Der Überlebende
Broxigar hatte viele Schlachten gesehen, bevor die Zeit ihn in die größte von allen riss. Er diente im Schwarzfelsklan und kämpfte in den Kriegen der Alten Horde. Seine Gefährten starben, während er überlebte. Was andere als Veteranenehre betrachteten, fühlte sich für ihn wie eine Schuld an.
Er suchte den Tod im Kampf, nicht aus bloßer Lust auf Ruhm, sondern weil Weiterleben ihm wie Verrat erschien. Broxigar erkannte selbst die Gefahr darin: Wer sterben will, kann die Gefährten neben sich opfern, die für ihr Leben kämpfen. Diese Einsicht machte ihn noch nicht frei von seiner Sehnsucht, aber sie unterschied sein späteres Opfer von einem gedankenlosen Ansturm.
Ein Orc in einer Zeit vor den Orcs
Eine Störung der Zeit zog Broxigar zusammen mit Rhonin und Krasus zehntausend Jahre in die Vergangenheit. Im Reich der Nachtelfen war er ein Wesen, das dort noch niemand gesehen hatte. Misstrauen und Gefangenschaft begleiteten seine ersten Schritte. Dann begann die Brennende Legion ihre Invasion.
Broxigar schloss sich dem Widerstand um Malfurion, Tyrande und Jarod Schattensang an. Für die Nachtelfen wurde der fremde Krieger vom möglichen Monster zum Gefährten. Für ihn selbst bot der Krieg eine Aufgabe, die größer war als der Wunsch, einen ehrenvollen Tod zu finden. Er verteidigte Bewohner Kalimdors, deren Nachfahren seine eigene Welt erst Jahrtausende später prägen würden.
Die hölzerne Axt
Broxigars Waffe zerbrach unter den endlosen Dämonen. Malfurion schuf ihm nach Cenarius' Anweisung eine neue Axt aus Holz und druidischer Magie. Sie war leicht, stärker als sterblich geschmiedeter Stahl und trug einen Teil Kalimdors in sich. In den Händen eines Orcs verband sie zwei Kulturen, die in Broxigars Gegenwart als Feinde aufeinandergetroffen waren.
Die Axt war nicht mächtig, weil sie allein kämpfen konnte. Sie passte zu Broxigar wie eine Verlängerung seines Arms. Jede Schneidebewegung verband Cenarius' Land mit der Erfahrung eines Kriegers, der gelernt hatte, dass Stärke erst durch das geschützte Leben einen Sinn erhält.
Der Sprung durch das Portal
Am Brunnen der Ewigkeit öffnete sich das Tor nach Argus, und Sargeras drängte nach Azeroth. Broxigar sprang hindurch. Auf der anderen Seite stellte er sich allein auf einen Berg gefallener Dämonen und zwang die Legion, ihre Aufmerksamkeit einem einzigen Sterblichen zuzuwenden.
Als Sargeras selbst ihn erreichte, schlug Broxigar mit der hölzernen Axt zu und fügte dem Titanen eine kleine Wunde zu. Gemessen an Sargeras' Größe war sie kaum mehr als ein Schnitt. Doch Krasus und die anderen richteten ihre Magie auf genau diesen Punkt. Für einen Augenblick verlor der Titan die Kontrolle über das Tor, und dieser Augenblick half, die Invasion zurückzuschlagen.
Ein Opfer, das nicht fliehen wollte
Broxigar starb auf Argus. Seine Axt gelangte auf unerklärliche Weise zurück nach Azeroth und später in seine eigene Zeit. Thrall bewahrte die Geschichte, schließlich erhielt Broxigars Nichte Thura die Waffe. So kehrte aus einer Vergangenheit, die kaum jemand erinnerte, ein greifbares Erbe zu seiner Familie zurück.
Seine letzte Tat erfüllte äußerlich den Tod, den er lange gesucht hatte. Ihr innerer Sinn war jedoch ein anderer. Broxigar sprang nicht durch das Portal, weil sein Leben wertlos geworden war. Er tat es, weil jedes Leben hinter ihm Zeit brauchte. Der Unterschied liegt nur in einem Entschluss, aber er trennt Selbstvernichtung von Opfer. Sargeras trug die Wunde eines Sterblichen; Broxigars eigentlicher Sieg war, dass er im letzten Augenblick nicht vor dem Weiterleben floh, sondern es für andere verteidigte.