Ein Bild dessen, was Azeroth werden könnte
Die Tränen der Elune gehören zu den Säulen der Schöpfung, welche das Pantheon den titanischen Hütern für die Ordnung Azeroths überließ. Anders als Hammer, Schild oder Stein tragen sie keinen Titannamen. Sie verkörpern den Traum dessen, was Azeroth werden könnte. Diese Beschreibung macht sie nicht zu einer sicheren Prophezeiung. Ein Traum zeigt eine Möglichkeit, die geschützt und gewählt werden muss, keine Zukunft, die von selbst eintritt.
Welche genaue Beziehung zwischen dem Relikt, Elune und den Titanen besteht, ist nicht vollständig erklärt. Vermutungen ordnen die Tränen Eonar zu, weil beide mit Leben verbunden sind, doch eine ausdrückliche Bestätigung fehlt. Gerade diese Lücke sollte sichtbar bleiben. Der Name ist kein Beweis für eine einfache Herkunft, und die Macht des Gegenstands verbindet kosmische Ordnungen, deren Verhältnis die bekannten Überlieferungen nur in einzelnen Begegnungen zeigen.
Von Suramar nach Val'sharah
Die Hochgeborenen sammelten die Säulen im alten Kalimdor und verwahrten sie in Suramar. Während des Krieges der Ahnen setzte Elisande die Relikte mit ihren Verbündeten ein, um ein weiteres Portal der Brennenden Legion am Tempel der Elune zu schließen. Die Tränen dienten damit schon früh nicht der Betrachtung einer fernen Vollkommenheit, sondern der Abwehr einer ganz unmittelbaren Vernichtung.
Später gelangten sie aus unbekanntem Grund in den Tempel der Elune in Val'sharah. Dort wurden sie über Jahrtausende bewahrt. Der Ortswechsel ist belegt, sein genauer Anlass nicht. Vielleicht erschien der heilige Hain als natürlicher Schutz, vielleicht spielten ältere Bindungen eine Rolle. Jede bestimmtere Erklärung wäre Erfindung. Sicher ist nur, dass ein Werkzeug titanischer Ordnung im Herzen nachtelfischer Spiritualität zu einem verehrten Teil einer anderen Erinnerung wurde.
Xavius verdirbt den Traum
Während der dritten Legioninvasion stahl Xavius die Tränen und erfüllte sie mit dem Smaragdgrünen Alptraum. Mit dem verdorbenen Relikt traf er Ysera. Die grüne Drachenkönigin, die den Traum über Zeitalter gehütet hatte, wurde selbst zu einer Waffe gegen Val'sharah. Der Gegenstand, der Azeroths mögliche Zukunft verkörperte, zeigte nun, wie leicht eine Hoffnung gegen ihre eigenen Wächter gerichtet werden kann.
Ysera griff den Tempel an und fiel im Kampf. Danach stieg ihr Geist unter einem von Elunes Licht gezeichneten Himmel empor, und die Tränen wurden gereinigt. Das Geschehen erschien wie ein unmittelbares Eingreifen der Mondgöttin, auch wenn nicht jede kosmische Einzelheit erklärt wurde. Reinigung machte den Verlust nicht rückgängig. Yseras Tod blieb der Preis dafür, dass Xavius den Traum berühren konnte.
Ein Schlüssel für Licht und Legion
Die gereinigten Tränen wurden nach Dalaran gebracht. Dort reagierten sie auf das Herz des Lichts, den Kern der Naaru Xe'ra, und halfen, dessen Botschaft zu öffnen. Velen hatte geglaubt, nur ein Nachkomme Xe'ras könne dies bewirken. Die Reaktion des Relikts stellte dieses Wissen infrage, ohne eine vollständige Erklärung zu liefern. Medivhs Aufzeichnungen deuteten eine Verbindung zwischen Elune und der Naaru an, doch aus einer Andeutung sollte keine gesicherte Abstammung gemacht werden.
Gemeinsam mit den anderen Säulen gelangten die Tränen anschließend ins Grabmal des Sargeras. Dort halfen sie, das große Legionsportal zu schließen. Zweimal hatten sie nun einem Einfall der Legion entgegengewirkt, getrennt durch zehntausend Jahre und Yseras Tod. Ihre Macht lag nicht nur im Licht des Namens. Sie bestand auch darin, dass Sterbliche und Unsterbliche ein verwundetes Relikt erneut in einen schützenden Zusammenhang stellten.
Ungewissheit nach Dalarans Fall
Später wurden die Tränen in Aegwynns Galerie in Dalaran verwahrt und stark gesichert. Als Xal'atath die Stadt zerstörte, gingen unersetzliche Artefakte verloren. Ob die Tränen der Elune unter ihnen waren, ist nicht bekannt. Sie dürfen daher weder sicher als vernichtet noch als geborgen bezeichnet werden. Ihr letzter bestätigter Ort lag in einer Stadt, deren Trümmer keine vollständige Bestandsliste zurückgaben.
Die Tränen stehen für eine mögliche Zukunft, und gerade ihr offener Verbleib hält diese Bedeutung lebendig. Ein Traum kann gestohlen, verdorben und gereinigt werden; er kann eine Göttin, eine Naaru und titanische Ordnung berühren, ohne sich in eine einzige Lehre einordnen zu lassen. Das Relikt versprach nie, dass Azeroth unversehrt bleiben würde. Es erinnert daran, dass selbst nach Yseras Fall etwas gereinigt und weitergetragen werden konnte. Ob die Tränen noch bestehen, bleibt offen. Die Möglichkeit, die sie verkörpern, hängt ohnehin nicht an einem Gegenstand allein.