie gefangen gehalten wurde. Brinthe gehörte zu den Irdenen und war damit Teil einer Gesellschaft, die Kobolde lange eher als lästige Grubenbewohner denn als Nachbarn betrachtet hatte. Trotzdem hörte sie Skitter zu. Aus dieser ungewöhnlichen Begegnung entstand ein Bündnis. Gemeinsam kundschafteten sie Der Hasenbau aus und suchten nach einem Weg, die Bewohner zu erreichen, ohne sie sofort in einen aussichtslosen Kampf zu treiben.

Ihre Antwort waren Flugblätter. Die Idee mochte in einer von Angst beherrschten Stadt unscheinbar wirken, doch sie richtete sich gegen den wichtigsten Vorteil des Kerzenkönigs: seine Behauptung, Widerstand sei unmöglich und jeder Kobold stehe allein. Skitter und Brinthe verteilten Botschaften, warnten vor den Lügen des Herrschers und erinnerten die Bewohner daran, dass die Stadt ihnen gehört hatte, bevor seine Schläger kamen. Nicht jeder schloss sich sofort an. Manche fürchteten Vergeltung, andere hatten sich an die bestehende Ordnung gewöhnt. Doch aus vereinzeltem Unmut wurde allmählich eine Bewegung.

Die Kerzenkrone und ein neues Zuhause

Als der Widerstand wuchs, verlor der Kerzenkönig die Kontrolle über jene, die er bisher durch Furcht getrennt hatte. Seine Niederlage in Der Hasenbau beendete die Gefahr nicht endgültig; er floh und sollte später in der Dunkelflammenschlucht erneut versuchen, Macht über Kobolde und ihre Flammen zu gewinnen. Skitter und ihre Verbündeten konnten jedoch die Kerzenkrone zurückholen, jenes Zeichen, mit dem der König seinen Anspruch auf alle Lichter der Stadt verbunden hatte. In Skitters Händen bedeutete die Krone nicht, dass nun lediglich eine neue Tyrannin an seine Stelle trat. Sie wurde zum Beweis, dass seine Herrschaft gebrochen werden konnte.

Der Hasenbau blieb von Zwangsarbeit, Flucht und Kämpfen gezeichnet. Der Stamm der Flinkdochte zog schließlich nach Gundargaz und fand dort unter den Irdenen einen Platz. Skitter schloss sich der Versammlung der Tiefen an, in der Irdene, Maschinenredner und nun auch Kobolde über die Zukunft ihrer Heimat berieten. Damit reichte die Geschichte der Stadt weit über ihre Höhlen hinaus. Eine Anführerin, die dort beinahe alles verloren hatte, vertrat ihr Volk später an einem gemeinsamen Tisch. Der Hasenbau war nicht einfach gerettet und wiederhergestellt worden. Sein Fall zwang die übrigen Bewohner Khaz Algars dazu, Kobolde erstmals als ein Volk mit eigener Geschichte, eigener Politik und einem Recht auf Sicherheit zu sehen.