Ein Wald über den Ruinen der alten Welt
An Kalimdors Westküste liegt ein feuchter, dichter Urwald. Gewaltige Bäume, überwachsene Straßen und versunkene Tempel machen sichtbar, dass Feralas schon lange vor den heutigen Siedlungen bewohnt war. Vor der Großen Teilung gehörte das Land zum Reich der Nachtelfen. Als der Kontinent zerbrach, blieben Städte und Heiligtümer zurück, die der Wald langsam umschloss.
Die Ruinen sind deshalb keine vereinzelten Fremdkörper. Sie bilden eine zweite Landschaft unter Blättern und Wurzeln. Nachtelfische Geister, Satyrn und magische Wesen hielten sich an Orten, deren ursprüngliche Bewohner längst verschwunden waren. Wer Feralas betrat, bewegte sich durch eine Gegenwart, in der die alte Welt nie vollständig vergangen war.
Eldre'Thalas und die Shen'dralar
Die größte erhaltene Stadt war Eldre'Thalas, später als Düsterbruch bekannt. Königin Azshara hatte die Shen'dralar dort mit der Aufbewahrung arkanen Wissens beauftragt. Nach der Großen Teilung waren die Hochgeborenen von ihrer früheren Machtquelle abgeschnitten. Prinz Tortheldrin ließ den Dämon Immol'thar gefangen nehmen und entzog ihm Energie, um die Gemeinschaft am Leben zu halten.
Diese Lösung wurde mit jedem Jahrhundert grausamer. Als die Energie nicht mehr für alle reichte, ließ Tortheldrin viele seiner eigenen Leute töten. Oger des Gordunni-Klans besetzten Teile der Stadt, Pflanzenwesen überwucherten andere Bezirke, und die verbliebenen Shen'dralar lebten zwischen Wissen, Abhängigkeit und dem Verbrechen ihres Prinzen. Erst viel später suchten Überlebende die Rückkehr zu den Nachtelfen.
Feathermoon und Camp Mojache
Die Nachtelfen errichteten auf einer Insel vor der Küste die Feathermoon-Feste. Von dort beobachteten sie die Ruinen und die Bewegungen der Naga. Später wurde der Stützpunkt auf das Festland verlegt. Für die Horde entstand im Osten Camp Mojache, eine taurenische Siedlung an den Wegen nach Tausend Nadeln und Mulgore.
Beide Orte standen nicht nur einander gegenüber. Sie mussten sich gegen Gordunnioger, Gnolle, Harpyien, Yetis und die Gefahren des Waldes behaupten. Feralas war zu groß und zu dicht, als dass eine Fraktion es vollständig beherrschen konnte. Außenposten schufen sichere Inseln in einer Landschaft, deren ältere Bewohner und Ruinen sich keiner neuen Grenze fügten.
Drachen, Chimären und die Wildnis
Grüne Drachen und ihre Verbündeten bewachten Zugänge zum Smaragdgrünen Traum. Auf der Insel des Schreckens lebten gewaltige Chimären, während im Süden Silithidennester auf den Einfluss hinwiesen, der aus Silithus nach Norden reichte. Die Tierwelt von Feralas war nicht bloß Kulisse; sie gehörte zu einem Netz aus natürlichen und magischen Kräften.
Druiden sahen in diesem Wald daher mehr als ein zu verteidigendes Gebiet. Feralas bewahrte Lebensformen und Erinnerungen, die andernorts verloren gegangen waren. Gerade diese Dichte machte die Region jedoch anfällig für Verderbnis: Wenn Satyrn, Naga oder dämonische Magie eindrangen, fanden sie überall alte Macht, die sich missbrauchen ließ.
Warum Feralas seine Vergangenheit nicht ablegt
Andere Länder zeigen ihre Geschichte in Archiven oder Denkmälern. In Feralas stehen ganze Stadtviertel im Wald. Eldre'Thalas erzählt vom Überleben der Hochgeborenen, Feathermoon von der Rückkehr der Nachtelfen an alte Orte und Camp Mojache vom Versuch der Tauren, inmitten fremder Ruinen einen sicheren Weg zu schaffen.
Der Urwald hat diese Geschichten nicht ausgelöscht, sondern miteinander verbunden. Bäume wachsen durch Mauern, neue Lager stehen neben Tempeln, und alte Magie beeinflusst weiterhin jene, die das Land bewohnen. Feralas ist deshalb zugleich Naturraum und Archiv einer Zivilisation, deren Untergang nie völlig abgeschlossen wurde.