Das Land, zu dem Drachen zum Sterben kommen
Im Süden Nordends liegt eine weite Ebene aus Eis, dunklen Wäldern und gewaltigen Knochen. Seit ungezählten Zeitaltern suchen Drachen die Drachenöde auf, wenn ihr Leben endet. In ihrem Zentrum erhebt sich der Wyrmruhtempel, umgeben von Heiligtümern der fünf großen Schwärme. Der Ort ist deshalb Friedhof, Versammlungsstätte und Gedächtnis der Drachen zugleich.
Die Knochen machten die Landschaft jedoch auch begehrenswert. Die Geißel raubte Überreste und erweckte gefallene Drachen als Frostwyrme. Was für die Schwärme ein heiliger Abschluss war, verwandelte der Lichkönig in Nachschub für seinen Krieg. Der Kampf um die Drachenöde war daher immer auch ein Kampf darum, ob selbst die Toten noch Würde besitzen durften.
Galakrond und die Geburt der Aspekte
Lange vor den sterblichen Reichen wuchs der Protodrache Galakrond zu einem Wesen von ungeheurer Größe heran. Er verschlang andere Drachen und verdarb jene, die seinem Hunger zum Opfer fielen. Alexstrasza, Ysera, Nozdormu, Malygos und Neltharion stellten sich ihm gemeinsam entgegen. Mit Hilfe des Hüters Tyr besiegten sie Galakrond dort, wo seine gewaltigen Überreste noch immer liegen.
Nach dem Sieg erhoben die Titanenhüter die fünf Protodrachen zu Aspekten und übertrugen ihnen Aufgaben für Azeroth. Damit wurde die Drachenöde zum Anfangspunkt der geordneten Drachenherrschaft. Zugleich blieb Galakronds Skelett als Warnung liegen: Größe ohne Maß und Hunger ohne Grenze konnten selbst die ältesten Wesen in eine Bedrohung für alles Leben verwandeln.
Alte Reiche unter dem Eis
Unter der westlichen Drachenöde öffnen sich Wege nach Azjol-Nerub. Das nerubische Reich bestand lange vor dem Aufstieg des Lichkönigs. Seine Bewohner bewegten sich durch ein unterirdisches Netz aus Städten und Tunneln, bis der Krieg der Spinne ihre Macht brach. Anub'arak fiel, wurde als Untoter erhoben und führte die Geißel später durch die Hallen seines eigenen Volkes.
Auch Aegwynn kam Jahrhunderte vor den jüngsten Kriegen hierher. Sie half den Drachen, Dämonen zu vertreiben, und stellte sich dem Avatar des Sargeras. So kreuzen sich in der Drachenöde die Geschichte der Wächter, der Drachen und der späteren Geißel, lange bevor Horde und Allianz den Kontinent betraten.
Die Pforte des Zorns
Im Krieg gegen den Lichkönig errichteten Horde und Allianz Stellungen vor Angrathar, der Pforte des Zorns. Bolvar Fordragon und Dranosh Saurfang führten ihre Truppen gegen die Geißel. Für einen kurzen Augenblick schien eine gemeinsame Offensive möglich. Dann griff Großapotheker Putress an und setzte eine neue Seuche frei, die Lebende und Untote gleichermaßen tötete. Dranosh fiel, Bolvar wurde von den Flammen der roten Drachen gezeichnet, und das fragile Vertrauen zwischen den Fraktionen zerbrach.
Der Lichkönig barg Dranoshs Leichnam und machte aus ihm den Todesbringer Saurfang. Bolvar überlebte, wurde gefangen genommen und widerstand Arthas' Folter, bis er später selbst die Krone übernahm. Die Pforte des Zorns ist deshalb kein einzelnes Gefecht am Rand des Krieges. Hier beginnen zwei Schicksale, die bis in die Eiskronenzitadelle reichen.
Der Mittelpunkt mehrerer Kriege
Während die Geißel die Drachenschreine angriff, führte Malygos zugleich seinen Krieg gegen sterbliche Magier. Der Wyrmruhbund musste die Schwärme zusammenhalten, obwohl alte Feindschaften und Neltharions Verrat noch immer nachwirkten. Über Wintergarde schwebte Naxxramas, im Osten sammelte sich der Scharlachrote Ansturm und im Westen tobte der Krieg um die Zugänge nach Azjol-Nerub.
Die Drachenöde wirkt dadurch wie ein Knotenpunkt Nordends. Galakronds Fall, die Erhebung der Aspekte, Aegwynns Kampf, der Untergang der Neruber und der Verrat an der Pforte des Zorns liegen in derselben Landschaft. Wer dort durch den Schnee zieht, bewegt sich nicht nur auf Arthas zu. Er geht über den Boden, auf dem mehrere Ordnungen Azeroths entstanden und zerbrochen sind.