Der goldene Loa der Könige
Lange bevor Rastakhan den Thron bestieg, stand Rezan für die Würde zandalarischer Herrschaft. Der gewaltige Teufelssaurier war kein höfischer Schmuck und kein bloßes Zeichen auf einem Banner. Könige suchten seinen Segen, weil seine Gegenwart Stärke, Entschlossenheit und den Anspruch verkörperte, ein Reich nicht nur zu besitzen, sondern vor dem Zerfall zu bewahren. In Atal'Dazar, zwischen Gräbern und goldenen Stufen, wurde sein Name mit der Fortdauer einer Dynastie verbunden.
Diese Verbindung machte Rezan mächtig, aber sie band ihn auch an die Fehler der Krone. Rastakhan herrschte über ein uraltes Reich, dessen Glanz ihn lange glauben ließ, Zeit allein werde jede Gefahr überdauern. Rezan konnte Kraft verleihen, doch er konnte dem König die Entscheidung nicht abnehmen, sie rechtzeitig einzusetzen. Zwischen Loa und Herrscher bestand daher kein bequemes Versprechen ewigen Erfolgs. Es war eine Pflichtgemeinschaft, deren Versäumnisse beide treffen würden.
Talanjis Ruf über dem Meer
Prinzessin Talanji begegnete Rezan nicht als fernem Symbol. Als sie mit Zul aus dem Verlies von Sturmwind floh, rief sie den Loa an, und seine Macht half dem zandalarischen Schiff, den Verfolgern zu entkommen und die lange Strecke nach Zuldazar zu überwinden. In dieser Flucht zeigte sich bereits, wem die Zukunft des Reiches gehören könnte. Während Rastakhan im Palast zögerte, handelte seine Tochter und trug Rezans Segen mitten durch feindliche Gewässer.
Doch Zul war nicht der treue Prophet, als den Rastakhan ihn einst gebraucht hatte. Er brachte Aufruhr in die Hauptstadt und verbündete sich mit G'huun. Als der König schwer verwundet wurde, hielt Bwonsamdi seine Seele fest. Rezan riss sie dem Loa des Todes wieder aus den Händen. Der Sieg dauerte nur einen Augenblick: Bwonsamdi warnte Rastakhan, dass sie einander wiedersehen würden. Hinter dem goldenen Glanz öffnete sich bereits die Schuld, die später Talanjis Erbe belasten sollte.
Der König muss endlich aufstehen
Zuls Anhänger griffen Rezans Tempel an und versuchten, dem Loa seine Macht zu entreißen. Befreit von Talanji und ihren Verbündeten, trat Rezan Rastakhan nicht mit schmeichelnder Ehrfurcht entgegen. Er verlangte, der König solle seine Selbstzufriedenheit ablegen, sein Reich verteidigen und Zul zur Verantwortung ziehen. Der Loa der Könige schützte also nicht das Recht eines Herrschers, untätig zu bleiben. Er erinnerte ihn an die Arbeit, aus der dieses Recht überhaupt erst hervorging.
Rastakhan sammelte sich und zog gegen die Verräter. Für kurze Zeit schien die alte Verbindung wieder zu tragen: ein König, seine entschlossene Tochter und der Loa, dessen Kraft hinter ihnen stand. Doch der Weg führte nach Atal'Dazar, an jenen Ort, an dem die Vergangenheit der Dynastie begraben lag. Dort wartete nicht nur Zul, sondern die Erkenntnis, dass ein zu lange geduldeter Verrat nicht mehr ohne furchtbaren Preis beendet werden konnte.
Tod und Entweihung in Atal'Dazar
Rezan führte den Angriff, doch Zul tötete ihn mit dunkler Magie. Mit seinem Sturz verlor Rastakhan die Macht, die sein Alter zurückgehalten hatte, und spürte die vergangenen Jahre in den eigenen Knochen. Verzweifelt ging er jenen Handel mit Bwonsamdi ein, vor dem Rezan ihn nicht mehr schützen konnte. Der Tod des Loas war damit mehr als der Verlust eines Verbündeten. Er verschob die geistige Ordnung Zandalaris und band die Königsfamilie an eine neue, gefährliche Macht.
Selbst Rezans Leib durfte nicht ruhen. Seine verbleibende Essenz wurde benutzt, um den alten König Dazar zu erheben, und der tote Loa wurde als verdorbene Kreatur gegen Eindringlinge gewandt. In Atal'Dazar musste zerstört werden, was einst angebetet worden war. Die Entweihung traf den Kern seines Vermächtnisses: Zuls Krieg machte aus dem Beschützer der Dynastie ein Werkzeug gegen jene Welt, der er über Zeitalter Stärke gegeben hatte.
Die letzte Glut für Vol'jin
Rezans Seele gelangte wegen der beschädigten Ordnung des Todes in den Schlund. Mawsworn hielten und quälten ihn, bis Vol'jin und Verbündete ihn fanden. Eine Rückkehr war nicht mehr möglich. Rezan erkannte, dass die eigene Kraft verging, während Vol'jins Seele auf eine neue Bestimmung zuging. Statt an seinem Rang festzuhalten, übertrug er die letzte Essenz auf den ehemaligen Kriegshäuptling.
Damit endete der Loa der Könige in einer Handlung, die größer war als königlicher Stolz. Er wählte keinen Zandalari, beanspruchte keine Fortsetzung unter seinem eigenen Namen und verlangte keine Wiederherstellung der alten Ordnung. Er gab, was von ihm blieb, einer Trollseele, die zwischen Tod und möglicher Erneuerung stand. Rezan konnte Zandalar nicht mehr selbst führen oder schützen. Doch seine letzte Tat bewahrte die Möglichkeit, dass Stärke in anderer Gestalt zurückkehrt und einem Volk dient, das erst noch lernen muss, welchen Namen es dieser Hoffnung geben wird.