Die Flüchtlinge, die umkehrten
Als Sargeras die Eredar von Argus mit Macht lockte, folgte eine Minderheit Velen und den Naaru in die Flucht. Nicht alle dieser Draenei blieben auf demselben Weg. Die Xenedar trennte sich irgendwann von der Genedar, und mit ihr zogen jene weiter, die der Brennenden Legion nicht nur entkommen wollten. Unter der Naaru Xe'ra wurden sie Teil der Armee des Lichts und verwandelten ein Exilschiff in die Heimat eines endlosen Feldzugs.
Ihre Entscheidung nahm ihnen die Rast, die selbst andere Draenei kaum fanden. Während Velens Gefolge von Welt zu Welt floh und schließlich auf Draenor landete, kämpfte die Xenedar im Wirbelnden Nether. Für die Lichtgeschmiedeten wurde Heimat zu den Gängen eines Schiffes, Familie zu einer Einheit und Zeit zu einer Folge von Angriffen, Rückzügen und Namen gefallener Kameraden. Sie bewahrten Argus nicht als Ort, an den man einfach zurückkehren konnte, sondern als ersten Verlust, der keinen zweiten Sargeras dulden sollte.
Was es heißt, im Licht geschmiedet zu werden
Nicht jeder Soldat der Armee des Lichts war bereits lichtgeschmiedet. Die Verwandlung erfolgte in einem eigenen Ritus. Anwärter traten ihren Erinnerungen, Zweifeln und möglichen Zukünften gegenüber, bevor heilige Energie ihren Körper durchdrang. Haut, Augen und Blut trugen danach sichtbare Spuren des Lichts. Der Vorgang schenkte große Kraft und ein ungewöhnlich langes Leben, verlangte aber eine bewusste Bindung an Aufgabe und Glauben.
Der Name beschreibt deshalb mehr als eine magische Verstärkung. Schmieden heißt erhitzen, schlagen und eine Form dauerhaft machen. Jahrtausende des Krieges verstärkten dieselbe Wirkung auf Geist und Gesellschaft. Disziplin hielt die Armee am Leben, konnte aber aus jeder neuen Frage eine vermeintliche Schwäche machen. Das Licht gab Hoffnung, doch Xe'ras Gewissheit zeigte auch, wie leicht eine leuchtende Zukunft zum Zwang werden kann, wenn nur eine einzige vorherbestimmte Gestalt als richtig gelten darf.
Turalyon und die lange Schlacht
Turalyon und Alleria Windläufer stießen nach dem Zweiten Krieg zur Armee. Xe'ra erfüllte Turalyon mit dem Licht, und der Mensch wurde schließlich Hochgeneral ihrer Streitkräfte. An seiner Seite kämpften Lichtgeschmiedete wie Hauptmann Fareeya und der geläuterte Nathrezim Lothraxion. Herkunft allein entschied in diesem Heer nicht über Zugehörigkeit. Entscheidend war, ob jemand den Kampf gegen die Legion zu seiner gewählten Pflicht machte.
Trotz zahlloser kleiner Siege verlor die Armee allmählich an Boden. Die Legion konnte Dämonen immer neu entstehen lassen und auf die Macht von Argus zurückgreifen. Als Azeroths Streiter den Krieg auf den Heimatplaneten der Eredar trugen, wurde die Xenedar abgeschossen und zerschellte in Krokuun. Die Lichtgeschmiedeten standen endlich wieder auf Argus, aber nicht als Heimkehrer zu einer heilen Welt. Sie kämpften zwischen Ruinen, in denen Überlebende zurückgeblieben waren, während sie selbst den Krieg in fernen Sternen geführt hatten.
Der Tod Xe'ras und der Sieg bei Antorus
Xe'ra wollte Illidan gegen dessen Willen mit Licht erfüllen und sah darin die Erfüllung einer vorherbestimmten Rolle. Illidan zerschmetterte die Naaru. Für Turalyon und die Lichtgeschmiedeten war ihr jahrtausendealtes Zentrum plötzlich fort. Velen erinnerte sie daran, dass das Licht nicht mit Xe'ra gestorben war. Der Gedanke gab ihnen eine Verantwortung zurück, die unter einer vollkommenen Führerin leicht verborgen bleibt: Glaube musste nun ohne die Gewissheit bestehen, dass jede Weisung von oben richtig sei.
Die Armee setzte den Feldzug fort, errichtete mit der Vindicaar einen neuen Stützpunkt und half beim Angriff auf Antorus. Dort wurde Argus' missbrauchte Weltseele besiegt, die Wiederkehr der Legion gebrochen und Sargeras vom Pantheon gebunden. Das Ziel, für das Generationen gelebt hatten, war erreicht. Gerade der Sieg nahm den Lichtgeschmiedeten jedoch jene Antwort, die zuvor jede Entscheidung geordnet hatte. Ein Volk, das sich für einen einzigen Krieg geformt hatte, musste lernen, was nach dessen Ende noch aus ihm werden konnte.
Unter einem unverderbten Himmel
Turalyon und Fareeya führten die Lichtgeschmiedeten zur Allianz. Auf der Vindicaar wurden auch Draenei aus der Exodar in den Ritus aufgenommen. Sie kämpften im Vierten Krieg und gegen spätere Bedrohungen Azeroths. Jahre danach sprach Fareeya bei den Tishamaat-Feiern offen davon, wie schwer die Wiederannäherung an ihre nicht lichtgeschmiedeten Verwandten sei. Gemeinsame Herkunft überbrückte nicht automatisch Jahrtausende getrennter Erfahrungen.
In Heilsturz begegnete Fareeya schließlich einer Gesellschaft, deren Alltag ebenfalls vom Licht einer übermächtigen Erscheinung geprägt war. Die Lichtgeschmiedeten bleiben damit mehr als Veteranen in goldener Rüstung. Sie tragen die Erfahrung, dass Hoffnung eine Armee durch Jahrtausende retten kann und Gewissheit dennoch geprüft werden muss. Ihre neue Aufgabe besteht nicht nur darin, jede Dunkelheit zu bekämpfen. Sie müssen lernen, unter einem freien Himmel zu leben, Nähe ohne Befehl zuzulassen und das Licht so weiterzugeben, dass es einen Weg zeigt, statt einem anderen Wesen seine Form aufzuzwingen.