Ehre und StärkeBlackmoore
Lilian Voss
Charakter

Lilian Voss

Lilian Voss wurde zur Waffe des Scharlachroten Kreuzzugs erzogen und nach ihrem Tod als Verlassene erweckt. Aus der verstoßenen Tochter wurde eine unerbittliche Gegnerin von Fanatikern und Nekromanten – und später eine Anführerin, die anderen Untoten den Halt geben wollte, den sie selbst nie erhalten hatte.

Eine Kindheit als Waffe

Lilians Vater, der Hohepriester Benediktus Voss, erzog seine Tochter nicht für ein gewöhnliches Leben. Der Scharlachrote Kreuzzug sah Untote als unheilbare Verunreinigung und machte aus Furcht eine Religion. Lilian lernte Heimlichkeit, Kampf und Magie. Ihre Kindheit wurde dem Ziel geopfert, eines Tages jene Wesen zu vernichten, die Lordaeron überrannt hatten. Der Vater sprach von Pflicht, doch er formte ein Kind zu einem Werkzeug.

Lilian glaubte an diese Aufgabe, weil sie kaum eine andere Identität kannte. Die Welt war für sie sauber geteilt: hier die Lebenden und das Licht, dort die Untoten und die Verderbnis. Gerade deshalb wurde ihr eigener Tod zur vollständigen Zerstörung dieses Weltbildes.

Das Erwachen in Todesend

Nach ihrem Tod wurde Lilian von den Val'kyr als Verlassene erweckt. Sie erwachte in Todesend und weigerte sich, ihren Zustand anzunehmen. Ein Spiegel zwang sie, das veränderte Gesicht zu sehen. Noch immer glaubte sie, ihr Vater werde sie retten. Stattdessen ließ Benediktus sie gefangen nehmen und befahl ihre Hinrichtung. Für ihn wog die Lehre des Kreuzzugs schwerer als seine Tochter.

In diesem Augenblick richtete sich Lilians Ausbildung gegen ihre Erzieher. Violette Flammen verzehrten ihre Bewacher, und sie tötete den Vater, dessen Anerkennung ihr Leben bestimmt hatte. Der Bruch befreite sie nicht sofort. Lilian hasste weiterhin Untote, nun aber auch sich selbst. Sie verließ die Verlassenen und suchte ihre Feinde allein.

Kreuzzug und Scholomance

Als vermummte Kreuzfahrerin drang Lilian in das Scharlachrote Kloster ein. Sie suchte die Klingen der Gesalbten, mit denen Hochinquisitorin Weißsträhne endgültig getötet werden konnte. Danach wandte sie sich gegen Scholomance und Dunkelmeister Gandling. Nekromanten verkörperten für sie jene Gewalt, die Menschen den Tod nahm und sie anschließend als Werkzeuge benutzte.

Gandling überwältigte Lilian und zwang sie gegen ihre Verbündeten. Ihre Befreiung zeigte, dass große Macht sie nicht vor Kontrolle schützte. Dennoch setzte sie den Kampf fort. Aus persönlicher Rache entwickelte sich langsam eine Aufgabe: Niemand sollte so benutzt werden, wie ihr Vater, die Val'kyr und Gandling sie benutzt hatten.

Die Verlassenen im Krieg

Während des Vierten Krieges arbeitete Lilian mit den Verlassenen, ohne Sylvanas blind zu folgen. Sie nahm sich der jungen Amalia Stein an, die gegen ihren Willen in den Untod gezwungen worden war. Lilian erkannte in ihr die eigene Verzweiflung wieder und wählte einen anderen Weg als Benediktus: Sie verlangte nicht, dass Amalia sofort eine vorgegebene Rolle annahm. Sie gab ihr Zeit und Begleitung.

Nach Sylvanas' Sturz galt Lilian zeitweise als naheliegende Anführerin. Sie selbst wollte keine neue Königin der Verlassenen werden. Gemeinsam mit Calia Menethil suchte sie nach einer Ordnung, die unterschiedliche Erfahrungen des Untods aufnehmen konnte. Calia war vom Licht erweckt worden, Lilian von den Val'kyr; beide wussten, dass keine einzelne Geschichte für ihr ganzes Volk sprechen durfte.

Der Verwüstete Rat

Nach der Rückkehr nach Lordaeron half Lilian, den Verwüsteten Rat neu zu bilden. Neben Calia gehörten ihm Velonara, Belmont und Faranell an. Die gemeinsame Führung ersetzte Sylvanas' persönliche Herrschaft. Lilian vertritt die Verlassenen zugleich im Rat der Horde. Sie ist damit ausgerechnet zu jener fürsorglichen Hand geworden, die ihr beim Erwachen fehlte.

Später half sie in Gilneas und in Azj-Kahet. Ihre Haltung gegenüber Leid blieb von der eigenen Geschichte geprägt: Opfer brauchen Handlungsmacht, nicht eine neue Person, die ihnen erklärt, was sie sein müssen. Lilian hat ihren Hass nicht einfach abgelegt. Sie hat gelernt, ihn auf jene Strukturen zu richten, die Menschen und Untote zu Werkzeugen machen.