Gras unter weitem Himmel
Mulgore liegt zwischen Gebirgszügen im südlichen Kalimdor. Weite Ebenen, Seen und hohe Tafelberge bilden ein Land, in dem der Himmel fast überall sichtbar bleibt. Für die Tauren ist die Landschaft nicht bloß Boden. Jagd, Kräuter, Wasserstellen und die Stimmen der Ahnen verbinden sich zu einer Heimat unter den Augen der Erdenmutter.
Tauren hatten schon in früheren Zeiten in der Region gelebt, waren aber über Generationen nomadisch geworden. Centaurenangriffe trieben Stämme auseinander und hielten sie in Bewegung. Mulgore war daher zugleich Erinnerung an Herkunft und ein Ort, den sie erst wieder sicher genug machen mussten, um bleiben zu können.
Cairnes Heimkehr
Während des Dritten Krieges traf Cairne Bluthuf auf Thrall. Die Orcs halfen seinem Stamm gegen die Centauren, und Cairne führte sie im Gegenzug zum Orakel und später zum Hyjal. Nach dem Krieg begleiteten Verbündete die Tauren nach Mulgore. Aus gemeinsamer Flucht entstand ein dauerhafter Platz in der neuen Horde.
Auf den nördlichen Tafelbergen gründete Cairne Donnerfels. Aufzüge verbanden die Höhe mit der Ebene, Brücken die einzelnen Erhebungen. Die Stadt bot Schutz, ohne den Blick auf das Land abzuschneiden. Tauren verschiedener Stämme fanden dort Raum, und Gäste der Horde wurden willkommen geheißen.
Ein Land mit vielen Ansprüchen
Die Rückkehr der Tauren machte Mulgore nicht konfliktfrei. Centauren, Gnolle, Harpyien und Stacheleber lebten oder jagten ebenfalls in der Region. Zwerge gruben in Bael'dun nach Relikten, ohne die heilige Bedeutung des Bodens anzuerkennen. Die Venture Company nahm Holz und Wasser als Waren, solange sich Gewinn daraus ziehen ließ.
Für Baine und andere Tauren war die Verletzung der Erde nicht nur Besitzstreit. Ein Grab oder heiliger Ort verliert seine Bedeutung nicht, weil ein Forscher darunter etwas Älteres vermutet. Mulgore zwang die Tauren immer wieder, Gastfreundschaft von der stillen Duldung fremder Ausbeutung zu unterscheiden.
Der Schatten der Grimmtotem
Nach Cairnes Tod nutzte Magatha Grimmtotem die Unruhe und übernahm Donnerfels. Baine sammelte Verbündete und gewann die Stadt zurück. Der Angriff kam nicht von einem fernen Reich, sondern von einem Taurenstamm mit eigener Vorstellung von Stärke und Führung.
Grimmtotemgruppen blieben eine Gefahr, und spätere Angriffe richteten sich auch gegen das Wasser der Hauptstadt. Mulgore zeigte damit, dass gemeinsame Herkunft keine automatische Einigkeit schafft. Die Erdenmutter spricht zu vielen Stämmen; kein einzelner kann daraus ein alleiniges Recht auf Herrschaft ableiten.
Heimat als gelebtes Gleichgewicht
Legion, Geißel und weitere Feinde griffen die Region an, doch das alltägliche Leben kehrte zurück. Junge Tauren beginnen in Camp Narache ihre Riten, Jäger folgen Wild, Schamanen hören den Elementen zu. Donnerfels wurde kein stilles Heiligtum außerhalb der Welt. Es ist Hauptstadt, Markt und politischer Ort.
Mulgore verkörpert den Wunsch eines lange gejagten Volkes, endlich anzukommen, ohne das Land in starren Besitz zu verwandeln. Diese Balance gelingt nicht immer. Doch die Tafelberge erinnern daran, warum Tauren dort bleiben: Von oben lässt sich weit sehen, und unten bleibt jeder Weg mit Erde verbunden. Schutz bedeutet in Mulgore nicht, die Ebene zu besitzen. Er bedeutet, so auf ihr zu leben, dass auch die nächste Generation noch eine Stimme im Wind hört.