Eine Welt vor Erinnerung
Das Schwarze Imperium herrschte über Azeroth, bevor Sterbliche Karten zeichneten oder Königreiche benannten. Die Alten Götter waren aus der Großen Dunkelheit auf die junge Welt gestürzt und hatten sich tief in ihre Kruste gegraben. Ihre Auswüchse suchten die schlummernde Weltenseele, während aus verdorbener Materie neue Dienervölker entstanden: die mächtigen N'raqi, auch Gesichtlose genannt, und die zahllosen Aqir.
Dies war kein geeintes Reich im späteren Sinn. Y'Shaarj, C'Thun, Yogg-Saron und N'Zoth führten Krieg gegeneinander, obwohl sie derselben Leere dienten. Festungen aus schwarzem Stein wuchsen um ihre ungeheuren Körper; Aqir bauten, kämpften und starben, während N'raqi als Aufseher und Heerführer dienten. Herrschaft bedeutete nicht Frieden, sondern eine Ordnung, in der jeder Gedanke unter dem Hunger eines Gottes stand.
Die Elementarherren fallen
Auf dem ursprünglichen Azeroth hatten Feuer, Wasser, Erde und Luft frei gewütet. Ragnaros, Neptulon, Therazane und Al'Akir wehrten sich gegen die Eindringlinge. Doch die Alten Götter brachen ihren Widerstand und banden die Elementarherren an ihre Macht. Das Schwarze Imperium legte damit nicht nur Städte über das Land. Es machte selbst die Urkräfte der Welt zu Soldaten in einem Krieg, den sie nicht gewählt hatten.
Unter Y'Shaarj entstand das größte Machtzentrum. Seine Herrschaft war so tief mit dem Planeten verwachsen, dass Körper, Bauwerk und Landschaft kaum zu trennen waren. Das Imperium verwandelte Azeroth nicht in eine tote Ödnis. Es schuf eine lebende, schreckliche Zivilisation, in der Architektur pulsierte, Sprache den Verstand verletzte und selbst Wachstum nur eine andere Form des Verschlingens war.
Die Heere der Titanen
Als das Pantheon Azeroth entdeckte, erkannte es die Gefahr für die Weltenseele. Aman'Thul riss Y'Shaarj aus dem Planeten. Der Alte Gott starb, doch die Gewalt hinterließ eine Wunde, aus der arkanes Blut hervorbrach: den späteren Brunnen der Ewigkeit. Die Titanen verstanden, dass ein ebenso unmittelbarer Angriff auf die übrigen Alten Götter die Welt zerstören könnte.
Darum schufen und entsandten sie titanengeschmiedete Heere. Hüter, Irdene, Vrykul, Mogu und andere Konstrukte bezwangen die Diener des Imperiums. C'Thun, Yogg-Saron und N'Zoth wurden an ihren jeweiligen Orten gefesselt. Die Elementarherren verbannte man in eigene Reiche. Städte wurden niedergerissen oder unter der neuen Ordnung begraben. Zum ersten Mal lag eine Art Frieden über Azeroth, doch er beruhte auf Gefängnissen, deren Insassen weiterhin träumen konnten.
Das Imperium unter der Oberfläche
Der Fall seiner Mauern beendete den Einfluss des Schwarzen Imperiums nicht. Aus den Aqir gingen nach langen Wanderungen und Kriegen Qiraji, Neruber und Mantid hervor. Flüstern drang aus Ulduar, Ahn'Qiraj und versunkenen Tiefen. Kultisten hörten Versprechen, Herrscher sahen Wahrheiten, die nur für ihren eigenen Ehrgeiz geschaffen waren, und ganze Kriege wurden zu Versuchen der Alten Götter, ihre Fesseln durch sterbliche Hände zu öffnen.
Auch Y'Shaarjs Tod blieb wirksam. Seine sieben Köpfe wurden zu den Sha, und sein Herz verdarb noch Jahrtausende später Garrosh Höllschrei. Das Imperium überlebte somit nicht als ungebrochener Staat, sondern als eine Vielzahl von Narben. Jeder Rest versprach Macht und trug zugleich die alte Herrschaftsform in sich: Niemand benutzt den Alten Gott, ohne von ihm mitbenutzt zu werden.
N'Zoths wiedererstandene Vision
Nach seiner Befreiung ließ N'Zoth Ny'alotha und Bilder des Schwarzen Imperiums in die Gegenwart dringen. Uldum und das Tal der Ewigen Blüten wurden von seinen Angriffen überzogen. Für einen Augenblick schien die urzeitliche Ordnung nicht mehr vergangen, sondern nur hinter einem dünnen Schleier zu warten. Mit dem Herz von Azeroth und den Anlagen der Titanen zerstörten die Streiter den befreiten Alten Gott.
Dennoch ist das Schwarze Imperium mehr als ein abgeschlossenes Zeitalter. Es erinnert daran, dass Azeroths geordnete Welt auf den Ruinen einer älteren erbaut wurde und manche Fundamente noch flüstern. Seine Schrecken liegen nicht nur in Tentakeln und schwarzen Zitadellen. Sie liegen in der Vorstellung, jeder freie Wille sei bloß ein kurzer Traum innerhalb eines größeren Geistes. Gegen diese Behauptung kämpfen Azeroths Völker jedes Mal, wenn sie eine eingeflüsterte Gewissheit prüfen und sich weigern, die eigene Angst für die Stimme der Wahrheit zu halten.