Ein Klan vor dem Verschwinden
Der Blutende-Höhlen-Klan lebte im gefährlichen Tanaandschungel. Arakkoa, Raubtiere und eine Landschaft, die jeden schwachen Fehler bestrafte, drängten den Klan zurück. Kilrogg sah seinen Vater an einer Führung festhalten, unter der immer mehr Angehörige starben. Für ihn wurde Geduld nicht zu Weisheit, sondern zum langsamen Einverständnis mit dem Untergang.
Nach alter Sitte trat Kilrogg in ein Ritual, das ein Auge und die Gewissheit des eigenen Todes verlangte. Er schnitt sein linkes Auge heraus und sah ein mögliches oder vorherbestimmtes Ende auf einem Schlachtfeld gegen die Allianzexpedition. Zugleich sah er den Klan wieder erstarken. Nach der Vision tötete er seinen Vater und nahm die Führung an sich. Von da an konnte jede Gefahr kleiner wirken als der Tod, den er bereits zu kennen glaubte.
Stärke ohne Furcht vor dem Ende
Kilrogg führte die Blutenden Höhlen aus ihrer Bedrängnis und gewann den Ruf eines geduldigen, listigen Häuptlings. Seine Einäugigkeit war keine erlittene Verstümmelung, sondern sichtbares Zeichen des Rituals. Andere sahen darin Furchtlosigkeit. Tatsächlich hatte er die Furcht nicht verloren; er hatte ihr einen festen Ort am Ende seines Weges gegeben.
Ner'zhul hetzte die Klans zunächst gegen die Draenei auf; später schmiedete Gul'dan sie unter dem Schattenrat zur Horde. Kilrogg schloss sich diesem Krieg an. Er trank Mannoroths Blut und führte Krieger durch das Dunkle Portal. Die Gewissheit seines persönlichen Endes schützte ihn nicht vor falscher Führung. Wer glaubt, den eigenen Tod zu kennen, kann andere Gefahren unterschätzen: Verderbnis, die verlorene Freiheit eines Volkes und die Leben, die lange vor dem vorhergesehenen Augenblick geopfert werden.
Die Kriege auf Azeroth
Im Ersten Krieg zogen Kilrogg und sein Klan bis ins Schlingendorntal. Der Dschungel erinnerte sie an Tanaan, und sie wollten Teile davon für sich beanspruchen. Nach Sturmwinds Fall gehörten die Blutenden Höhlen zu den erfahrensten Kräften der Horde. Im Zweiten Krieg führte Kilrogg seine Krieger weiter unter Orgrim.
Die Niederlage am Dunklen Portal trennte viele Orcs voneinander. Kilrogg entkam der Gefangenschaft und kehrte nach Draenor zurück. Seine Zähigkeit hielt den Klan zusammen, doch der Sieg, den das Augenritual versprochen hatte, war längst zweideutig geworden. Der Klan bestand fort, während Heimat, Freiheit und Zukunft der Orcs unter den Entscheidungen anderer Häuptlinge zerfielen.
Ner'zhuls letzte Portale
Auf Draenor folgte Kilrogg Ner'zhul, der mit erbeuteten Artefakten neue Portale öffnen wollte. Er unterstützte einen Plan, der Flucht und Eroberung miteinander vermischte. Als die Portale die Welt zerrissen, blieb Kilrogg nicht im sterbenden Tanaan. Er zog mit Ner'zhul und Teron Blutschatten weiter.
Der Weg führte durch Auchindoun. Selbst Kilrogg fürchtete die Geister der zerstörten draenischen Totenstadt. Dort stellte Danath Trollbann ihn zum Zweikampf. Der alte Häuptling erkannte den Augenblick seiner Vision und wich ihm nicht aus. Danath tötete ihn. Das geopferte Auge hatte ihm den Tod gezeigt, aber nicht, wie viele Entscheidungen ihn dorthin führten und wie viel von Draenor bei seiner Ankunft bereits verloren sein würde.
Totauge und sein anderes Spiegelbild
Kilroggs Sohn Jorin trug den Klan weiter. Spätere Orcs erinnerten sich an den Häuptling als Zeichen unerschütterlicher Zähigkeit. Sein Name wurde in Zaubern, Orten und Klanerzählungen bewahrt. Dabei kann leicht die andere Zeitlinie dazwischentreten, in der ein weiterer Kilrogg auf alternativem Draenor Gul'dans Dämonenblut trank und in der Höllenfeuerzitadelle fiel.
Der Kilrogg der Hauptzeitlinie starb nicht dort. Seine Geschichte endete in Auchindoun durch Danath. Diese Trennung ist mehr als eine redaktionelle Genauigkeit. Beide Gestalten zeigen unterschiedliche Wege derselben Anlage: Der eine folgte der alten Horde bis zu Ner'zhuls zerrissener Welt, der andere der Eisernen Horde bis zur Legion. In beiden Fällen machte das Wissen um den eigenen Tod Mut möglich, aber keine Weisheit. Eine Vision kann Furcht ordnen; sie kann niemandem die Verantwortung für den Weg abnehmen.