Ein Vater im Sturmsangtal
Thomas Zelling war ein menschlicher Gezeitenweiser aus Kul Tiras. Er war mit Julia verheiratet und hatte zwei Kinder, Hannah und Matthew. Gezeitenweise verbanden die Seefahrt der Inselnation mit der Verehrung und Lenkung des Meeres. Thomas konnte Wasserbarrieren errichten und Gezeitenmagie im Kampf einsetzen.
Zu Beginn des Vierten Krieges litt er an einer tödlichen Krankheit. Die genaue Diagnose und die Reihenfolge seiner ersten Heilungsversuche sind nicht vollständig überliefert. Sicher ist, dass er seine Familie nicht beim langsamen Sterben zusehen lassen wollte und sie verließ. Alle späteren Entscheidungen entstanden aus seinem Wunsch, dennoch für ihre Sicherheit zu sorgen.
Verbotene Magie und ein Angebot
Thomas versuchte, seine Krankheit mit einem Buch verbotener Magie und Kräften der Leere zu heilen. Das Werk war von Kommandant Augustine beschlagnahmt worden, und der Versuch scheiterte. Als Rexxar und Lilian Voss ihn kontaktierten, fragte Thomas deshalb wiederholt nach dem Zustand der Verlassenen: Blieben Krankheiten nach der Erhebung bestehen, und verlor ein Untoter zwangsläufig den Verstand?
Die Horde suchte zu dieser Zeit Informationen über die Leiche Marschall Valentines. Thomas bot Hilfe unter einer Bedingung an. Die Verlassenen sollten ihn nach seinem Tod erheben und im Gegenzug seine lebende Familie schützen. Voss stimmte zu. Damit wurde Thomas nicht heimlich gegen seinen Willen verwandelt; er entschied sich unter dem Druck des nahen Todes bewusst für einen Handel, dessen emotionale Folgen er unterschätzte.
Rückkehr als Verlassener
Nach Thomas' Tod rief Lilian Voss die Val'kyr Kyra, die ihn als Untoten zurückbrachte. Zelling glaubte, Julia und die Kinder würden sich über seine Rückkehr freuen. Er eilte zu ihnen, doch sein veränderter Körper erschreckte die Familie. Die Kinder erkannten ihn nicht, und als er aus Verzweiflung wütend reagierte, wuchs ihre Angst noch weiter.
Thomas blieb zurück und schloss sich formell den Verlassenen an. Er akzeptierte, dass seine Familie ihn zunächst nicht in ihrem Leben haben wollte, bestand aber auf Voss' Versprechen. Später erfuhr er von Rexxar, dass Julia ein Haus bei Aroms Wehr erworben hatte und die Kinder genug zu essen bekamen. Schutz war möglich, auch wenn die erhoffte Wiedervereinigung ausblieb.
Dienst für die Horde
Zelling half, das Wrack der Dritten Flotte von Kul Tiras zu finden. Dort wurden die Leichen Marschall Valentines und Derek Prachtmeers geborgen. Bei einem Angriff der Allianz auf das Schiff der Horde schützte Thomas Besatzungsmitglieder mit einer Wasserbarriere und legte anschließend einen Schild um das gesamte Schiff.
Er half außerdem bei der Beschaffung des Abgrundzepters und nahm mit Rexxars Truppen am Angriff auf das Norwingtonanwesen teil, um dort gelagertes Azerit zu sichern. Trotz seiner Arbeit für die Horde betrachtete er die von N'Zoth und Azshara beeinflussten Gezeitenweisen als Verlorene, die unverstandenen Mächten dienten und dem Namen ihres Ordens schadeten. Sein eigener Gebrauch der Leere bedeutete für ihn keine Zustimmung zu deren Unterwerfung.
Derek Prachtmeer und die Hinrichtung
Sylvanas ließ Derek Prachtmeer in den Untod erheben und plante, ihn gegen seine lebende Familie einzusetzen. Thomas sah darin eine Grausamkeit. Er selbst hatte den Untod gewählt, Derek dagegen nicht. Dass Zelling an der Bergung des Leichnams mitgewirkt hatte, verstärkte sein Schuldgefühl.
Er half Baine Bluthuf, Derek aus der Gewalt der Horde zu bringen und mit Jaina Prachtmeer zu vereinen. Sylvanas entdeckte seine Beteiligung. Vor versammelten Anführern ließ sie Thomas durch Nathanos Pestrufer töten, um ein Zeichen gegen Ungehorsam zu setzen. Lilian versprach, seine Familie weiter zu schützen und ihnen auf Nachfrage zu sagen, Thomas sei als Held gestorben.
Eine Seele im Schlund
Nach ihrem eigenen Sturz suchte Sylvanas im Schlund nach den Seelen, die durch ihre Taten dort gelandet waren. Jahre später begegnete sie auch Thomas Zelling und bot an, ihn zu befreien. Thomas lehnte ausgerechnet ihre Hilfe ab. Er erklärte, lieber ewig zu leiden, als von ihr gerettet zu werden.
Seine Weigerung löst sein Schicksal nicht auf und macht seinen ersten Handel nicht fehlerlos. Sie schließt aber die Linie seiner Entscheidungen: Thomas nahm den Untod freiwillig an, um Familie zu bewahren, widersetzte sich später der erzwungenen Erhebung eines anderen und verweigerte schließlich der Verantwortlichen seiner Hinrichtung die Rolle einer Erlöserin. Sein Leben und Nachleben kreisen damit um die Frage, wem eine Entscheidung über Tod und Fortexistenz zusteht.