Das Wissen des letzten Wächters
Das Buch Medivhs ist das einzige bekannte erhaltene Zauberbuch, das der letzte Wächter von Tirisfal selbst verfasste. In seinen Seiten lagen außergewöhnliche Macht und Kenntnisse über Tore zwischen Welten. Medivh hatte unter Sargeras' Einfluss das Dunkle Portal geöffnet. Das Buch bewahrte damit nicht bloß neutrale Formeln, sondern die Gedanken eines Mannes, in dem Schutzauftrag, geniale Magie und dämonische Besitzergreifung untrennbar aneinandergeraten waren.
Nach Medivhs Tod wurde der Band in der königlichen Bibliothek des wiedererrichteten Sturmwind verwahrt. Mauern und ein Siegel machten aus ihm jedoch keinen ungefährlichen Gegenstand. Das Wissen wartete auf jemanden, der eine Verbindung zwischen seinen Formeln und einem eigenen Ziel erkannte. Gerade weil das Buch keine Absicht besaß, konnte es nacheinander Fluchtweg, Weltzerstörer, Rettungswerkzeug und Einfallstor sein.
Alterac verkauft einen Schlüssel
Agenten aus Alterac brachten das Buch in ihr Königreich. Teron Blutschatten handelte mit König Aiden Perenolde und erhielt den Band mit Todesschwinges Hilfe. Ner'zhul suchte Artefakte, die einen großen Beschwörungszauber speisen konnten: neben dem Buch das Auge von Dalaran, Gul'dans Schädel und das juwelenbesetzte Szepter des Sargeras. Er wollte für die Orcs neue Welten öffnen, bevor Draenor ganz starb.
Die gleichzeitig aufgerissenen Portale überforderten die bereits verwundete Welt. Draenor zerbrach und wurde zur Scherbenwelt. Das Buch hatte die Flucht ermöglichen sollen, half aber, die Heimat der Flüchtenden endgültig zu vernichten. Ner'zhuls Plan zeigt die gefährlichste Verlockung seiner Seiten: Ein Zauber kann technisch gelingen und seinen Zweck dennoch verschlingen, wenn die Macht seiner Folgen größer ist als die Vorstellung des Zaubernden.
Khadgar schließt mit denselben Seiten ein Tor
Im Chaos gelangte der Band zu Khadgar. Der frühere Schüler Medivhs und seine Magier nutzten das darin enthaltene Wissen, um das Dunkle Portal von Draenors Seite zu zerstören und Azeroth vor dem Zusammenbruch der Welt zu schützen. Ein Wildhammergreifenreiter brachte das Buch und Gul'dans Schädel im letzten Augenblick durch das schließende Tor zurück. So half dasselbe Werk, das die Katastrophe ermöglicht hatte, ihre Ausbreitung aufzuhalten.
Das Buch wurde den Kirin Tor übergeben und in einem gesicherten Gewölbe Dalarans verwahrt. Für Khadgar muss die Rettung einen bitteren Klang gehabt haben. Wieder hatte Medivhs Wissen eine Welt mit einer anderen verbunden, und wieder lag die Verantwortung beim Leser. Der Band war weder gereinigt noch verflucht worden. Nur der Zweck und die Grenzen jener, die ihn aufschlugen, hatten sich geändert.
Kel'Thuzads Beschwörung
Im Dritten Krieg führte Arthas die Geißel nach Dalaran, weil Kel'Thuzad das Buch für eine Beschwörung brauchte. Antonidas fiel, die Verteidigung der Stadt brach, und der Lich öffnete den geschützten Band. Zu Lebzeiten hatte der neugierige Magier nie Zugang zu diesem Wissen erhalten. Nun benutzte er es als Diener des Lichkönigs, um einen Riss zum Wirbelnden Nether zu schaffen.
Archimonde trat durch das Tor und vernichtete Dalaran mit einer beiläufigen Demonstration seiner Macht. Danach zog die Legion nach Kalimdor, während das Buch bei Kel'Thuzad blieb. Der sorgfältigste Schutz der Kirin Tor hatte versagt, weil eine ganze Armee bereit war, ihn zu brechen. Das war kein Beweis, Wissen dürfe niemals gesammelt werden. Es war ein Beweis, dass die Gefahr eines Artefakts auch in der Gewalt liegt, die andere für seinen Besitz aufbringen.
Eine offene Spur am Grabmal
Später gelangte das Buch aus den Händen des Kults der Verdammten in die Scholomance. Während der dritten Legioninvasion ließ Gul'dan es zusammen mit anderen Artefakten stehlen. Ein Hexenmeister des Schwarzen Ernteordens nahm es den Angreifern wieder ab und brachte es zum Schein für Gul'dans Ritual an das Grabmal des Sargeras. Der Verrat gegen Gul'dan verhinderte den geplanten Ansturm zahlloser Legionswelten.
Ob das Buch nach diesem Einsatz geborgen wurde, ist nicht überliefert. Es sollte deshalb weder sicher in Dalaran noch zerstört genannt werden. Sein unbekannter Verbleib lässt eine Gefahr offen, die zu seiner ganzen Geschichte passt. Medivhs Seiten haben Portale geöffnet und geschlossen, Welten verwundet und gerettet. Keine dieser Taten wohnte fertig im Einband. Das Buch bewahrt Möglichkeiten. Erst ein Leser macht aus ihnen einen Weg, und jedes Mal entscheidet sich neu, ob am anderen Ende dieses Weges Zuflucht wartet oder eine Armee.