Das Tal des Cenarius
Im Norden Kalimdors liegt die Mondlichtung zwischen Bergen und verwundeten Wäldern wie ein stiller Atemzug. Cenarius lebte dort bereits vor dem Krieg der Ahnen. Als die Brennende Legion über das alte Kalimdor kam, suchten Malfurion, Tyrande und Illidan ihn in diesem Tal auf. Von hier aus traten die wilden Mächte der Welt in einen Krieg ein, den die Nachtelfen allein nicht mehr gewinnen konnten.
Nach der Großen Teilung verließen Dryaden und Hüter des Hains die geschützte Lichtung, um eine veränderte Welt zu heilen. Der Ort blieb dennoch ihr geistiges Zuhause. In seinem See, seinen Grabhügeln und den Pfaden nach Hyjal liegt keine königliche Ordnung. Autorität entsteht aus der Verantwortung für Leben, das keinem Volk allein gehört.
Die Geburt des Zirkels
Während des Satyrkriegs rief Malfurion Druiden in die Mondlichtung. Die Druiden der Sichel hatten die Wolfsform missbraucht und ihre eigene Wildheit nicht mehr beherrscht. Um ihnen zu begegnen und die druidischen Wege zu ordnen, entstand der Zirkel des Cenarius. Seine Aufgabe war größer als der Sieg über einen einzelnen Kult: Druiden sollten voneinander lernen und einander daran erinnern, dass Naturmacht ohne Maß ebenso zerstörerisch werden kann wie arkane Gier.
Nachthafen wurde zum Versammlungsort des Zirkels, und Remulos, Sohn des Cenarius, wachte über die Lichtung. Von dort zogen Druiden nach Silithus, in die Pestländer, zum Hyjal und an viele andere Wunden Azeroths. Die Ruhe der Mondlichtung war niemals das Ende ihrer Reise. Sie war der Ort, an dem ein Heiler Atem holte, bevor er wieder in ein Land ging, das sich nicht selbst heilen konnte.
Ein Frieden älter als die Fraktionen
Nachtelfen und Tauren begegnen einander in der Mondlichtung als Druiden, obwohl ihre politischen Völker verschiedenen Bündnissen angehören. Später kamen Trolle, Gilneer und weitere Schüler der Wildnis hinzu. Gewalt zwischen Gästen wird nicht geduldet. Wer das Tal betritt, muss für eine Weile anerkennen, dass Horde und Allianz jüngere Grenzen sind als der Kreislauf, den beide zum Überleben brauchen.
Dieser Frieden bedeutet keine Gleichgültigkeit gegenüber Politik. Hamuul Runentotem und andere Druiden tragen die Sorgen ihrer Völker mit sich. Doch in der Mondlichtung können sie beraten, ohne jede Frage sofort als Sieg der eigenen Seite zu behandeln. Gerade deshalb ist der Ort verwundbar und kostbar. Neutralität entsteht dort nicht aus Entfernung, sondern aus der täglichen Entscheidung, eine gemeinsame Pflicht über den nächsten alten Zorn zu stellen.
Der See und seine Erinnerung
Im Elunearasee schläft Omen, ein uralter Halbgott, der einst gegen die Brennende Legion kämpfte und von dämonischer Macht verdorben wurde. Zur Zeit des Mondfests erwacht er, und die Feiernden müssen ihn erneut zur Ruhe bringen. Das Fest verbindet Feuerwerk und Heimkehr mit einer ernsteren Erinnerung: Selbst ein großer Beschützer kann eine Wunde aus dem Krieg so lange tragen, dass spätere Generationen Verantwortung dafür übernehmen müssen.
Während des Mondfests erscheinen Ahnen in vielen Ländern Azeroths. Besucher ehren ihre Weisheit und kehren danach nach Nachthafen zurück. So wird die Mondlichtung zum Mittelpunkt eines Gedächtnisses, das nicht nur den Nachtelfen gehört. Die Toten werden nicht als Besitz einer Nation angerufen, sondern als Stimmen einer Welt, deren Rettung schon im Krieg der Ahnen von sehr verschiedenen Verbündeten abhing.
Wache an der Grenze des Traums
Das Spiegelbild der Mondlichtung im Smaragdgrünen Traum gilt als einer seiner heiligsten Orte. Gerade deshalb erreichte der Smaragdgrüne Alptraum auch dieses Tal. Dunkler Nebel verwandelte seine vertraute Stille zeitweise in die Ruhe eines Grabes. Die Lichtung war kein unberührbarer Gegenpol zur Verderbnis; sie wurde zu einem weiteren Ort, an dem Druiden um die Gestalt ihrer Träume kämpfen mussten.
Heute bleibt die Mondlichtung Zuflucht, Schule und Wachposten. Der Teufelswald liegt krank an ihrer Grenze, Hyjal wacht südlich über den zweiten Brunnen der Ewigkeit, und im Traum können Wunden erscheinen, lange bevor ein gewöhnliches Auge sie sieht. Die Stärke des Tals liegt nicht darin, außerhalb dieser Gefahren zu stehen. Sie liegt darin, dass dort Druiden verschiedener Herkunft still genug werden, um dieselbe Veränderung im Wind zu hören und gemeinsam zu handeln, bevor aus ihr ein Sturm wird.