Ein Vindiktor im roten Nebel
Nobundo diente den Draenei als Vindiktor des Lichts, als die Orcs Draenors über sein Volk herfielen. In einem Kampf hüllte der rote Nebel die Verteidiger ein. Die verderbte Seuche verformte die Überlebenden und schnitt viele von ihnen vom Licht ab. Nobundo wurde zu einem Krokul, von anderen Draenei als Gebrochener bezeichnet.
Der Verlust traf nicht nur seinen Körper und seine Magie. Sein bisheriges Selbstverständnis hatte auf der Antwort des Lichts geruht. Als diese Stimme schwieg, schien jede frühere Gewissheit ihn verlassen zu haben. Selbst Angehörige des eigenen Volkes wichen vor Krokul zurück, als sei die erlittene Verletzung ein Zeichen innerer Schuld.
Jahre ohne Antwort
Nobundo betete weiter. Er bat das Licht um Rückkehr, Vergebung oder wenigstens Erklärung. Jahre vergingen, ohne dass die vertraute Macht antwortete. Das Schweigen konnte als Verurteilung gelesen werden, und viele um ihn herum taten genau das. Nobundo blieb dennoch aufmerksam, auch als er nicht mehr wusste, worauf er warten sollte.
Schließlich hörte er den Wind. Die Elemente sprachen anders als das Licht. Sie verlangten nicht, dass er seine frühere Gestalt wiederherstellte, und boten keine Macht ohne Beziehung. Erde, Feuer, Wasser und Luft mussten gehört, gebeten und ins Gleichgewicht gebracht werden. Nobundo fand keine Ersatzreligion, die den Verlust ungeschehen machte. Er fand eine neue Art, in derselben verwundeten Welt zu stehen.
Der erste Schamane der Draenei
Nobundo lernte über Jahre und wurde zum ersten draeneiischen Schamanen. Als er Velen begegnete, brachte der Prophet ihn nach Telredor und hörte seine Lehre an. Velen erkannte, dass eine Antwort der Elemente nicht weniger wirklich war, nur weil sie einem Krokul gegeben worden war. Er unterstützte Nobundo dabei, willige Draenei zu unterrichten.
Nicht alle nahmen diese Veränderung leicht an. Für manche erinnerte Schamanismus an die Orcs, die ihr Volk vernichtet hatten. Doch die Elemente gehörten nie einem einzelnen Volk, und die Orcs hatten ihre eigene Beziehung zu ihnen ebenfalls verraten. Nobundo zeigte, dass eine missbrauchte Tradition nicht auf ihren Missbrauch reduziert werden darf. Draenei konnten schamanisches Zuhören lernen, ohne die Verbrechen der Horde zu vergessen.
Auf der Exodar und im Irdenen Ring
Nobundo kam mit den Draenei nach Azeroth und lehrte in der Exodar. Dort stand ein Krokul als Scharfseher vor Schülern, die ihn in einer früheren Zeit vielleicht gemieden hätten. Seine Anwesenheit veränderte damit nicht nur die magischen Fähigkeiten des Volkes. Sie zwang es, die Gebrochenen nicht länger als äußeren Rest der eigenen Tragödie zu behandeln.
Im Irdenen Ring arbeitete Nobundo mit Schamanen vieler Völker. Während des Kataklysmus half der Bund, die Wunden der Welt zu halten. In der Legionsinvasion wirkte Nobundo daran mit, die Elementarfürsten zu vereinen, und sah in einem neuen Scharfseher die Erfüllung einer alten Hoffnung. Seine Autorität entstand nicht aus Lautstärke, sondern aus der Geduld eines Mannes, der gelernt hatte, dass die wichtigste Stimme oft erst hörbar wird, wenn die erwartete schweigt.
Eine Wunde wird nicht zur Schande
Später traf Nobundo bei Feierlichkeiten wieder auf Krokul verschiedener Welten, darunter Akama und Hatuun. Ihre Erfahrungen waren nicht gleich, doch sie alle kannten ein Volk, das seine Verwundeten zu lange als peinliche Abweichung behandelt hatte. Nobundo stand dort nicht als geheilter Draenei. Seine Gestalt blieb die eines Krokul.
Genau darin liegt seine Bedeutung. Die Elemente machten ihn nicht wertvoll, indem sie ihn in den Zustand vor dem Nebel zurückführten. Sie antworteten dem Mann, der er geworden war. Nobundos Geschichte sollte deshalb nicht behaupten, Leid sei nötig gewesen, um seine Berufung zu finden. Der rote Nebel war ein Verbrechen. Seine Größe liegt darin, dass dieses Verbrechen nicht das letzte Wort über ihn behielt und dass er die gefundene Stimme nutzte, damit andere Ausgestoßene nicht mehr so lange im Schweigen warten mussten.