Die Erbin Broxigars
Thura ist eine orkische Kriegerin und die Halbnichte der Brüder Broxigar und Varok Saurfang. Ihr Vater war ihr Halbbruder; wer er genau war, wurde in den veröffentlichten Geschichten bewusst offengelassen. Schon als Kind erlebte Thura die Folgen des Dritten Krieges. Broxigar kehrte damals als einziger Überlebender eines Gefechts zurück, in dem seine Kameraden einen Gebirgspass gegen Dämonen gehalten hatten. Selbst Thura bemerkte die Schuld, mit der er lebte, weil er überlebt hatte.
Broxigar verschwand später durch eine Zeitanomalie in die Zeit des Krieges der Ahnen. Dort kämpfte er an der Seite von Malfurion, Tyrande, Krasus und anderen Verteidigern gegen die erste große Invasion der Brennenden Legion. Cenarius schuf für ihn eine hölzerne Axt, die mit der Macht der Natur erfüllt war. Mit dieser Waffe verwundete Broxigar Sargeras selbst, bevor er starb. Die Axt gelangte durch Krasus zu Thrall und wurde zum Vermächtnis einer Tat, von der in Thuras Gegenwart nur wenige die ganze Wahrheit kannten.
Die Axt des Cenarius
Als Thura das Alter einer Kriegerin erreichte und ihre Fähigkeiten bewiesen hatte, übergab Thrall ihr die Axt des Cenarius. Varok Saurfang wäre als Broxigars Bruder ebenfalls ein naheliegender Träger gewesen. Doch einer von Thralls vertrauten Schamanen hatte im Traum gesehen, dass die Waffe an Thura gehen müsse. Thrall folgte dieser Vision, obwohl niemand ihren Zweck verstand. Für Thura war die Übergabe Ehre, Last und Verbindung zu einem Onkel, dessen Tod sie nur aus Erzählungen kannte.
Die Axt ist nicht deshalb mächtig, weil sie aus Metall oder dämonischer Magie besteht. Cenarius hatte lebendes Holz so verzaubert, dass es selbst Wesen des Wirbelnden Nethers verwunden konnte. Diese Eigenschaft wurde später entscheidend. Der Smaragdgrüne Alptraum, eine verdorbene Spiegelung des Smaragdgrünen Traums, hielt Malfurion in einem Baum gefangen. Gewöhnliche Waffen konnten das Gefängnis nicht öffnen. Nur Broxigars Axt besaß die notwendige Verbindung aus Naturmacht und kriegerischer Bestimmung.
Ein Traum fordert Blutrache
Thura erhielt Träume, in denen Malfurion Stormrage als Mörder Broxigars erschien. Sie hielt die Bilder für eine Offenbarung und schwor, den Nachtelfen zu töten. Tatsächlich waren die Träume gelenkt. Malfurion selbst erreichte sie aus seiner Gefangenschaft und zeigte ihr bewusst eine falsche Geschichte, weil er wusste, dass ihr Zorn sie mit der Axt zu ihm führen würde. Er bereute die Täuschung, sah aber keinen anderen Weg, dem Alptraum zu entkommen.
Auf ihrer Suche zwang Thura den Menschen Lucan Foxblood, ihr einen Weg in den Smaragdgrünen Alptraum zu öffnen. Dort traf sie auf Tyrande Whisperwind und fand schließlich den Baum, in den Malfurion verwandelt worden war. Thura griff an und traf ihn mit der Axt. Was als Rachehieb gedacht war, durchtrennte das magische Gefängnis. Erst danach erkannte sie, dass sie benutzt worden war und dass Malfurion Broxigar nicht ermordet hatte.
Gefangen im Smaragdgrünen Alptraum
Die Befreiung Malfurions beendete die Gefahr nicht. Thura, Tyrande, Lucan und Broll Bärenfell gerieten tiefer in den Alptraum. Der verdorbene Gnarl zwang sie in persönliche Schreckensbilder; Thura sah, wie Thrall sie wegen ihres Versagens hinrichtete. Später gelangte die Gruppe nach Sturmwind, wo König Varian Wrynn beim Anblick einer bewaffneten Orc zunächst angreifen wollte. Broll verhinderte eine Eskalation, und die ungleichen Verbündeten suchten einen Weg nach Darnassus.
Emeriss und Lethon nahmen Thura und ihre Gefährten gefangen, weil der Herr des Alptraums ihre Axt fürchtete. Tyrande ermöglichte Lucan und Thura die Flucht, blieb aber mit der Waffe zurück. Dass Xavius so viel Aufwand betrieb, die Axt zu sichern, bestätigte ihre Bedeutung. Thura musste nun nicht mehr für eine eingebildete Blutrache kämpfen, sondern für die Rettung jener Personen, die sie kurz zuvor noch als Feinde betrachtet hatte.
Der Schlag gegen Xavius
Mit Brolls Hilfe gewann Thura die Axt zurück. Malfurion stellte sich Xavius auf Azeroth entgegen, während dessen eigentliche Macht zugleich in einem Schattenbaum im Smaragdgrünen Traum verankert war. Malfurion zeigte Thura die verwundbare Stelle. Sie führte drei mächtige Schläge gegen den Baum. Als die Verankerung zerbrach, konnte Malfurion Xavius besiegen und der Alptraum wurde zunächst in den Riss von Aln zurückgedrängt.
Thuras Anteil an diesem Sieg war mehr als die Nutzung einer besonderen Waffe. Sie musste anerkennen, dass ihre sicher geglaubte Erinnerung falsch war, und trotzdem weiterhandeln. Malfurion brachte sie anschließend zu ihrem Volk zurück und berichtete Thrall von ihrer Bedeutung. Auf Thuras Wunsch übermittelte sie außerdem gute Wünsche für die Hochzeit von Tyrande und Malfurion. Diese Geste schloss ihre Entwicklung von der vermeintlichen Rächerin zur Verbündeten ab.
Rückkehr zum Kosh'harg
Viele Jahre lang erschien Thura nur in der Romanhandlung um den Alptraum. Später nahm sie am ersten Kosh'harg auf Azeroth teil und wurde damit auch im Spiel sichtbar. In Klingenhügel suchte sie besonders die Nähe von Eitrigg und Ariok, Angehörigen des Schwarzfelsklans. Arioks Verwandlung in einen gewaltigen Orc durch Blutmagie fiel ihr sofort auf, weil sie ihn seit Jahren nicht gesehen hatte. Während des Festes trug sie die Axt des Cenarius weiterhin auf dem Rücken.
Thura verkörpert mehrere Schichten orkischer Erinnerung. Durch die Saurfangs ist sie mit den Kriegen der alten Horde verbunden; durch Broxigars Axt reicht ihre Geschichte bis zum Krieg der Ahnen; durch den Kampf gegen Xavius steht sie an der Seite von Nachtelfen und Menschen. Sie wird dabei nicht zu einer allgemein bekannten politischen Anführerin. Ihre Bedeutung liegt in der Weitergabe eines Vermächtnisses und in der Fähigkeit, eine durch Täuschung begonnene Mission in eine echte Rettung zu verwandeln.