Drei Naaru für eine zerbrochene Welt
Als Khadgar und Velen unabhängig voneinander um Hilfe gegen die Mächte der Scherbenwelt baten, kämpfte die Armee des Lichts bereits an zu vielen Fronten. Sie konnte kein Heer senden. A'dal, M'uru und O'ros kamen freiwillig mit der Festung der Stürme in den Nethersturm. Sie brachten keine fertige Rettung, sondern drei leuchtende Wesen und die Bereitschaft, in einer Welt auszuharren, deren Boden unter alten Kriegen auseinandergebrochen war.
Als die Naaru ihre Festung verließen, nutzten Kael'thas' Sonnenzornblutelfen die Gelegenheit. Sie nahmen die Zitadelle und ihre Satelliten ein. M'uru war als Wächter zurückgeblieben; der Prinz ließ ihn überwältigen und nach Silbermond bringen. O'ros begleitete die Draenei an Bord der Exodar nach Azeroth, während A'dal nach Shattrath zog. Damit begann die Geschichte der Sha'tar nicht mit einem unangefochtenen Wunder. Ihr Licht wurde getrennt, geraubt und von verschiedenen Völkern für eigene Hoffnungen beansprucht. A'dals Stärke zeigte sich darin, nach diesem Verlust dennoch einen Ort zu suchen, an dem andere Schutz finden konnten.
Licht in den Ruinen Shattraths
Shattrath war einst eine Hauptstadt der Draenei gewesen und beim Aufstieg der alten Horde in Blut und Feuer gefallen. In den Ruinen hielten Aldorpriester an ihren Riten fest. A'dal spürte ihr Licht und kam zu ihnen. Gemeinsam begannen sie, die Stadt wieder aufzubauen. Der Name Shattrath, Wohnstatt des Lichts, wurde dadurch nicht zur Behauptung unversehrter Heiligkeit. Er wurde ein Versprechen, dass selbst eine entweihte Heimat erneut Schutz geben kann.
Sterbliche folgten diesem Versprechen. Draenei, Vertriebene, Khadgar und die Söhne Lothars sammelten sich um die Terrasse des Lichts. A'dal herrschte nicht wie ein König, dessen Blutlinie Gehorsam verlangte. Seine Gegenwart gab der Stadt ein ruhiges Zentrum, während sehr verschiedene Gemeinschaften eigene Viertel, Bräuche und Schmerzen behielten. Die Sha'tar waren das Band zwischen ihnen: ein Bündnis des Lichts, dessen erste politische Aufgabe nicht Eroberung, sondern Zuflucht war.
Die kniende Armee der Seher
Als Voren'thal mit einer großen Streitmacht von Blutelfen vor Shattrath erschien, erwarteten die Aldor einen Angriff. Stattdessen kniete der Anführer nieder. Er hatte Kael'thas verlassen und bot A'dal den Dienst seiner Seher an. Für die Stadt war dies ein Gewinn; für die Aldor kamen damit frühere Feinde in unmittelbare Nachbarschaft. Beide Seiten bezogen eigene Höhen und trugen ihre Abneigung offen weiter.
A'dal verlangte keine künstliche Freundschaft. Aldor und Seher durften verschieden bleiben, mussten aber ihre offene Fehde beenden und am Schutz Shattraths mitwirken. Darin lag eine praktische Form von Versöhnung. Vertrauen wurde nicht verkündet, sondern durch gemeinsame Aufgaben erarbeitet. Die Sha'tar bestanden gerade aus Verbündeten, die einander nicht automatisch mochten und dennoch erkannten, dass Illidan, Kael'thas und die Legion von ihrer Spaltung stärker profitierten als irgendeiner von ihnen.
Der Weg bis zum Schwarzen Tempel
Von Shattrath aus führten die Sha'tar den Widerstand gegen die Herrscher der Scherbenwelt. Khadgar beriet Reisende, A'dal verband Informationen und Kräfte, während Aldor und Seher an verschiedenen Fronten kämpften. Xi'ri und weitere Befehlshaber trugen den Angriff schließlich bis vor den Schwarzen Tempel. Dort vereinten sich Soldaten der verfeindeten Höhen gegen Illidans Herrschaft.
Nach Kael'thas' Niederlage entstand aus Aldor und Sehern die Offensive der Zerschmetterten Sonne. Sie zog nach Quel'Danas, um Kil'jaedens Eintritt durch den Sonnenbrunnen zu verhindern. Lady Liadrin gestand A'dal, wie die Blutritter M'uru misshandelt hatten. A'dal antwortete nicht mit Rache. Er erklärte, M'uru habe seinen Weg vorausgesehen, und nahm Liadrins Hilfe an. Vergebung bedeutete hier nicht, die Tat kleinzureden, sondern die Schuld in Verantwortung für die kommende Schlacht zu verwandeln.
Eine Zuflucht, die mehr als Mauern braucht
Auch nach den großen Siegen blieben A'dal und die Sha'tar in Shattrath. Ihre Wirkung reichte zeitweise über die Scherbenwelt hinaus, etwa als A'dal Verteidiger nach Theramore sandte. Akamas Priester schützten später den Schwarzen Tempel mit einer heiligen Barriere. Das Bündnis war nie die Regierung eines großen Reiches. Es arbeitete dort, wo zerbrochene Orte und misstrauische Überlebende ein gemeinsames Dach brauchten.
Die Sha'tar zeigen deshalb eine andere Art von Macht. A'dal könnte mit seinem Licht Städte erschüttern, doch sein wichtigstes Werk war eine Stadt, in der Draenei neben Blutelfen, Menschen und Fremden leben konnten. Licht erscheint hier nicht als Beweis moralischer Reinheit. Es ist die Helligkeit, in der Schuld sichtbar wird und niemand sich hinter Herkunft verstecken kann. Wer auf Shattraths Höhen Zuflucht erhält, übernimmt zugleich die Pflicht, sie auch dem früheren Gegner nicht leichtfertig zu verweigern.