Wenn eine Kraft einen Willen erhält
Ein Elementar ist nicht bloß eine Flamme, eine Welle oder ein Stück wandelnder Fels. Elementare Geister haben rohe Energie zu einer beständigen Gestalt verdichtet. In ihrem Kern liegt ein Wesen, das wahrnimmt und handelt. Manche folgen einfachen Trieben, andere sprechen, schließen Bündnisse und tragen Titel wie Fürsten, Barone oder Herzöge.
Auf Azeroth fehlte den Elementen lange ein ausgleichender Anteil der fünften Kraft, des Geistes. Die heranwachsende Weltseele nahm einen großen Teil davon in sich auf. Feuer, Wasser, Erde und Luft fanden deshalb schwerer zur Harmonie. Aus Unruhe wurde Gewalt, und aus mächtigen Geistern wurden Herrscher, die eine junge Welt nach dem eigenen Element umformen wollten.
Vier Reiche im endlosen Krieg
Ragnaros wollte Meere verkochen und Berge schmelzen. Al'Akir säte Misstrauen und griff aus dem Wind an. Therazane verschanzte sich hinter Gebirgen, bis ihre Gegner erschöpft waren. Neptulon ließ andere Kräfte aufeinanderprallen und brach über die geschwächten Sieger herein. Unter ihnen kämpften zahllose geringere Elementare in Kriegen, deren Fortsetzung oft wichtiger wurde als jeder endgültige Triumph.
Diese Gewalt war Natur, aber nicht im Sinn moralischer Unschuld. Ein Sturm kann notwendig für eine Welt sein und dennoch Leben vernichten; ein Elementar kann seine Kraft verkörpern und zugleich Entscheidungen treffen. Azeroths frühe Geschichte zeigt deshalb keine friedliche Natur, die erst von außen verdorben wurde. Sie zeigt Mächte, denen das Gleichgewicht fehlte und die aus diesem Mangel ganze Reiche des Konflikts bauten.
Unter dem Schwarzen Imperium
Als die Alten Götter auf Azeroth einschlugen, vereinigten sich die vier Elementarfürsten erstmals gegen einen gemeinsamen Feind. Ihre Heere konnten dem endlosen Strom aus Aqir und Gesichtslosen nicht standhalten. Die Alten Götter unterwarfen sie und machten aus den bisherigen Herren der Welt ihre Befehlshaber.
Nach dem Sieg der Titanenhüter konnten die Elementare nicht einfach getötet werden. Als gebundene Kräfte Azeroths hätten sie erneut Gestalt angenommen. Ra und Helya schufen deshalb die Elementarebene mit Feuerlanden, Tiefenheim, Himmelswall und Abyssischem Schlund. Das Gefängnis trennte die Kräfte von der Welt, beseitigte aber weder ihren Willen noch die Möglichkeit, sie wieder zu rufen.
Beschwörung ist eine Beziehung
Schamanen begegnen Elementaren nicht nur als Werkzeugen. Sie bitten, handeln und suchen ein Gleichgewicht, in dem beide Seiten antworten können. Andere Zauberer binden Elementare mit Zwang. Derselbe Feuergeist kann daher als Verbündeter erscheinen oder als Gefangener, dessen Wut der Beschwörer für eine Weile in eine Richtung lenkt.
Auch die Elementarfürsten trafen unterschiedliche Entscheidungen. Beim Kataklysmus dienten Ragnaros und Al'Akir Todesschwinges Krieg, während Therazane und Neptulon sich N'Zoth nicht anschlossen. Herkunft aus derselben uralten Gewalt führte nicht zu derselben Treue. Später halfen ihre Nachfolger und verbliebenen Fürsten gegen die Brennende Legion.
Eine Welt braucht, was sie fürchtet
Elementare treten auf Azeroth in kleinen Wirbeln und in Heeren auf, in Schmiedefeuern, Meeresgräben und lebenden Gebirgen. Auch auf anderen Welten existieren sie in eigenen Formen; Draenors Furien suchen stärker das Gleichgewicht ihrer Heimat. Das zeigt, dass Azeroths urzeitliches Wüten keine unveränderliche Definition aller Elementare ist.
Sterbliche fürchten die Elemente, weil keine Stadt ohne Erde, Wasser, Luft und Wärme bestehen kann und keine Mauer deren Zorn dauerhaft abhält. Genau darin liegt auch die Möglichkeit einer Beziehung. Elementare sind keine fremde Seuche, die aus der Welt entfernt werden könnte. Sie sind Teile der Welt mit eigener Stimme. Frieden mit ihnen bedeutet deshalb nicht Herrschaft über die Natur, sondern die schwierige Anerkennung, dass selbst eine lebensnotwendige Kraft nicht zum Besitz dessen wird, der ihren Namen kennt.