Ein Tauren, der den Elementen zuhört
Muln Erdenwut wuchs in einer Kultur auf, in der Schamanismus kein Werkzeugkasten aus Feuer, Erde, Wasser und Luft war. Die Tauren baten die Elemente um Hilfe, hörten auf ihre Antworten und akzeptierten, dass eine Bitte auch abgelehnt werden konnte. Als Muln zum Hochschamanen und schließlich zum Anführer des Irdenen Rings aufstieg, trug er deshalb nicht nur Macht, sondern eine alte Grenze: Ein Schamane durfte mit den Elementen handeln, sie aber nicht wie Sklaven behandeln.
Der Irdene Ring verband Schamanen verschiedener Völker. Orcs, Tauren, Draenei, Trolle und andere brachten eigene Erinnerungen und Brüche mit. Besonders die Geschichte der Orcs war für Muln eine Warnung. Viele von ihnen hatten auf Draenor den Kontakt zu den Elementen verloren und sich der Magie der Brennenden Legion zugewandt. Thrall und Drek'Thar hatten den alten Weg wiedergefunden, doch die Versuchung blieb bestehen, Macht zu erzwingen, sobald Geduld zu langsam erschien.
Shotoas Versprechen
Als die Elemente unruhig wurden und ihre Antworten ausblieben, erschien ein Tauren namens Shotoa. Er behauptete, vor Jahrhunderten von den Elementen gerettet worden zu sein, und bot dem Irdenen Ring eine schnellere Form des Schamanismus an. Statt zu bitten, sollten die Schamanen befehlen. Seine Methode wirkte. Wo Mulns Gefährten um Hilfe rangen, brach Shotoa Wirbelstürme und zwang elementare Kräfte in die gewünschte Richtung. Einige sahen darin die notwendige Erneuerung eines überholten Glaubens.
Auch Mulns Schülerin Kettara Blutdurst folgte Shotoa. Muln hielt sie nicht mit Gewalt zurück. Er suchte Rat bei Thrall und dem alternden Drek'Thar, doch ihre Antworten nahmen ihm die Entscheidung nicht ab. Erst eine Vision enthüllte, dass Shotoa nicht von Azeroths Lebensgeist bewahrt worden war. Das Feuer, das ihn trug, stammte aus Ragnaros' Macht. Hinter seiner Lehre stand der Versuch, den Irdenen Ring zu spalten und Schamanen an die Herrschaft statt an das Gleichgewicht zu gewöhnen.
Der Preis von Kettaras Tod
Muln verfolgte Shotoa nach Feralas. Dort gerieten dessen Anhänger in einen Hinterhalt der Grimmtotem. Kettara wurde von einem Erdelementar festgehalten, und Shotoa versprach Muln die Rettung seiner Schülerin, wenn er endlich seinen Willen über das Wesen stellte. Muln versuchte zunächst weiterhin, die Elemente um Hilfe zu bitten. Als Kettara getötet wurde, drohte seine Trauer genau jene Grenze einzureißen, die er verteidigt hatte.
Er besiegte Shotoa, indem er Luft, Wasser und Erde nicht zwang, sondern ihnen erklärte, dass auch sie unter dessen Herrschaft ihre Freiheit verlieren würden. Die Elemente handelten gemeinsam, und Muln zerschlug den Feuergeist. Kettara konnte er dennoch nicht retten. Bei ihrer Bestattung versprach er, den alten Weg nicht aufzugeben. Seine Entscheidung war nun keine bequeme Treue zur Tradition mehr. Er wusste, wie verführerisch Zwang wirkte, wenn ein geliebter Mensch in Gefahr war, und welche Schuld blieb, wenn selbst der richtige Weg keinen guten Ausgang bot.
Am Mahlstrom und in Tiefenheim
Als Todesschwinge aus Tiefenheim hervorbrach, riss der Mahlstrom weiter auf und bedrohte die Stabilität Azeroths. Der Irdene Ring trat aus dem Schatten einzelner Clans und wurde zu einer der wichtigsten Kräfte gegen den Kataklysmus. Muln arbeitete mit Thrall, Aggra und Nobundo daran, die elementaren Mächte zu beruhigen und den Riss zwischen den Ebenen einzudämmen. Die Krise bestätigte, warum der Ring nie bloß einer Fraktion gehören durfte: Feuer, Wasser, Erde und Luft hielten sich an keine Grenze zwischen Horde und Allianz.
Muln reiste nach Tiefenheim und half Therazane, der Steinmutter, gegen den Schattenhammer. Anschließend kämpften Schamanen und Druiden am Hyjal gegen Ragnaros' erneuten Angriff. Für Muln war dies eine Fortsetzung des alten Konflikts mit Shotoa in gewaltigerem Maßstab. Wieder versuchte Feuer, andere Elemente und sterbliche Diener zu unterwerfen. Der Unterschied war, dass der Irdene Ring diesmal geschlossen stand und seine Mitglieder gelernt hatten, wie leicht Verzweiflung als Abkürzung zur Macht verkauft werden konnte.
Ein Ring für eine verwundete Welt
Muln übergab die sichtbare Führung des Irdenen Rings später an Thrall, blieb jedoch einer seiner erfahrensten Schamanen. Während des Krieges gegen die Legion arbeitete er im Herz Azeroths und im Mahlstrom mit den Schamanenorden. Nach Sargeras' Angriff auf die Welt half er erneut, die elementaren Wunden zu verstehen. Seine Rolle bestand selten darin, allein den entscheidenden Schlag zu führen. Er hielt eine Gemeinschaft zusammen, deren Mitglieder aus Völkern kamen, die außerhalb des Rings oft gegeneinander kämpften.
Seine Geschichte erklärt, warum Schamanismus mehr als elementare Gewalt ist. Muln kennt Trauer, Zorn und die Versuchung, eine Antwort zu erzwingen. Gerade deshalb beharrt er auf Zustimmung. Der Irdene Ring kann nur dann glaubwürdig zwischen den Elementen und den Sterblichen vermitteln, wenn er beiden Seiten ein eigenes Recht zugesteht. Muln schützt Azeroth nicht, indem er die Welt zum Gehorsam zwingt, sondern indem er immer wieder versucht, ihre vielen Stimmen miteinander sprechen zu lassen.