Der Erste in der großen Dunkelheit
Den Legenden zufolge war Aman'Thul der erste Titan, der im Großen Dunklen Jenseits erwachte. Um ihn lagen Sterne und schlafende Welten, aber kein Wesen seiner Art. Statt die Einsamkeit zur Krone zu erklären, suchte er nach anderen Weltseelen, nährte ihr Erwachen und fand nach und nach jene Geschwister, die mit ihm den Pantheon der Ordnung bildeten. Als Hoher Vater gab er ihrer Reise Richtung: Welten sollten geordnet, Leben geschützt und weitere Titanen gefunden werden.
Aman'Thul betrachtete Zeit nicht als bloße Folge von Augenblicken. Für ihn war sie ein Gefüge aus Möglichkeiten, dessen Abweichungen ganze Welten gefährden konnten. Er berief die Constellaren zu Beobachtern geordneter Planeten und verlieh später Nozdormu die Macht, die wahre Zeitlinie zu hüten. Darin lag Fürsorge, aber auch sein tiefster Wesenszug: Was Bestand haben sollte, brauchte in seinen Augen eine Form, einen vorgesehenen Lauf und Wächter, die Abweichungen erkannten.
Elun'Ahir und das Misstrauen gegen das Ungeordnete
Eine alte, in ihren Einzelheiten umstrittene Überlieferung erzählt, Eonar habe auf Azeroth einen Zweig der Mutterbaumes G'Hanir gepflanzt, den sie von Elune erhalten hatte. Der Baum Elun'Ahir sollte den Einfluss des Lebens in der jungen Welt verwurzeln. Aman'Thul sah darin kein Geschenk, sondern eine Macht, die außerhalb der Ordnung des Pantheons wuchs. Er riss den Stamm aus der Erde und tadelte Eonar dafür, Azeroth mit einer anderen kosmischen Kraft zu prägen.
Falls die Legende wahr ist, überdauerten Elun'Ahirs Wurzeln unter geheimem Schutz. Für Aman'Thuls Geschichte ist dieses Bild bedeutsam, weil es seine Absicht nicht einfach in Bosheit verwandelt. Er wollte die mächtige Weltseele vor fremdem Zugriff bewahren. Doch indem er nur der eigenen Ordnung vertraute, behandelte er selbst Leben als Gefahr, sobald es nicht seinem Entwurf folgte. Der herausgerissene Baum wird so zum frühen Vorzeichen dafür, dass Schutz und Besitzanspruch selbst bei einem Titanen dicht beieinanderliegen können.
Die Wunde des Schwarzen Imperiums
Als der Pantheon Azeroth fand, hatten die Alten Götter das Schwarze Imperium errichtet und ihre Körper tief in die Welt gebohrt. Titanengeschmiedete Heere konnten ihre Diener besiegen, doch Y'Shaarj widerstand ihnen. Aman'Thul griff selbst durch die Wolken und riss den Alten Gott aus der Erdkruste. Der Feind starb, aber Azeroth blutete. Aus der gewaltigen Wunde trat arkane Macht hervor; an dieser Stelle entstand später der Brunnen der Ewigkeit.
Der Hohe Vater verstand, dass die übrigen Alten Götter nicht auf dieselbe Weise entfernt werden konnten, ohne die Weltseele zu töten. Der Pantheon ließ Gefängnisse, Schmieden und Überwachungssysteme errichten. Aman'Thul stärkte die Hüter Ra und Odyn, während andere Titanen ihre eigenen Beauftragten erwählten. Diese Ordnung rettete Azeroth vor unmittelbarer Verderbnis. Sie hinterließ jedoch Maschinen, die im äußersten Fall alles Leben neu ordnen sollten, und Hüter, deren Gehorsam über Jahrtausende zu Stolz, Verzweiflung oder Verrat werden konnte.
Der Bruder, den Worte nicht zurückholten
Sargeras hatte einst als Kämpfer des Pantheons Dämonen gejagt. Als er die Macht der Leere und eine verdorbene Weltseele sah, entschied er, alles Leben müsse verbrannt werden, bevor es den Leerenfürsten dienen könne. Bei Nihilam stellte der Pantheon ihn. Aman'Thul versuchte, den Bruder mit der Hoffnung auf Azeroth zurückzurufen: Diese Weltseele könne eines Tages stark genug werden, der Leere zu widerstehen. Sargeras hörte zu und lehnte ab.
Der Kampf vernichtete die Körper des Pantheons. Norgannon rettete ihre Seelen mit einem letzten Zauber und sandte sie durch den Kosmos. Aman'Thuls Fragment erreichte Ra, der es bewahrte, bis Lei Shen die Macht raubte und daraus sein Mogu-Reich errichtete. Wieder wurde Ordnung in Herrschaft übersetzt, diesmal von einem Sterblichen, der titanische Kraft als Beweis seines Anspruchs las. Später fing Sargeras die geschwächten Titanenseelen ein und ließ sie in Antorus foltern, um aus dem alten Pantheon ein Werkzeug seiner Brennenden Legion zu machen.
Der Wächter am Ende des Kreuzzugs
Azeroths Streiter befreiten die Titanen in Antorus, retteten Eonar und lösten Aggramar aus Sargeras' Dienst. Am Sitz des Pantheons half Aman'Thul im Kampf gegen Argus den Zerrütter. Als der gefallene Weltenseelen-Titan besiegt war, vereinten die Geschwister ihre Kraft und zogen Sargeras zu sich. Aman'Thul erklärte den Brennenden Kreuzzug für beendet. Seither hält der Pantheon den dunklen Bruder gefangen, während Illidan als dessen unbeugsamer Kerkermeister bei ihnen blieb.
Aman'Thul ist damit weder ferne Schöpfergestalt noch besiegte Erinnerung. Er lebt und wacht an einem Ort außerhalb der alltäglichen Kriege Azeroths. Seine Hinterlassenschaft liegt zugleich überall auf der Welt: in Nozdormus Blick auf die Zeit, in den Hallen Ulduars, in Ras verlorener Hoffnung und in der Wunde, die Y'Shaarjs gewaltsames Ende hinterließ. Der Hohe Vater wollte Ordnung, weil er im Chaos die Auslöschung sah. Seine Geschichte zeigt jedoch, dass eine Welt nicht allein dadurch bewahrt wird, dass man ihre Zukunft festlegt. Man muss ihr auch erlauben, anders zu leben, als selbst ein wohlmeinender Schöpfer vorgesehen hat.